Der persische Wolf – Arash AF10

Der Finanzmarkt brennt, die Wirtschaft hinkt, die Automobilkonzerne sind am Boden. Bei Opel stehen die Bänder für 3 Wochen still, bei BMW und Mercedes für 4 Tage und sogar der neue Golf muss mit Verkaufsförderung und Lockangeboten in den Markt gedrückt werden.
Doch es scheint ein – phänomenal großes – Publikum zu geben, dass allen Unmutes zum Trotz das Geld mit vollen Händen ausgeben kann. Beispiele gibt es viele: Aston Martin hat sein Millionen-Pfund-Supercar “One-77″ ausverkauft, Bentley führt Wartelisten, Rolls-Royce präsentiert Baureihe nach Baureihe, Lamborghini verteilte den 1 Mio. Euro teurer Reventon unter den wartenden Kunden, Pagani kann seine Supersportwagen beinahe verlosen und bei den Oldtimern kennen die Superlative keine Grenzen mehr: Sieben Millionen Euro gab ein britischer Radiomoderator für einen schwarzen 250 GT California Spyder SWB aus und die 28.5 Millionen Dollar, die ein Sammler für einen 250 GTO aufbrachte, werden sicher nicht das Ende des Wahns sein.
Neidisch könnte man sein. Hätte ich doch und könnte ich bloß. Aber warum sollte man? Sehen wir es doch einmal so: es ist schön, dass es genug solvente Kunden gibt! Was wäre unser Autoalltag zwischen Kleinwagen und strikt sinnvollen Autos? Was wäre ein Besuch an der Nordschleife, wenn dort nicht der Geruch von verbranntem Benzin, heißem Öl und gequälten Reifen in der Luft läge?
Koenigsegg, Ascari, Spyker und Co verleihen der Autowelt doch erst ihre Vielfalt und ihre Faszination.


Mit dem Arash AF10 bahnt sich ein neuer Stern den Weg in den Himmel automobiler Träume.
Arash wer? Gut, auf eine ruhmreiche Vergangenheit voller glorreich gewonnener Rennschlachten kann die kleine britische Autoschmiede nicht zurückschauen, doch der persische Inhaber und Gründer Arash Farboud versucht seinen Ruf erst aufzubauen: durch faszinierendes Design, funktionale Großserientechnik und – man mag es kaum glauben – bezahlbare Preise.
Beim Anblick des AF10 sieht aber nichts nach Erstlingswerk und Prototyp-Verlegenheit aus. Ein Supersportwagen wie er sein muss. Breit, flach, schön. Keine Gumpert-Spoiler-an-der-Decke-fahrbar-Wucherungen, keine elektrisch ausfahrbaren Gimmicks, sondern die pure Eleganz. Organisch fließende Formen machen den Arash zu einem wahren Meisterwerk.
Natürlich schmückt sich der AF10 auch mit Zitaten der Konkurrenz, aber eben sehr subtil und ohne zu dick aufzutragen. Die runde Nase zum Beispiel erinnert an den Artega GT und die LED-Blinker leiht man sich vom Porsche turbo. Der innovativ in die Front integrierte Carbonspoiler jedoch zeigt die Kreativität der Macher aus Cambridge. Die runde, fast tropfenförmige Pilotenkanzel erinnert an vergangen Gruppe-C-Zeiten und Gegner wie Koenigsegg oder Pagani.


Auch Ferrari findet man am Arash, so zum Beispiel die Seitenansicht mit den Flügeltüren, die am Enzo in ähnlicher Form verbaut wurden. Der Heckabschluss nimmt auch Anleihen am Superstar aus Maranello, jedoch wirkt der AF10 schlanker und weniger effektheischend.
Im Innenraum dürfen sich dann auch die Zuffenhausener geehrt fühlen, denn ein Instrumententräger wie im Arash war auch im ausgelaufenen Carrera GT zu finden, aber auf rautenförmig abgestepptes Leder mussten die Porsche Piloten verzichten.

Der AF10 ist vielleicht das Beste aus allen Welten. Ein Kompromiss, ohne sich die Nachteile einer zu fokussierten Ausrichtung einzufangen. Was kann also noch passieren?
Viel, wenn man bedenkt, dass wir bisher nur von Design und Auftreten gesprochen haben. Das Herzstück eines Supersportlers ist und bleibt der Motor. Hier wird der Krieg gewonnen. Farboud war sich dessen sicher bewusst und so wählte er ein hochdekoriertes Aggregat aus dem General Motors Konzern: den 7-Liter V8 aus der Corvette Z06. Böser V8-Beat, harte Drehzahlen – ein idealer Motor für den AF10. Die englischen Motorenbauer haben dem Aggregat zudem weitere 44PS mit auf den Weg gegeben, die man in Detroit im Ölsumpf übersehen haben muss. Die restliche Technik stammt mit Ausnahme leichter Anpassungen ebenfalls aus der Corvette. Für die Negativbeschleunigung sind AP-Keramikbremsen verantwortlich, welche über jeden Zweifel erhaben sein sollten.
Das Fahrzeuggewicht wird sie zudem vor keine großen Anstrengungen stellen, denn die 4.40m lange Karosserie besteht aus einem Kohlefasermonocoque, an dem sich ein leichter Aggregatehilfsrahmen aus hochfestem Stahl anfügt. So ausgerüstet sprintet der 550 PS Bolide in 3.4 Sekunden auf 100 und stellt damit selbst einen Bugatti Veyron vor eine schwierige Aufgabe. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 328km/h.
Im Basispreis von knapp 220.000 EUR (172.000 Pfund Sterling) sind dann auch noch Goodies wie Klimaautomatik, Rückfahrkamera, CD-MP3-Infotainment und spezielle 19 Zoll Leichtbaufelgen enthalten. Präsentiert wird der Arash AF10 auf der British International Motorshow in London noch in diesem Jahr.
Dass das Vorhaben von Arash Farboud gelingen wird bezweifeln wir kaum, denn selten war der Entwurf eines Supersportwagens überzeugender oder durchdachter. Der Perser hat ein umwerfend hübsches Auto auf die Räder gestellt, ohne die Ambition neue Streckenrekorde aufzustellen oder auf der Strecke Moskau-Peking höchsten Komfort zu gewähren. Es ist ein Auto zum Träumen. Punkt.
(Vor allem, wenn man im Traum den Z06 Motor mit dem Kompressor V8 der neuen ZR1 austauscht. Wenn die Engländer dann noch mal ordentlich „horsepower“ finden steht den 700PS nichts mehr im Wege…)



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