Kolbenfresser ?– der neue VW Touareg II

Ja, die Verbrennungskraftmaschine hat es nicht leicht. Archaisch, umweltschädigend und zu wenig zukunftstauglich. Was also tun? Downsizen, turboladen und hybridisieren – so man dem allgemein eingeschlagenen Weg Glauben schenken darf.


Auch der neue VW Touareg ist nun einer dieser Kolbenfresser. Die großen Charakterdarsteller der letzten Baureihe, der mächtige V10-Dieselmotor und der herrlich selbstherrliche W12-Otto, musste weichen und den Weg für die neue political correctness frei machen.
Wie die aussieht? Nun ja, von Außen erstmal nicht wirklich anders: Statt satt verchromtem Plakettengrill gibt es nun das Golf-Familiengesicht und die obligatorische VAG-Lichtgirlande. Dazu ein dynamisch modellierter Stoßfänger, der mit Radaraugen, Ultraschallaugen und Kameraaugen so ziemlich alle derzeitigen Upperclass-Gizmos beherbergt.


Die Seitenansicht hingegen ist frei von irgendwelchen Styling-Allüren. Der um vier Zentimeter gestreckte Radstand und die etwas verringerte Höhe fügen sich zu einer harmonischen Linie zusammen. Die dezent, aber dennoch kraftvoll ausmodellierten hinteren Kotflügel unterstreichen zusammen mit dem fein definierten Schweller den gelungenen Eindruck.


Selbst das Heck des Neuen kann sich sehen lassen: Ein bisschen Golf, ein bisschen Tiguan und dennoch unverkennbar Touareg – so geht corporate identity. Einzig die mächtig schrägen Endrohre sind vielleicht ein bisschen überzogen, was wohl (wie auch bei den Außenspiegeln) am Cayenne-Erbgut liegen könnte.


Dass Gene aus Stuttgart aber nichts Schlechtes sind zeigt der zum neuen Spitzenaggregat erkorene Antrieb: ein Hybrid. Statt eines 6.0 Liter W12 muss sich der stärkste Touareg II mit der exakten Hälfte begnügen: Ein Audi 3.0 V6-Kompressor-TSI muss es richten. Was also hat das Ganze mit Porsche zu tun? Viel, denn die Schwaben haben zwar nicht den Motor entwickelt, wohl aber das Aggregat mit einem Hybridmodul zwischen Motor und Getriebe versehen und dem 333PS-Verbrenner mit 47 Elektro-PS so zu 380PS Hybrid-Gesamtleistung verholfen. Portioniert wird die Leistung über eine Achtgangautomatik.

Kraft bekommt die elektrische Anlage aus einem etwas altbackenen NiMH-Akku, der seine 80kg Gewicht unter dem Kofferraumboden verteilt. Das sich mit dieser Energiemenge keine Eisberge vor der Schmelze schützen lassen sollte jedem klar sein, immerhin verspricht VW jedoch, dass der T II bis zu 50km/h rein elektrisch fahren kann. Zur Reichweite gibt es allerdings keine weiteren Informationen.

Wenn man nun davon ausgeht, dass das 47PS-Elektromotörchen den 2150kg schweren (und damit zwar 200kg leichteren, aber immer noch mächtig gewichtigen) SUV in etwa 10 Sekunden vom Stillstand auf dieses Tempo beschleunigt erhält man eine mittlere Beschleunigung von etwa 1.4m/s². Diese wiederum ergibt mit der Beschleunigungszeit zum Quadrat im Produkt die zurückgelegte Strecke von unglaublichen 70 Metern. Gratulation, da hat sich der Aufwand aber gelohnt.


Immerhin schafft er zusammen mit dem 333PS-Benziner bessere Werte, denn VW gibt die 0-100 Zeit mit 6.5 Sekunden an und verspricht 240km/h Spitze. Bei ganz korrekten 8.2 Litern Super natürlich. Die anderen Aggregate, die zum Markstart verfügbar sein werden geizen ähnlich beim Verbrauch: 7.4 Liter Diesel für den 240PS-3.0-V6 und 9.1 für den 340PS 4.2-V8. Der 280PS-Otto mit 3.6 Litern Hubraum dürfte eher eine Randerscheinung bleiben.

Randerscheinungen kann der Fahrer im Innenraum des neuen Touareg ebenfalls gut erkennen, denn die oben genannte Frontkamera zeigt gemeisam mit einer in der Heckklappe und zwei in den Außenspiegeln einen „Area View“ auf dem riesigen TFT-Monitor in der Mittelkonsole. Was das Rangieren im Gelände erleichtern soll wird wohl eher den Voyeurismus-Trieb im Stau anheizen.


Doch VW hat auch anderweitig im neuen Interieur für Ablenkung gesorgt. Der barocke Stil des Vorgängers ist passé, mehr Schloss statt Burg scheint das Motto der Designer gewesen zu sein. Es gibt immer noch meterweise Holz, viel Leder, viel Chrom und doch sieht das Arrangement deutlich lockerer aus, ohne dabei weniger hochwertig zu wirken.


Was bleibt also zum Fazit? Der Neue ist ziemlich der Alte was seine Qualitäten angeht: Platz, Komfort und Qualität. Nun kann er jedoch auch in Umweltfragen etwas besser antworten, wenn auch die Hybrid-Lösung nicht der Weisheit letzter Schluss ist. Bei den Preisen wird sich nicht viel ändern, der Einstieg sollte wieder um die 50.000 EUR sein.

Für uns ist der neue T II insofern interessant, als dass sich der Alte viel Technik mit dem Phaeton geteilt hat und die Moderne im Cockpit des neuen Touareg auch gut im Beinahe-Klassiker aus Dresden machen würde. Wir sind gespannt.

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