Vorkoster – der neue Skoda Fabia

Ein Vorkoster ist eine Person mit der spezifischen Aufgabe, Speisen und Getränke (durch die Entnahme und Einnahme einer Kostprobe) auf ihre Qualität und Verträglichkeit zu prüfen.

Historisch gesehen war der Vorkoster das Amt eines Angestellten, meist eines Sklaven, bei Hofe. Im alten Rom trug ein Sklave, der das Amt des Chefvorkosters innehatte, die Bezeichnung Praegustator. Vor jeder Mahlzeit hatte er die fertig zubereiteten Speisen und Getränke zu kosten. Wenn nach einer gewissen Wartezeit der Vorkoster keine Anzeichen einer Vergiftung zeigte, war dadurch die (relative) Gewissheit gegeben, dass die Speisen gut und nicht vergiftet waren und der Herrscher somit selbst getrost zugreifen konnte.

Ihnen klingt das zu sehr nach spätrömischer Dekadenz? Gut, zwar ist dieser Begriff im Moment medienpräsenter denn je, doch wir wollen hier keine arbeitsethischen Fragen klären, sondern über ein neues Auto referieren. Dennoch war die antike Vokabel kein völliger Fehlgriff, denn auch in der Automobilbranche gibt es durchaus noch den Vorkoster im klassischen Sinne.

Zwar sind heute keine Giftmorde auf die Herrschaftshäuser mehr zu befürchten, doch den Herstellern ist ihr Image zuweilen so wichtig, dass man aus Angst vor Fehlgriffen gerne eine weniger wertvolle Marke vorschickt um die Reaktionen der Käufer zu testen.

Der Gemischtmarkenkonzern aus Wolfsburg ist darin ein besonderes Spezialist, denn er hat mit seinen beiden Ziehtöchtern Seat und Skoda zwei exzellente Spielfiguren, die die neuesten Schachzüge der Entwicklung erproben können, ohne dass der eigene Ruf etwa durch klemmende Gaspedale Gefahr liefe beschädigt zu werden.

In der kleinen Baukastenplattform von VW spielt seit über zehn Jahren der Skoda Fabia die Rolle des Vorkosters. Fahrwerk, Antriebsstrang und Bussysteme werden so neben den umfangreichen Werks-Erprobungen im harten Alltagseinsatz auf Herz und Nieren getestet, bevor der die Komponenten dann völlig ausgereift und fehlerfrei im VW Polo debütieren.

Als Bonbon gönnt sich VW zudem immer die aktuellste Motorentechnik, wenn die eigenen Modelle an den Start rollen – denn zuviel gute Gene möchte man den Töchtern dann wohl doch nicht mitgeben.

Immerhin bekommen sie diese irgendwann nachgereicht – wie nun auch beim Skoda Fabia II geschehen. Seit 2007 am Markt hat er sich dank schicker Optik, solider Technik und nicht zuletzt der Abwrackprämie zu einem Liebling der Autokäufer entwickelt – schließlich war der Fabia 2009 das meistimportierte Modell auf dem deutschen Markt.

Zum neuen Modelljahr gönnt ihm Konzernmutter aus Deutschland deshalb auch die modernen Aggregate des seit letztem Jahr auf dem Markt befindlichen Polo 6R.


Alle Motoren sind jetzt EU5 sauber und selbst den famosen 1.2 Liter-TSI darf Skoda nun in den Fabia verbauen. Mit 86PS und 105PS gibt es den Turbobenziner, auf Wunsch nun sogar erstmal mit dem Siebengang-DSG von VW. Beim Verbrauch setzt Skoda ebenfalls ein Zeichen in der kleinen Klasse, selbst der große TSI-Motor soll nur 5.3 Liter Super im Schnitt auf 100 Kilometer verbrauchen.

Die Dieselmotoren sind ebenfalls frisch: den Einstieg bildet der Bluemotion-Motor mit 1.2 Litern Hubraum und 75PS, weiter geht es mit dem 1.6 Liter-TDI mit 90PS oder 105PS. Das bedeutet also auch für den Fabia die Abkehr von der rustikalen Pumpe-Düse-Technik hin zur modernen Piezo-Common-Rail-Einspritzung. Das erhöht nicht nur den Geräuschkomfort und die Abgasemissionen (DPF in allen TDI Serie), sondern sorgt wie bei den Benzinern für Sensations-Verbräuche. Genaue Zahlen sind zwar noch nicht bekannt, jedoch gibt sich Skoda selbstbewusst mit der Angabe das kein Diesel über 110g CO2/km ausstoßen soll. Das wären selbst beim 105PS-TDI weniger als 4.15 Liter im Schnitt.


Wie zeigt man dem Kunden die neue Reife? Man lässt einen Schnauzer stehen. Endlich darf auf der kleinste Tscheche den Burt-Reynolds-Kühlergrill tragen und zusammen mit den schärfer ausgeformten Scheinwerfern wirkt der Fabia ein ordentliches Stück erwachsener. Das Niedliche der vergangenen Tage ist passé, ohne das es unangenehm oder gar unangemessen erscheint. LED-Lichterketten sucht man übrigens vergebens.


Eigentlich hatten wir nach unserer Nordland-Reise im letzten Jahr auch für den kommenden Marathon mit einem Superb geplant, doch vielleicht gibt es nun sogar einen Familienausflug? Auf surf-spot-Suche in Frankreich, Spanien und Portugal im Skoda Fabia 1.6 TDI DSG Combi? Lassen Sie sich überraschen…

Die Modellpflege gibt es übrigens in gleichem Umfang auch für den Skoda Roomster, aber das war Ihnen als fachkundigem Leser sicher bereits aufgefallen. Die Preise des neuen Fabia starten etwa bei 11.000 EUR und halten damit wie immer einen Respektabstand zum Polo.

Zeichnung: © Les Editions ALBERT-RENÉ, GOSCINNY-UDERZO

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