Grüezi mitr’nand – alle Neuheiten des Genfer Salons

Während die internationale Motorjournalisten-Elite gerade am See zu Genf weilt und sich auf dem Konzernabend des bald weltgrößten Automobilherstellers die Zeit vertreibt, bleibt für die asphaltfrage vor allem Eines zu tun: alle Neuheiten vorstellen. Ohne Werbung, ohne Links und ohne Event-Einladungs-Bittstellungen – denn wir bleiben unserem Motto treu.



Nun aber los. Aus Gründen der besseren Übersicht gibt es die Neuheiten in alphabetischer Reihenfolge. Wenn Sie Ihren persönlichen Liebling erst nach einigem Scrollen wieder finden hat das nichts mit einer etwaigen Geringschätzung unsererseits zu tun.

Alfa Romeo:


Die Italiener präsentieren den Nachfolger des 147ers. Zahlen haben nun ausgedient bei der Modellbezeichnung und deshalb darf der ordentlich gewachsene Golf-Konkurrent nun auf den klangvollen Namen „Giulietta“ hören. Ob das etwas mehr Glück im Verkauf bringt? Man wünscht es der mindestens 21.000 EUR teuren Schönheit. Die Motoren starten bei volksfreundlichen 105PS und leisten bis zu 230PS aus einem schön angespitzen 1750er TBi. DRL, DST und DNA gibt es inklusive – was auch immer das heißen mag.

Audi:


Im neuen A1 soll der Mini seinen Meister finden. Teuer, stylish und modern. Passend inszeniert man die Präsentation mit Pop-Sternchen Justin Timberlake, der in Anbetracht der Dekollete-affinen Presse-Meute nicht so recht warum gerade er für diesen Event gebucht wurde. Nichtsdestotrotz, der A1 wird ein Erfolg werden – wohl auch weil es eines der wenigen Modelle der Ingolstädter ist, mit denen selbst wir uns anfreunden können. Damit der A1 nicht nur der Schickeria gefällt, sondern auch der heimischen Flora und Fauna gibt es ihn in Genf natürlich auch als Hybrid. Allerdings – und das ist neu – ist sein Konzept recht stimmig: er wird klar als Stadtauto proklamiert, der 61kW (75 im Overosst) Elektromotor zieht seinen Saft aus einem 12kWh Li-Ionen-Speicher und verfügt über einen Wankelmotor als Range-Extender. Der Wankel ist doppelt gut: er ist extrem klein und lässt sich sehr effizient im Stationärbetrieb betreiben. Da gibt es wenig auszusetzen.


Ebenfalls nach unserem Geschmack ist der RS5. V8-muscle, modernste Fahrdynamik-Mechatronik, was will man mehr? Vielleicht einen Turbo. Na ja, 450PS sollten wohl zum Ausparken reichen.

Bentley:

Bei den Briten hat es diesmal nur für etwas badge-engineering gereicht. Statt einer wirklichen Neuheit bedient man die Weltstar-Fußballer und andere Sternchen mit dem Continental Supersports Convertible. Klingt etwas hölzern, ist es auch: mit 388g CO2 pro Kilometer wird der ein oder andere Baum im nahen Umkreis des 630PS-Boliden ordentliche Photosynthese betreiben müssen, damit der Umweltaktivist auf seinem Liegerad nicht benommen ins Bankett stürzt. Weitere Fakten: 800Nm, 325km/h, 4.2 Sekunden, 2.4 Tonnen, 400mm Bremmscheiben, 275er Bereifung rundum. Preise interessieren hier eh niemanden. Vielleicht Leasing-Raten, aber wir konnten auch hierzu keine Informationen erlangen.

BMW:

Auch bei den Bayern steht in Genf alles im Zeichen des Klimas. Der große X5 darf sich mit seinem neuen Antlitz der Öffentlichkeit zeigen und sogar die M-Kriegsbemalung tragen. Dem X6 hat man mit dem Performance-Paket nicht nur die Leistung gesteigert, sondern auch das letzte Quäntchen Schotter-Fähigkeit genommen. Besser sieht es da schon für die neue 5er-Reihe aus. Um dem EfficientDynamics-Programm wieder etwas Auffrischung zu Teil werden zu lassen gibt es einen neuen Hybriden: ActiveHybrid lautet auch sein Name, doch kommt er statt mit acht Zylinder schon mit sechs aus. Basierend auf dem neuen 3.0 Liter Single-Turbo mit 306PS boostet ein 40kW Elektromotor den Verbrauch nach unten und das Gewicht nach oben. BMW spricht von sensationellen zehn Prozent Kraftstoffersparnis – na das hat sich aber gelohnt.

Carlsson:

Zwar hat der C25 keinen Propeller auf dem Rücken, dafür aber 735PS und 1150Nm unter der Haube. Damit diese Potenz auch von weit her sichtbar ist plustert sich der unterm Carbon versteckte SL 65 AMG mächtig auf. Wohin das Auge auch blickt, nirgendwo möchte man sagen „ach, ist der schön“. Doch die Gefahr einen der 25 Boliden in freier Wildbahn zu treffen ist eher gering: Carlsson verkauft pro Land nur ein Exemplar. Preis 510.510 EUR.

Citroen:

Es lebe die Göttin. Getreu diesem Motto fachen die Franzosen das Feuer unter dem DS-Label gehörig an. Erster Streich: der DS3 Racing. Grau und Orange betritt der kleine Renner das Parkett und möchte wie schon der Audi A1 dem Bestseller aus Oxford Konkurrenz machen. Wenigstens auf motorischer Seite sollte das gelingen, denn das 200PS starke 1.6 Liter Turboaggregat ist dank joint-venture beinahe baugleich im Mini JCW verbaut. Bleibt die Frage wer sich ernsthaft mit diesem Gesicht und der schrulligen Haiflosse an der B-Säule sehen lassen möchte.

D: da wir uns bei asphalfrage.de auf qualitativ hochwertige Fahrzeuge beschränken, gibt es zum Buchstaben D nichts zu berichten. Jedenfalls ist uns keine moderne Marke mit diesem Buchstaben bekannt.

Ferrari:

Er ist da – und er ist grün. Der 599 „HY-KERS“. Details gibt es zwar immer noch nicht viele, dafür aber echte Bilder. Wir schienen auf der richtigen Fährte gewesen zu sein. Interessanter finden wir da aber dennoch die (hartnäckigen) Gerüchte um einen neuen GTO. Vielleicht steht er morgen auf der Messe, wer weiß?

Fiat:

Das Abarth 500 Cabrio, sowie der Abarth Punto Evo sind die Highlights am Stand der Turiner. Nebenbei werden die neuen Multi-Air-Motoren noch mal im Detail gezeigt, das wars.

Honda: Den ersten Handschalter-Hybrid gibt es bei den Japanern. Doch ob das die Fans der CRX-Modelle beruhigen wird? 124 schmale PS aus 1.5 Litern Hubraum und Elektromotörchen sind doch etwas dürftig. Man muss wohl doch noch zum Type-R greifen, bevor die EU-Abgasnormen dem Drehzahltier den Saft abdrehen.

Kia:

Nach dem großen Sorento ist nun auch der kleine Sportage an der Reihe. Wie sein Bruder basiert er auf einem Hyundai, genauer gesagt dem ix35. Der kleine SUV soll die Erfolge der Vorgänger fortführen, was bei seinem sportiven Styling sicher nicht schwer sein dürfte. Der neue entwickelte CRDI-Motor dürfte ebenfalls ein gutes Kaufargument sein.

Koenigsegg:

Nach CC, CCX, CCXR und anderen kryptischen Chiffrierungen gibt es nun etwas Neues aus dem schwedischen Adligenhaus, den Agera. Was ein bisschen nach Landmaschine klingt hat mit dieser nicht im Entferntesten zu tun. 910PS und 1100Nm sollten zwar auch zum umpflügen einiger Felder ausreichen, es wird aber wohl beim Flug über die Autobahn bleiben. Maximal 390km/h sollen drin sein. Bis auf ein anderes Kohlefaserkleid außen bleibt aber eigentlich alles beim Alten.

Lamborghini:

Superleggera. Oh ja, Sprache ist eben doch etwas Faszinierendes. CSL, RS, GTI? Wir können nur kurz möchte man sagen. Superleggera hingegen macht schon beim Aussprechen Lust auf mehr. Dabei gibt es doch eigentlich weniger – Gewicht nämlich. Beim aktuellen Gallardo LP 570-4 sparen die Italiener 70kg Gewicht ein, packen 10PS drauf und gehen dabei sogar mit dem Verbrauch runter. Carbon und Magnesium gibt es en masse, selbstredend ein Plastikverschlag für das bissige V10-Triebwerk.

Lexus:

„wir sind nicht zu stoppen“ möchte man sagen: Des Einen Freud’, des Anderen Leid. Immerhin soll der neue CT 200h für mehr Endorphine im Verkaufsraum sorgen, wenngleich er nur ein hübsch verpackter Toyota Prius ist. Hoffentlich hat man bei Lexus die richtigen Bremsen verbaut…

Mercedes-Benz:

Wer hätte das gedacht? Ein Benz, der aussieht wie eine Skulptur. Mit dem F800 stellen die Stuttgarter ein Konzeptfahrzeug vor, das in seiner Formensprache alles Bisherige der Marke locker in den Schatten stellt. Sinnlich fließende Formen, dominater SLS-Grill, technoid kalte Scheinwerfer und dazu hocheffiziente Antriebe. Verbrenner, Hybrid, Brennstoffzelle? Die Multiantriebsplattform nimmt alles auf. Im Innenraum gibt es viel Touchscreen- und TFT-Fläche, vor allem aber soll das iPhone-Bedienkonzept seinen Weg in die Serie finden. Ob die Käufer bereit sind für soviel Moderne? Man darf auf den Mut der Entscheider hoffen.

Mini:

Während die Konkurrenz gerade dabei ist die Wunden zu lecken und rudelweise Premium-Kompaktsportler auf den Markt wirft, expandiert die britische Division der Bayern munter weiter. Ob die wilde Gipfelfahrt allerdings auch mit dem Countryman anhält bleibt fraglich. Mini ist der kleine SUV auf keinen Fall mehr, die Optik gerade am Heck ebenfalls gewöhnungsbedürftig. Immerhin bringt er den sportiven Allradantrieb des BMW X1 mit und sorgt so für einen Kaufanreiz, den man bei Mini so noch nicht hatte. Wenn statt der kleinen PSA-Mini-Motoren endlich die 2 Liter BMW-Triebwerke Einzug halten könnte die Country-Nummer dennoch richtig interessant werden.

Opel:

Ja, unser deutsches Sorgenkind. Wo geht die Reise hin, nachdem die Führungsetage getauscht wurde und Uncle Sam am Ruder sitzt? Der in Genf präsentierte Meriva wird die Talfahrt wohl noch etwas aufhalten können, stammt er mit seinem siucide-door-Prinzip, dem schicken Styling und den innovativen Raumlösungen im Innern noch aus der zuletzt sehr dynamischen Hans H. Demant-Ära.


Mit der Studie Flextreme GT/E wärmt man zwar eine alte Typenbezeichnung wieder auf, im Prinzip steckt und der aerodynamischen Hülle des Viertürers aber nur das Packaging des Ampera, sprich Elektromotor mit Benzin-Range-Extender. 60km Reichweite gibt es ohne lokale CO2-Emission, für alles Weitere muss der 1.4 Liter Verbrenner mit 72PS ran.

Peugeot:

Es dürfte das erste Mal sein, dass wir von der französischen Marke berichten. Warum das so ist? Weil die bisherigen Modellreihen kein Fahrzeug zu bieten hatten, das ernsthaft unserer Betrachtung bedurft hätte. Nun wird sich das wohl ändern, denn für 2010 hat sich die Designmannschaft geändert und in Genf gibt es die ersten Studien der neuen Kreativen: SR1 Concept nennt sich der Kohlefaser-Roadster, der auch als Aston-Martin durchgehen könnte. Dank Mini-Power schöpft er aus 1.6 Litern Hubraum 218PS und 300Nm. Damit es den umweltbewussten und Atomstrom-exportierenden Franzosen aber nicht zu bunt mit der Verschwendung wird, tarnt man den 2+1 Sitzer mit einem 70kW Elektromotor als hybriden Saubermann. Uns ist das egal, hauptsache der SR1 kommt so in Serie – ob mit Carbon oder ohne, die Form sollten sie so belassen.


Der Peugeot 5 verdient ebenfalls Erwähnung. Er soll die Nachfolge des 607 antreten, welcher hierzulande nicht nur von uns mit Missachtung gestraft wurde. Der 5er aus Frankreich sieht jedenfalls ebenso heiß aus, wie der sportliche SR1 – man darf gespannt sein.

Porsche: Cayenne, GT3 R Hybrid – kennen wir alles schon. Doch auf dem Konzernabend gestern haben die Stuttgarter ein interessantes Highlight in die Öffentlichkeit gerückt, den 918 Spyder.

Ein Mittelmotor-Supersportler, der die Nachfolge des Carrera GT antreten soll – mit 3 Litern Verbrauch. Kein Scherz, Porsche gibt exakt 70 Gramm CO2 pro Kilometer an. Wie das möglich ist? Sie ahnen es bereits – Hybridantrieb. Dem 4.6 Liter-Renn-V8 mit nun etwas über 500PS greifen drei Elektromotoren mit nochmals 216PS Leistung unter die Arme.

Es gibt also einen elektrischen Allradantrieb, torque-vectoring, DKG und eine Overboostfunktion. Das alles verteilt auf 1490kg und realistische Chancen auf eine Serienfertigung, denn Michael Macht betonte, dass Porsche noch nie eine Studie gezeigt habe, die später nicht auf die Straße kam. Das wäre schön, vor allem weil „holy-Walter“ bereits von Werten unter 7:30min spricht…


Skoda:

Auch die Low-End-Marke des Wolfsburger Gemischtmarkenladens präsentierte auf dem Galaabend eine Neuheit: den Fabia RS. Auch er bekommt das neue straffe Gesicht und darf wie der zeitgleich präsentierte Polo GTI auf einen doppelt geladenen 1.4 TSI-Motor mit 180PS und 7-Gang-DSG zurückgreifen.

Dazu kommen dezent sportliche Attribute an den Schürzen und nette Farben – fertig ist der kleine Volkssportler. Bleibt zu hoffen, dass die Preise einen guten Abstand zum mit 24.000 EUR doch sehr teuren Polo GTI halten werden. Interessantes Detail: den RS wird es im Fabia auch als Combi geben. Das wird sicher den ein oder anderen Familienvater erfreuen.

VW:

Die Konzernmutter selbst feuert in Genf aus allen Rohren. Der Krise zum Trotz, aus Demonstration der Stärke gegenüber Toyota, oder einfach nur „weil es geht“? Polo GTI, CrossPolo, CrossGolf, Touareg und nun auch noch der lange erwartete neue Sharan.

Viel los also auf dem Stand der Wolfsburger. Den Familien-VW wird es nun erstmal mit Schiebetüren geben und auch sonst präsentiert sich die Variabilität des Wahl-Siebensitzers auf dem Niveau der Konkurrenz. Technisch gibt es Konzern-Kost mit bis zum 200-Benzin-PS oder 170-Common-Rail-Pferden. Seat wird den Sharan als Alhambra übrigens ebenfalls wieder ins Programm nehmen.

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