geht’s noch? – der Porsche 911 Carrera GTS

Es ist unser Wort zum Sonntag. Carrera GTS, wissen wir überhaupt was das bedeutet? Scheinbar nicht, deshalb ist es Zeit wieder etwas Licht ins Dunkel zu bringen.


Seine Bestimmung war die Rennstrecke. Als erster Porsche mit Kunststoff-Karosserie läutete er den Beginn einer neuen Ära ein. Pur, leicht und schnell sollte der neue GT aus Stuttgart sein. Schönheit war nicht seine Stärke, allein der Sieg zählte. Direkt hinter dem Fahrer tat die hochkomplexe Fuhrmann-Maschine ihren Dienst. Drehzahlen bis hinauf zu 8000 Umdrehungen, 185PS und eine erstaunliche Zuverlässigkeit ließen den 904 zu einem sehr erfolgreichen Allrounder werden. Egal ob bei der Targa Florio, den 1000km am Nürburgring, den 24h von Le Mans, der Rallye Monte-Carlo oder der Tour de France. Der 904 Carrera GTS war in der Klasse fast nicht zu besiegen und oft ließ er auch die weit stärkere Konkurrenz hinter sich.


Doch nach seiner Außerdienstellung 1964 und 116 gefertigten Fahrzeugen verschwand auch die Typenbezeichnung wieder aus der Nomenklatur der Stuttgarter. Erst Ende 1980 gab es wieder einen Carrera GTS im Programm. Wieder war es ein reinrassiger Sportwagen, der weniger für die Straße, als für den Einsatz auf der Rennstrecke als Gruppe 4-Fahrzeug konzipiert wurde: der 924. Nur 50 Einheiten, alle in indischrot lackiert (bis auf den weißen Werksprototypen), verließen das Werk in Weissach. Mit einem Bar Ladedruck brachte es der 2-Liter-M31/70 Motor auf 245PS und 335Nm Drehmoment. Fahrwerk und Bremse stammen zu großen Teilen aus dem 911 turbo, die Sitze gar aus dem Rennmonster 935. Carrera GTS stand also auch beim 924 klar für Sieg und weniger für Show.


Wieder vergingen fast 15 Jahre, bis sich das Kürzel GTS wieder in der Typenliste von Porsche fand, diesmal jedoch war es der Anfang vom Ende. Nicht nur des Zusatzes Carrera wurde die Bezeichnung beraubt, sondern auch der eigentlichen Bestimmung. Die Stuttgarter nannten zum Modelljahr 1992 die letzte Ausbaustufe des Reisesportswagens 928 „GTS“. Natürlich verfügte er über mehr Leistung als seine Vorgänger, doch suchte man rennsportliche Zugaben vergebens. Komfort zählte fortan mehr als Klassensieg.

Ein weiteres Gewinn treibendes Sondermodell stellte auch der Porsche Cayenne GTS dar, der ganz im Sinne des 928 wieder die letzte und stärkste Saugmotor-befeuerte Ausbaustufe markierte. Was beim großen SUV funktioniert muss also auch bei Evergreen 911 laufen und so zeigt uns Porsche auf dem Pariser Salon in diesem Herbst wieder einen GTS.


Doch es ist nicht nur ein GTS, es ist wieder ein Carrera GTS. Natürlich, warum auch nicht, schließlich signalisiert er damit seine Zugehörigkeit zu den Straßenversionen der 911er Baureihe, aber wir können damit nicht leben. Ein Carrera GTS muss des Namens würdig sein. Er muss beißen, er muss gieren, er muss wollen – er muss siegen. Was uns in Paris erwartet kann gerade deshalb nicht überzeugen.


Sicher, mit der knapp 5 Zentimeter breiteren Karosserie der Allradmodelle steht der heckgetriebene 911 endlich wieder so feist auf der Straße, wie es sich die Fans seit 993 Carrera 2S Zeiten wieder gewünscht haben und auch die Komposition aus lackierten Spoilerlippen, neuen Schwellern und schwarz lackierten RS-Spyder-Zentralverschlussfelgen macht viel her. Selbst der durch das WLS-Paket auf 408PS erstarkte 3.8 Liter DFI-Boxer leistet sich keinen Fehler und auch das Interieur mit Alcantara-Bedienelementen kann man kaum kritisieren – wenn es ein GTS wäre. Doch das 104.935 EUR teure Sondermodell ist nun mal ein Carrera GTS und von diesem Namen erwarten wir uns mehr als nur eine Verkaufsförderungsmaßnahme für ein auslaufendes Modell.

Text: Fabian Mechtel
Bilder: Werk, Archiv

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