Von Königen, Kabrioletts und Kohle – ein Wochenüberblick

Wo vor ein paar Wochen noch der Bub aus Heppenheim mit der albernen Sponsor-Wollmütze hart anbremste und voll beschleunigend nach rechts abbog, rollte am Samstag eine andere Wollmütze artig rekuperierend in die andere Richtung aus: vor die Sainte Devote Kapelle in Monaco.


„Früher heirateten Königs & Co. noch in Rolls-Royce. Aber das Fürstli Albertli von Monaco ist ja auch kein rechter König und er ehelicht eine Bürgerliche. Deshalb reicht wohl ein Lexus.“ – so die Schlussfolgerung unserer werten Kollegen vom Radical Mag. Wir gehen davon aus, dass Albert II. aus Sorge um das schnelle Welken des Brautstraußes in der kleinen Kirche auf übermäßigen CO2-Ausstoß verzichten wollte.


Überhaupt wundert uns der Hype um dieses absonderliche Fahrzeug. Lexus LS 600h Landaulet wird es vom Hersteller mit vollem Namen gerufen, mit besonderer Betonung auf dem h (für Hybrid natürlich). Die Japaner erwähnte bei jeder Gelegenheit – mit großem Stolz – das der Fürsten-Pickup-Landaulet während der Zeremonie rein elektrisch fahren würde. Bei 2km² Grundfläche des Kleinstaates aber auch keine wirklich große Leistung, zumal beim Abstieg vom Grimaldihügel scheinbar die elektrische Höchstgeschwindigkeit überschritten wurde, was das Anspringen des Verbrenners zur Folge hatte. Und ob der 5-Liter V8 des Lexus dann immer noch sparsamer war als die BMW 730d die als Gästeshuttles eingesetzt wurden lassen wir an dieser Stelle unkommentiert.


Doch bleiben wir beim Thema: BMW und Kohle. Die Münchner zogen letzte Woche das Tuch vom M3 CRT. CRT, das haben wir doch schon einmal gehört, oder? Richtig, Cardiac Resynchronization Therapy zum Beispiel. Doch mit Herzschrittmachern hat der M3 nur im weiteren Sinne zu tun, ebenso wie mit der Cathode Ray Tube, denn in die Röhre schauen beim neuen M3 nur die Konkurrenten. Die Consejo Regulador del Tequila hat glücklicherweise auch nichts mit dem BMW gemeinsam, denn mexikanische Normen zur Tequila-Herstellung möchten wir nicht als Maßstab für deutsche Ingenieursarbeit nehmen.


Wofür steht CRT also? Carbon Racing Technology. GTS, CSL oder ti und andere Kürzel wären uns zwar deutlich lieber gewesen, aber es ist nicht mehr zu ändern. Oft werden wir uns auch nicht am kryptischen Kürzel stören müssen, denn die Münchner entlassen nur 67 Kohlefaser-Limousinen auf die Straße. Unter der Haube schlägt das 4.4-Liter-Herz aus dem GTS, das seine 450PS auf das bekannte 7-Gang-DKG loslässt. Auch sonst, wurde das Meiste vom orangenen Clubsportler übernommen: Fahrwerk, Bremsanlage, Räder und all die anderen fahrdynamisch relevanten Teile. Um dem Namen gerecht zu werden wurden Haube, Dach, Spoiler und Sitze aus der teuren Verbundfaser gefertigt. Das senkt das Gewicht und hebt den Preis: für knapp 50 Kilogramm minus ergibt sich ein 100%-plus beim Preis. Mit 130.000 EUR kostet der M3 CRT nämlich fast das Doppelte eines normalen M3. Aber es sind eh alle Exemplare des matt-silberweißen Sondermodells verkauft.


Ein anderes Sondermodell für viel Kohle gibt es bei Bugatti. Die Elsässer feierten unlängst die Produktionseinstellung des Veyron 16.4. Nach 300 Exemplaren wurde der Verkauf planmäßig eingestellt und fortan nur noch die offene Variante Gran Sport gefertigt. Um dieses Ereignis auch medial breitzutreten stellte man den Bugatti Veyron Grand Sport L’Or Blanc vor. Letzteres bedeutet in etwa soviel wie „weißes Gold“ und bezieht sich auf die Zusammenarbeit von Bugatti mit der Königlichen-Porzellan-Manufaktur aus Berlin. Ein sogenanntes Designteam beklebte den Gran Sport erst mit sündteurem Klebeband (aus japanischer Hochpräzisionsseide oder so ähnlich), um dieses dann auszumalen. Das Ergebnis erinnert ein wenig an die Tour-de-France Lackierung des Porsche 911, oder auch das Psychedelic-Schema des 917.


Nur das man sich an den Bugatti vermutlich in 40 Jahren nicht mehr erinnern wird. Woran das liegt? Zum Einen daran, dass es nur ein Exemplar des 1001PS-Sportwagens gibt, zum Anderen, weil wir uns nicht vorstellen können, dass der Einsatz von Töpfereien im Automobil schnell Nachahmer finden wird.


Halten wir schon den Einsatz von keramischen Bremsen für nicht unbedingt notwendig, signierte Porzellaneinlagen am Mitteltunnel, sowie eine getöpferte Ablageschale, deren Randschliff sich an jener der extra angefertigten Teller und Tassen des Picknickkoffers orientiert sind in einem Automobil definitiv kein Kaufargument.

Aber uns fragt ja keiner.

Bilder: Hersteller
Text: fm

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