Keiner für uns – der Audi Q5 hybrid quattro

Man muss die Sparte der SUV nicht verstehen und schon gar nicht mögen. Man braucht auch nicht zu argumentieren, dass ein vergleichbarer Kombi das gleiche Ladevolumen bietet, dabei leichter und somit effizienter ist und überhaupt. Warum? Weil unsere Meinung nicht interessiert.


Es sind einzig und allein die Zahlen die zählen. Stückzahl, Stückzahl und nochmal Stückzahl. Der deutsche Markt interessiert da praktisch nicht und auch der Amerikanische kann sich nur noch als Teil des Verkaufszahlen-Kuchens sehen. Man muss global denken – und damit SUV. Die neuen Märkte wollen den Hochsitzkombi. Und sie wollen Hybrid.

Deshalb sind wir den Audi Q5 2.0T hybrid quattro gefahren. Um zu verstehen.


Da die Ingolstädter nicht die Ersten sind, die im Premiumsegment ein Hybrid-Modell an den Start bringen, wollen sie jetzt mit einer beeindruckenden Packung Hightech auftrumpfen und verlorenen Imageboden wieder gut machen – so die offizielle Variante. Wir gehen davon aus, dass es einfach ein wenig länger gedauert hat einen modularen Hybridantrieb zu entwickeln, der nicht nur in den Q5, sondern auch in den A8, den A7, den A6, den A5 und den A4 passt. Die restlichen Anhängsel aus dem Volkswagen-Konzern nicht zu vergessen. Denn wir wissen ja, nur Zahlen zählen.


Statt einer separaten zweiten Antriebseinheit haben die Ingenieure einen Elektromotor platzsparend in der Getriebeglocke der Achtstufen-tiptronic untergebracht und gespeist wird dieses Triebwerk durch eine Lithium-Ionen-Batterie. Das lässt einen zwar nicht 100 Kilometer weit elektrisch fahren, für den Stau in den Megacities ist das aber vollkommen ausreichend und hilft vor allem das Mehrgewicht im Griff zu behalten – denn (und auch an dieser Stelle fehlt uns ein wenig das Verständnis) Audi platziert den Q5 Hybrid selbstbewusst an die sportliche Spitze der Modellpalette. Da sollte man nicht von vorneherein mit über zwei Tonnen Leergewicht starten.

Angetrieben von der Kraft zweier starker Herzen soll der Hybrid die Fahrleistungen eines Sechszylinder bieten: Neben dem 40 kW (54 PS) Elektromotor sorgt der 2.0 TFSI Benzinmotor mit 155 kW (211 PS) für Vortrieb. Diese Kombination sorgt für eine kurzfristige Maximalleistung von reichlichen 180 kW (245 PS). Und sie soll, geht es nach dem NEFZ-Fahrzyklus, mit 6.9 Litern Superbenzin auf 100 Kilometer zufrieden sein. In weite Ferne rückt dieser Wert jedoch, wenn man das Fahrzeug nicht in seinem bevorzugten Revier sanft in der Kolonne zuckelnd zwischen Vorstadthaus, Schule, Kindergarten und Büro-Tiefgarage bewegt, sondern im mallorquinischen Tramuntana Gebirge als Erster auf dem Gipfel sein möchte. Und das obwohl wir die Taste in der Mittelkonsole gedrückt hatten, die signalisiert, dass man bevorzugt elektrisch fahren möchte.


Aber zum Rasen ist der Q5 hybrid einfach nicht gemacht, schon eher zum Boosten, Segeln und Rekuperieren. Im Detail bedeutet das, dass man im Q5 bis zu drei Kilometer vollkommen elektrisch fahren kann, bevor Energie für die leergefahrenen Batterien durch Bremsen zurückgewonnen werden muss. Wie man jedoch mit dem E-Antrieb die von Audi angegebenen maximal 100km/h erreichen soll, bleibt dabei unklar, denn meistens schaltet sich schon bei deutlich geringerem Tempo der Ottomotor zu. Da kann die Boost-Funktion deutlich mehr überzeugen, denn das mächtige Lebendgewicht (knapp 2 Tonnen, inkl. 130kg Hybridantrieb) des Q5 hybrid quattro haben den Extraschub des Elektroantriebes bitter nötig, möchte man wirklich in 7,1 Sekunden auf hundert Stundenkilometer beschleunigen. 2,9 Sekunden bleiben danach noch übrig, bevor sich die Extrakraft wieder abschaltet. Das reicht in der Regel aus, um anschließend genüsslich über die Landstraßen zu segeln. So wird die Phase genannt, in der das Fahrzeug von seinen Antrieben entkoppelt im Schiebebetrieb rollt.


Unvoreingenommen weiß der Q5 hybrid also schon zu begeistern: Sein Antriebskonzept schaltet kaum spürbar zwischen den einzelnen Betriebszuständen hin und her, so dass nur das mit der neuesten MMI Variante gekoppelte Fahrerinformationssystem dem Fahrer anzeigt, ob er eher sparsam oder verschwenderisch mit den Antriebsenergien umgeht. Dieser Effekt ist dabei aus psychologischer Sicht nicht zu unterschätzen, denn man kann durchaus Freude daran finden, die Anzeige des sogenannten Powermeters – welcher den Drehzahlmesser ersetzt – im wahrsten Sinne des Wortes immer im grünen Bereich zu halten.


Doch mit 53.700 Euro ist der Audi Q5 hybrid quattro über 10.000 Euro teurer, als ein Q5 mit dem gleichen Motor ohne Hybridtechnik und rund 5.000 Euro teurer, als der fast gleich starke Q5 3.0 TDI mit V6 Dieseltriebwerk. Aus wirtschaftlicher Sicht rechnet sich der Hybrid hierzulande also nicht, mehr Fahrspaß als der große TDI vermittelt er auch nicht. Doch da sind wird wieder am Anfang – denn er muss das alles auch nicht. Er ist für den globalen Markt gebaut. Und da fährt man eben weder Diesel, noch kompakte Kombis.

Technische Daten:

Modell: Audi Q5 2.0T hybrid quattro
Motor: 4 Zylinder Benzin, 1984 cm³, Elektromaschine
Leistung: 155kW/211PS / 40kW/54PS – 180kW/245PS
Drehmoment: 350Nm / 210Nm – 480Nm
Antrieb: Allrad, 8-Gang Automatik
Verbrauch: 10.6l/100Km Super
0-100km/h: 7.1sec
Vmax: 225km/h
Preis: ab 53.700 EUR

Text äx/fm
Bilder äx

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