Nett, und sonst? – der Kia Rio 1.1 CRDi

Nein, leicht hatte es der Rio nicht. Das erste Modell hatte in etwa soviel Sex-Appeal wie ein moderner A++-Kühlschrank und konnte den Ruf des Billigheimers nie ablegen. Heute, gerade einmal zwölf Jahre später, stehen wir wieder vor einem Rio. In schickem Braun, mit attraktiven Karosserielinien und überhaupt.



Das Design ist auf Augenhöhe, besser macht es vielleicht nur noch Citroen mit seiner DS-Linie, die Verarbeitung im Interieur kann auch VWs Polo nicht besser und der Ausstattungsumfang erinnert eher an einen Lexus, als an einen Kia. Und das man mit dem 1.1 CRDi-Diesel mal eben den sparsamsten in Großserie gebauten Personenwagen auf die Räder gestellt hat, zeugt nicht nur vom gestalterischen Geschickt, sondern auch vom technischen.

Aber der Reihe nach. Die 3.2 Liter/100km erreicht der Dreizylinder Selbstzünder natürlich nur in der sparsamen Ausstattung. Da ist dann auch nichts mit Luxus. Klimatisierung und elektrische Fensterheber gibt es nicht für Geld und gute Worte. Das ist uns dann schon ein bisschen viel des Verzichts, weshalb wir heute die prächtig ausstaffierte Spirit-Variante besprechen wollen. Alles ist in Wagenfarbe lackiert, die Scheinwerfer blinzeln automatisch gesteuert durch teure Linsen, tagsüber sorgen LED-Spots für rechtzeitige Wahrnehmung.

Alufelgen sind ebenso serienmäßig wie ein beheizbares Multifunktionslenkrad. Regensensor, Tempomat, iPod-Anschlüsse, Klima-Automatik und so weiter. Extra kostet nur das Touchscreen-Navigationssystem, das dann auch gleich noch eine Rückfahrkamera mitbringt und per Bluetooth unkompliziert alle möglichen Smart-Phones an die Leine nimmt. Und dabei ist es nicht nur die liebevolle Grafik und das unkomplizierte Menü, das überrascht, nein, es ist der Preis. Mit 990 Euro ist der elektronische Wegweiser ein echtes Schnäppchen und man fragt sich, warum man bei der Konkurrenz gerne mal 500 Euro mehr auf den Verkaufstisch legen muss.

Wo wir gerade bei der Konkurrenz sind. Es wird eng für die Gegner, denn nicht nur was die Ausstattung angeht, auch das Fahren im Rio ist mehr als angenehm. Leise, komfortabel und mit ausreichend Raum. Der Dreizylinder-Diesel spielt ebenfalls gut auf, knuspert kalt zwar deutlich, nimmt sich mit steigender Wassertemperatur aber vornehm zurück. Die Verbräuche pendeln sich nicht zuletzt dank der (wankelmütigen und nicht immer funktionierenden) Start-Stop-Automatik um 4.5 Liter auf 100 Kilometer ein. Wer es ganz behutsam angeht, der schafft auch den Prospektwert, aber dafür braucht es schon ein wenig Geduld.

Und wer die nicht hat, der lernt die Schattenseite des Rio kennen. Seine fehlende Leistung. Natürlich von 75PS und 170Nm kann man keine Wunder erwarten, zumal nicht, wenn das Ganze noch von einer spritsparend langen Getriebe-übersetzung durchgereicht wird, aber irgendwie ist man auf der Autobahn doch enttäuscht vom kleinen Koreaner. Er will ein erwachsenes Auto sein, leistet sich keine Schwächen und ist überall überzeugend, bis man auf die linke Spur wechselt und der Handelsreisende im Passat 2.0 TDI von hinten kommt. Egal wie hart Du ans Gas gehst und dort bleibst, alles über 150km/h ist so zäh, dass man aus Höflichkeit der linken Spur fernbleibt.

Nimmt man seine Reise-geschwindigkeit zurück und lässt sich gelassen treiben, ist die Welt im Rio dann aber schon wieder in Ordnung. Das Fahrwerk rollt gemütlich ab, die elektrische Servolenkung ist hinreichend zielgenau und auch die Sitze machen eine gute Figur. Man muss eben bedenken, dass der Rio immer noch ein Kleinwagen ist. Er kann nicht alles können. Und wenn es nur die fehlende Höchstgeschwindigkeit auf der Autobahn ist, dann ist das zu verschmerzen.

Bleibt das Geld. Beim Preis hat sich der neue Rio soweit von seinem Vorgänger entfernt, wie er es qualitativ getan hat. Mit einem Basispreis von 17.390 Euro ist er nicht mehr das günstigste Angebot in der Kleinwagen-Kategorie. Aber mit seiner Ausstattung, den sieben Jahren Garantie und seiner Performance abseits der Autobahn sicher eines der Besten.

Die komplette Bildergalerie finden Sie wie immer im Flickr-Stream von Andy Wiezorek.

 

 

 

 

Technische Daten:

Modell: Kia Rio 1.1 CRDi
Motor: 3 Zylinder Diesel, 1120cm³
Leistung: 55kW/75PS
Drehmoment:170Nm
Antrieb: Front, 6-Gang manuell,
Verbrauch: 4.5l/100Km Diesel
0-100km/h: 16.2sec
Vmax: 158km/h
Preis: ab 14.190 EUR (Spirit ab 17.390 EUR)

Text: Fabian Mechtel
Bilder: Andreas Wiezorek

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