Grüne Überraschung – der Honda Jazz Hybrid.

Nein, er kann nicht elektrisch ausparken, und nein, er kann auch seine range nicht extenden. Dafür kann er andere Dinge, die die meisten Hybriden bisher nicht konnten. Sinnvoll sein zum Beispiel.


Hybride wollen das Beste aus zwei Welten vereinen, kranken dann aber schon am System an sich. Sie schleppen schwer an der elektrischen Komponente und am Ende müssen sie dennoch auf den herkömmlichen Verbrenner zurückgreifen. Was den Verbrauchsvorteil schneller schmelzen lässt als Vanilleeis im Hochsommer. Und da die ganze Technik auch bezahlt werden will, kostet die Kraft der zwei Herzen dann auch gleich einen Obolus, der die schnelle Amortisierung in weite Ferne rücken lässt.

Deshalb hat sich Honda für ihr IMA-System besondere Gedanken gemacht. Ziel war es einen vernünftigen, weil nutzbaren, Hybrid-Antrieb zu entwickeln. Herausgekommen ist ein integrierter Startergenerator mit über- schaubaren 10kW Leistung, der zwischen dem 1.3-Liter Vierzylinder mit 88PS und dem stufenlosen Automatikgetriebe montiert ist. Die Vorteile dieses Systems liegen auf der Hand: Der Antrieb ist nicht nur klein, sondern mit 60kg auch leicht. Günstig ist er ebenfalls, kostet der Jazz Hybrid gerade einmal 20.800€ Grundpreis.

Ansonsten fällt das moderne Motorenkonzept kaum auf. Die im Kofferraum montierte 100V-Nickel-Metallhybrid-Batterie schränkt zwar das Volumen desselbigen auf 303 Liter ein, doch die Variabilität der „magic seats“-Rückbank gleicht dieses Manko leicht wieder aus. Auch sonst gibt sich der Jazz keine Blöße und ist der perfekte Partner für jeden Tag. Die Sitze sind bequem, die Übersicht in Ordnung, die Bedienung gibt keine Rätsel auf und es finden sich zahlreiche Ablagen für den alltäglichen Kleinkram.

Aber es soll ja nicht nur um die Praktikabilität gehen, sondern auch um das Fahren. Und das beginnt mit dem Anlassen. Die 78Nm Drehmoment des direkt auf der Kurbelwelle montierten Elektromotors holen den Vierzylinder mit einer Leichtigkeit ins Leben, dass man sich fragt, warum man solche Systeme nicht flächendeckend verbaut. Gerade im Zusammenspiel mit der Start-Stop-Automatik hat der Startergenerator seinen ganz eigenen Reiz. Kein unwürdiges Anlasserschütteln, der Motor läuft mit der ersten Umdrehung.

So ist der Jazz Hybrid gerade im Stadtverkehr ein sehr angenehmes Fortbewegungsmittel. Denn hier fällt der nächste Vorteil des Honda-Antriebskonzepts auf: das CVT- Getriebe. Es hält den Verbrenner immer im optimalen Drehzahlbereich und im Stadtverkehr bleibt die Drehzahlmessernadel meist diesseits der 2000er-Marke. Das ist nicht nur gut für den Verbrauch, sondern auch für das Geräusch. Wir haben bei aktiviertem ECON-Modus und zurückhaltender Fahrweise einen innerstädtischen Verbrauch von 4.8 Litern gemessen.

Außerhalb der Ortsgrenze fällt diese Verbrauchsmarke naturgemäß. Aber selbst dort hält sich der Konsum in Grenzen, denn das Fahrwerk ist nicht der ideale Partner für die schnelle Kurvenfahrt. Zuviel Seitenneigung und eine nicht besonders um Rückmeldung besorgte Lenkung schieben dem Fahren auf der Ideallinie recht früh einen Riegel vor. Doch der Jazz Hybrid will auch kein Sportwagen sein, sondern ein Familienauto. Und dafür reicht die Abstimmung in jeder Hinsicht. Die Federung ist angenehm komfortabel, höchstens auf groben Verwerfungen holpert es ab und zu.

Ingesamt macht der Honda seine Sache also mehr als gut. Die Hybrid-Technik wurde mit dem richtigen Augenmaß eingesetzt und kann ihre Vorzüge im Jazz voll ausspielen. Dazu kommt die sehr gute Variabilität des Innenraums, die komplette Ausstattung und der familientaugliche Anschaffungspreis. Der kleine Hybrid fristet hierzulande also zu Unrecht ein Schattendasein. Sollten sie die Anschaffung eines kleinen praktischen Alltagsautos planen empfehlen wir Ihnen unbedingt eine Probefahrt im Jazz Hybrid. Sie werden – wie wir – positiv überrascht sein.

Die komplette Bildergalerie finden Sie wie immer im Flickr-Stream von Andy Wiezorek.

 

 

 

 

Technische Daten:

Modell: Honda Jazz Hybrid
Motor: 4 Zylinder Benzin, 1339cm³, elektr. Startergenerator
Leistung: 65kW/88PS / 10kW/14PS – 72kW/98PS Systemleistung
Drehmoment:121Nm / 78Nm – 167Nm Systemdrehmoment
Antrieb: Front, stufenlose Automatik
Verbrauch: 5.4l/100Km Super
0-100km/h: 12.1sec
Vmax: 175km/h
Preis: ab 20.800 EUR

Text: Fabian Mechtel
Bilder: Andreas Wiezorek

About these ads
1 Kommentar
  1. Mal ein schöner Bericht zu diesem Auto. Oft wird das laute Motorengeräusch beim beschleunigen bemängelt, aber wenn man auf sinnlose Ampelsprints verzichtet in der Stadt bekommt man kaum was mit von dem Motor. Meine Jazz Hybrid habe ich jetzt seit 3 Monaten und ich bin immer wieder von ihm begeistert. Er ist Optimal für Stadt und Landstraßen. Auf der Autobahn kann man den Spritverbrauch wohl locker jenseits der 8l bewegen bei über 150km/h. Dafür ist der Motor nicht ausgelegt, aber dafür habe ich ihn auch nicht gekauft. Der Jazz ist für mich das optimale Auto. Klein, wendig und dennoch kann man auch mal größere Sachen transportieren. In einem Monat geht es nach Norwegen und mal schauen wie er sich dort schlägt mit mehr Bergen.

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ photo

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 172 Followern an

%d Bloggern gefällt das: