Die neue Größe – Opel Corsa 1.3 CDTI

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Halogen-Kurven- und Abbiegelicht, automatisch abblendende Spiegel, Licht- und Regensensor, DVD-Navigationssystem, MP3-CD-Wechsler, iPod-In, Panorama-Schiebedach, Lenkradheizung, Berg-Anfahr-Assistent, dynamische Servolenkung, aktive Kopfstützen, Kopfairbags hinten – angenehme Extras für die automobile Oberklasse.

Oder den Opel Corsa.

„C’mon“ – so oder so ähnlich müssen die Rüsselsheimer bei der Entwicklung ihres neuen Kleinwagens gedacht haben und gaben viele, den größeren Klassen vorbehaltene Extras, nun auch dem Corsa mit auf den Weg. Vielleicht lag es aber auch daran, dass die Ausstattungsexperten bei einer Länge von 4 Metern und 1,50 Metern Höhe einfach von einer anderen Fahrzeugklasse ausgegangen sind. Denn klein ist der Corsa nicht.

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In der vorderen Sitzreihe haben auch Personen über 1,90m keine Schwierigkeiten eine angenehme Position zu finden, was neben dem Platzangebot auch an den vielfach verstellbaren Sitzen liegt. Ihre angenehm straffe Polsterung unterstützt den Fahrer auch auf langen Etappen, wobei die Kontur der Wangen auch bei den Seriensitzen ruhig noch eine Spur ausgeprägter hätte ausfallen können. Der Einstieg in den Fond gelingt durch die großen Türen problemlos, jedoch stört die nicht ganz logische Easy-Entry-Funktion: zwar fährt der Sitz geklappt komplett nach vorne, muss aber beim Zurückklappen wieder manuell in die Längseinstellung gebracht werden. Die Hintenbänkler stört das nicht weiter, denn sie genießen das großzügige Platzangebot sowohl an Bein- als auch an Kopffreiheit. Subjektiv schränkt nur die massive C-Säule das Raumgefühl ein, die auch der Grund für die schlechte Übersichtlichkeit nach hinten ist. Von außen betrachtet hat sie aber auch ihr Positives. Die abfallende Dachlinie verleiht dem 3-türigen Corsa eine coupéartige Erscheinung, die von den keck ausgestellten in die mandelförmigen Rückleuchten auslaufenden hinteren Kotflügeln noch unterstützt wird. Die Dynamik im Design führen auch die ausgeprägten Radhäuser weiter, die auf Wunsch von bis zu 18 Zoll großen Rädern gefüllt werden. Doch auch die am Testwagen montierte 16 Zoll Bereifung wirkte nicht verloren und lieferte ein stimmiges Bild ab. Schon gar nicht verloren wirkten die 195er Reifen beim Fahren.

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Freudig folgt der Corsa mit seiner direkten Lenkung den Befehlen des Fahrers und auch das Fahrwerk hinterlässt einen soliden Eindruck. Keine übertriebene Härte, aber auch kein Aufschaukeln oder Nachschwingen. Zu schnell gefahrene Kurven absolviert der Corsa leicht über die Vorderachse schiebend, um beim Gaswegnehmen sanft mit dem Heck einzudrehen. Über allem wacht zu guter Letzt aber das aufpreispflichtige ESP, welches den Corsa angenehm spät und feinfühlig wieder auf Kurs bringt. Die gelungene Abstimmung unterstreicht den „Größeneindruck“ des Corsa, er wirkt einfach nicht wie ein Kleinwagen. Auch auf der Autobahn schlägt sich der Rüsselsheimer gut. Sein 6-Gang Schaltgetriebe ist lang übersetzt, was nicht nur den Verbrauch reduziert, sondern auch für eine entspannte Geräuschkulisse bei zügigeren Etappen sorgt. Die Schaltbarkeit ist auch ordentlich, die Bedienung wird nur durch die etwas lasch agierende Kupplung getrübt, deren Druckpunkt nicht immer ganz auszumachen ist. Zum Schalthebel muss man leider auch übermäßig oft greifen, denn nur so kann man die größte Schwäche des Opels kaschieren: die Motorcharakteristik. Der kleine 1300er Common-Rail Diesel ist mit 90PS und 200Nm nominell recht kraftvoll, aber in der Praxis klafft unter 2200 Touren ein gewaltiges Turboloch.

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Bei normaler Fahrweise kommt es deshalb recht häufig vor, dass man vor der gewünschten Beschleunigung erst einmal einen Gang zurückschalten muss, um die Turbine auf Drehzahl zu bekommen. Wenn man den 4-Zylinder aber immer über 2000 U/min hält, sorgt er für angemessen flottes Vorankommen. Die angegebenen 172km/h Höchstgeschwindigkeit sind rasch erreicht und auch in diesem Tempobereich hält sich der Corsa im Verbrauch angenehm zurück. Mehr als 7,9 Liter im Schnitt gönnt er sich selbst bei extrem hartnäckigem Gasfuß nicht und bei besonnener Fahrweise fällt der Verbrauch manchmal sogar unter die 5-Liter Marke. Die 6,3 Liter Durchschnittsverbrauch über die gesamte Testdauer sind auch ein Wert, mit dem man zufrieden sein kann. Der niedrige Verbrauch ist neben dem kleinen und damit steuergünstigen Hubraum auch ein Grund für die günstigen Unterhaltskosten des Rüsselsheimers. Nicht ganz so günstig ist es allerdings den Corsa mit allen lieferbaren Extras auszustatten, denn der vollausgestattete Testwagen kostet 22.000 EUR Listenpreis.

Man kann dies jetzt für zu teuer und überzogen für einen Kleinwagen halten, aber vielleicht ist einfach die Bezeichnung falsch gewählt. Er ist weder klein, laut, unkomfortabel, langsam, noch schlecht verarbeitet – der Corsa ist ein erwachsenes Auto und gerade in Zeiten von Klimawandel, CO²-Debatte und Feinstaubdiskussion vielleicht sogar ein sehr intelligentes…

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