Shall we take the Aston, darling?

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Sei es beim Essen, bei Kleidung oder Musik, Bekanntes und vor allem Bewährtes ziehen wir dem Neuen meist vor. So auch beim Auto. Ein Mercedes ist ein Mercedes, er steht für Qualität, Zuverlässigkeit und alle Attribute, die wir dem grundsolide-schwäbischen Fortbewegungsmittel sonst noch zuschreiben. Einen Kia hingegen vermögen Wenige zu charakterisieren. Kia, mhmm, sicher ein Japaner, werden die meisten denken – und sich nicht weiter mit der Marke beschäftigen. Dass Kia natürlich nicht aus Japan kommt, mit dem progressiven c’eed ein attraktiv gestyltes Golfklasse-Modell anbietet und darauf sogar 7 Jahre Garantie gibt, wissen die Wenigsten. Warum ist das so? Wahrscheinlich liegt es am Image.
Ein gutes Image sorgt dafür, dass viele Gewohnheitstiere sich ohne tiefgehende Überlegungen für ein angebotenes Produkt entscheiden. Dass ein anderes vielleicht besser ist, wagt es nicht auszuprobieren, denn es könnte sich schließlich um eine Fehlentscheidung handeln. Das Image aber nicht alles ist, zeigt die Vergangenheit von Aston Martin.

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Mitte der Sechziger war ein Aston das Auto für den schnellen Gentleman. Die DB4 und vor allem DB4GT zeigten in manchem Rennen den Ferrari 250 wo der Hammer hängt. Sie waren die Begründer der Identität Aston Martins. Formschöne Automobile, die sich – falls gewünscht – in ernstzunehmende Racer verwandeln konnten. Dieses Bild verhalf Aston Martin über die Jahre die Fehler ihrer Produkte irgendwie zu vertuschen. Mehr und mehr verlor sich die Substanz, Fahrzeuge wie der Lagonda oder die übermotorisierten Vantage-Modelle der frühen Neunziger konnten den alten Stil, der den Reiz der Marke ausmachte, nicht mehr transportieren.

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Das Glück kam mit Erscheinen des DB7. Vielleicht lag es an der Rückbesinnung auf die alten Tage, die auch in der Namensgebung des Neuen mitschwingt, wohl aber eher im gesamten Package. Mag er zwar technisch und qualitativ nie ganz auf dem Level von SL und Co gewesen sein, allein die Erscheinung des DB7 rechtfertigte seinen Kauf. Aston Martin war wieder ein Gefühl. Knarzende Interieuroberflächen sah man ihm ebenso nach wie nicht 100%ige Spaltmaße. Handarbeit ist und bleibt eben Handarbeit.

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Der DB7 schaffte es durch seine Optik, seinen Klang und sein Fahrgefühl die Käufer zu bezaubern. Er belebte den Geist – nicht nur den der Marke. Durch den DB7 gelang Aston Martin das Comeback unter die ernstzunehmenden Sportwagenhersteller.
Ein Aston ist weniger Fortbewegungsmittel als Skulptur, weniger Rennwagen als Grand Tourer, ein Aston ist Understatement. Er könnte, wenn er wollte, aber eigentlich hat er das gar nicht nötig. Die aktuelle Modellpalette, die noch unter der Leitung von Ford den Geschicken von Dr. Ulrich Bez entsprang, zeigt dies mehr denn je. Egal ob DB9, V8 Vantage oder DBS, sie alle sind echte Aston Martin. Schön, schnell und betörend. Die Historiker mögen zwar bemängeln, dass die alte Fabrik in Newport-Pagnell geschlossen wurde und nun alle Modelle im modernen Werk in Gaydon gebaut werden, aber man sollte es positiv sehen – der Geist ist nun wieder da, jetzt sollte man ihn nicht wieder vergraulen. Und das geht – Stichwort Gewohnheitstier – heutzutage leider recht schnell. Gegen peniebelst verarbeitete 911, SL und R8, ja sogar F430 und Gallardo, haben laxe Passungen, zickende Elektronik und anfällige Mechanik keine Chance mehr. Die neue Professionalität in Gaydon zeigt, dass sich ein Aston nun ohne Scheu jedem Vergleich stellen kann ohne durch die Liebhaberbrille blicken zu müssen. Dass dieser Weg weiterhin beschritten wird, bleibt zu hoffen, und diese Hoffnung wird darin bestärkt, dass sich die Konstrukteure und Designer nun dank der neuen Besitzer um David Richards ohne Budgetängste auf ihre Arbeit konzentrieren können.
Dass die Zukunft auf Grund der Interessen der neuen Eigentümer eher sportlich orientiert sein wird, zeigen die jüngsten Modelle. Anlässlich der Eröffnung des neuen Design Centers in Gaydon enthüllte Aston Martin das Konzept V12 Vantage RS.

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Basierend auf dem kleinen V8 Vantage Chassis haben die Ingenieure den 6.0 Liter V12 aus dem Rennwagen DBR9 eingebaut und ihn unter Erfüllung von Lärm- und Abgasvorschriften auf 607 PS und 690Nm gezüchtet. Geschaltet wird über ein manuelles Sechsganggetriebe, dessen Aluminiumknauf massiv in den Innenraum ragt. Um ihn herum findet sich quadratmeterweise feinstes Wildleder, auch die Schalensitze sind mit dem rutschhemmenden Material bezogen. Leichtbautürtafeln in Karbon zeugen ebenso von der rennsportlichen Ausrichtung des Konzepts wie die Hauben und Anbauteile aus dem leichten Verbundmaterial.

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Aston Martin gibt das Gewicht des Racers mit unter 1600kg an, was nicht zu optimistisch erscheint. Die Abluftöffnungen in der Motorhaube sind ebenso zweckmäßig wie der elektrisch aufstellbare Heckspoiler.
Manch einer mag sich angesichts dieser Spezifikationen an die hemmungslosen LeMans Versionen alter Vantage-Zeiten erinnert fühlen, doch der V12 Vantage RS ist schon im Konzeptstadium durchdachter als die alten Serieneisen. Sogar eine Versionsplakette auf dem Schweller trägt die Studie schon, ganz im Stile limitierter Sondermodelle.

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Dass eine (Klein-)Serienfertigung nicht ausgeschlossen ist betonte Dr. Ulrich Bez bei der Präsentation des V12, vorausgesetzt aber sei eine ausreichende Nachfrage. Dieses Problem sollte aber eher ein kleines sein. Es scheint also, dass Aston Martin nicht nur auf der Strasse sein großes Comeback feiert, sondern auch auf der Rennstrecke. Die Modelle DBR1 und V8 Vantage N24 zeigten das in LeMans und auf dem Nürburgring schon eindrucksvoll und die Serienmodelle DBS, DB9LM und V8 Vantage N400 machen als Clubsportler die neue Ausrichtung deutlich.

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Dass sich mit den „normalen“ Serienmodellen V8 Vantage und DB9 auch reine GT’s im Portfolio befinden, rundet das Bild perfekt ab.
Aston Martin verkörpert das eigene Motto „power, beauty and soul“ nun mit einer Konsequenz, die auch rationalen Kaufbeweggründen standhält.
Das Schöne an einem Aston ist jedoch, dass es keine rationalen Gründe sein müssen…
shall we take the Aston, darling?

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