Sportlich & Leicht – der neue Mercedes SL Roadster

Ein besseres Kürzel hat es 1954 für den Supersportler aus Stuttgart nicht gegeben. Der konsequent konstruierte Rennwagen prägte das Kürzel „SL“ und stand mit seinen silbernen Brüdern für die Sportlichkeit der Stuttgarter.

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Nachdem die Silberpfeile im Jahre 1955 mit dem Fahrertitel der Formel 1 und dem Konstrukteurstitel der Sportwagen sowie dem grandiosen Mille-Miglia Sieg der Startnummer 722 ihre größten Erfolge feiern konnten, kam es im Juni 1955 zu ihrer schlimmsten Tragödie: Bei den 24 Stunden von Le Mans verunglückt Mercedes-Pilot Pierre Levegh tödlich und über 80 Zuschauer verlieren ihr Leben. Die Unternehmensführung nimmt dies zum Anlass die beiden in Führung liegenden 300 SLR als Zeichen der Trauer und Anteilnahme aus dem Rennen zu nehmen. Im folgenden Jahr trat Mercedes nicht mehr im Motorsport an und auch die auf den 300 SL folgenden Roadster waren eher „sanft & luxuriös“ denn „sportlich & leicht“.

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Der SL wurde zum Inbegriff des komfortablen „Offenfahrens“. Klassische Linien der Pagode und barocke Elemente der 107er Baureihe löste der R129 mit kühler Eleganz ab. Mit Erscheinen der Baureihe 230 brach in der SL-Klasse das digitale Zeitalter an. Komplexe Steuerung des Metallklappdaches, elektrische Unterstützung in allen Bereichen und aktiv geregelte Feder- und Dämpfungseigenschaften.
All diese neuen Errungenschaften und vor allem die zur Perfektion getriebene Solidität der Baureihe drückten aber vor allem auf die Waage. Aus dem einstigen Supersportler ist über die Jahre ein „beinahe-Zweitonner“ entstanden.

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Die aktuelle Modellpflege soll den SL wieder mehr in den sportlichen Fokus rücken. Eines jedoch vorweg: Leichter ist er nicht geworden. Den großen Sprung zurück zum fahrdynamisch kompromisslosen Roadster bleiben die Stuttgarter weiterhin schuldig, doch die Modellpflege bescherte dem großen Mercedes dennoch eine gekonnte Schärfung.

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Als Erstes fällt die neue Optik auf, der verlängerte Vorderwagen lässt den SL flacher und dynamischer wirken. Der dominante Kühlergrill zitiert mit seiner einzelnen Lamelle den Flügeltürer, wie auch die beiden Powerdomes auf der Motorhaube den gestalterischen Bogen mit dem Modell von 1954 spannen. Die Scheinwerfer präsentieren sich in der aktuellen Mercedes-Mode und sind mit neuester intelligenter Fahrlichtsteuerung ausgestattet, die verschiedene Beleuchtungsintensitäten je nach Fahrzustand zur Verfügung stellt. Am Heck des gepflegten SL fällt der angedeutete Diffusor ins Auge, der den sportlichen Anspruch zusätzlich untermauern soll.

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Auch die Technik des SL soll nun dem dynamischeren Gedanken aufgeschlossen sein. Die bekannten Motoren sind der V8 im 500 SL und der V12 Biturbo im 600 SL. Beide Aggregate profitierten von der Modellpflege durch Modernisierungen, die ihnen einen um 0,4 Liter/100km reduzierten Verbrauch bescheren. Erstmals kommt im SL der 231 PS starke 280er V6 zum Einsatz, der nun die neue Einstiegsmotorisierung markiert. Gründlich überarbeitet und der Dynamik am meisten verpflichtet fühlt sich allerdings der neue SL 350. Tiefgreifenden Änderungen ließen den 3,5 Liter V6 von 272PS auf 316 hochdrehende PS erstarken. Der „Sportmotor“ ist dabei noch fast einen halben Liter sparsamer als sein Vorgänger.
Damit der Einsatz auf der Motorenseite auch effizient in Vortrieb umgewandelt werden kann verbesserte Mercedes die 7-Gang-Automatik und erweiterte sie zum Beispiel um eine Zwischengasfunktion, wenn der Fahrer manuell zurückschaltet.
Auch das bekannte ABC-Fahrwerk wurde im Zuge der Modellpflege optimiert und mit einer verbesserten Dämpferkennlinie versehen.
Entscheidenden Anteil an der fahrdynamischen Verbesserung des SL wird aber die aus dem jüngst überarbeiteten SLK bekannte „Dynamiklenkung“ haben. Aufbauend auf der geschwindigkeitsabhängig unterstützenden Parameterlenkung zeichnet die Dynamiklenkung eine geschickte Verzahnung im Lenkgetriebe aus, die die Lenkübersetzung ab einem Einschlag von fünf Grad stark erhöht. So sind auf Landstraßen deutlich kleinere Lenkradbewegungen ausreichend um den SL durch das Geläuf zu treiben. Auch beim Einparken profitiert der Komfort von der neuen Lenkung.

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Im Innenraum präsentiert sich der SL mit neuen Instrumenten, die vor dem Start ganz nach Motorsportmanier einmal gegen den Anschlag und zurück laufen.
Das Infotainmentsystem wurde auf den neuesten Stand gebracht und das neue Comand APS nimmt nun auch MP3-Player wie den iPod über eine Media-Schnittstelle an die Leine. Die Navigationsgeschwindigkeit konnte durch den Einsatz einer Festplatte beschleunigt werden, auf welcher der Kunde seine Musikdateien auch in einem „Musikregister“ abspeichern kann. Damit der Musikgenuss auch bei geöffnetem Dach ungetrübt ist, adaptierten die Akustikingenieure das aus der S-Klasse bekannte Logic-7 Surround Lautsprechersystem.
Die markanteste Neuerung im Innenraum sind aber die „ET-Kopfstützen“. Erstmals kommt nun auch im SL gegen Mehrpreis das aus dem kleineren SLK bekannte Airscarf-System zum Einsatz. Die Integration des Systems in die bestehenden Integralsitze scheint aber noch verbesserungsfähig.

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Zu den Händlern kommt der neue SL am 5. April 2008. Beim Preis hält sich Mercedes noch bedeckt, es kann aber von weniger als 80.000 EUR für das Basismodell SL 280 ausgegangen werden.

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