9er Eisen oder Minigolf – der Kia cee’d 2.0 CVVT

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Der Golf von VW ist im Grunde zu bemitleiden: Durfte der Käfer noch herrlich luftboxern, lausig bremsen und rudimentär die vorgegebene Richtung einhalten, musste der Golf seit jeher ein Streber sein. Gebaut um alles besser zu können als die anderen. Alleine das Synonym „Golfklasse“ reicht, um zu zeigen wer die Höhe der Messlatte unter den Kompakten vorgibt. Kadett und Escort sind Vergangenheit, nie konnten sie dem Golf das Wasser reichen und mussten Modellen mit frischeren Namen weichen. Den Dauerbrenner aus Wolfsburg in Bedrängnis zu bringen vermochten auch die Importmodelle aus Italien und Frankreich kaum, zu nachlässig war ihre Verarbeitung oder zu extravagant ihr Styling, um bei der Generation Golf den Geschmack zu treffen. Auch die Angebote aus Fernost zogen nicht richtig. Keine Experimente im Design, solide Technik und mängelfreie Verarbeitung sollten guten Voraussetzungen sein, doch kamen sie immer mit dem Beigeschmack des Imagelosen und wenig Liebevollen, die Marke „Golf“ blieb weiterhin eine unerschütterte Festung.

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Was tun? Im Grunde ganz einfach: Einen guten Ruf aufbauen, ein Auto mit europäischem Design entwerfen, Emotionen und Raffinesse zufügen, im Innenraum alle gängigen Helfer und Spielereien einbauen, das ganze mit moderner Antriebstechnik versehen, mit besseren Garantieleistungen und einem günstigeren Preis als der deutsche Primus anpreisen.
So muss Kia bei der Entwicklung des cee’d gedacht haben. Schon der Name klingt fortschrittlich und so gar nicht nach tropischer Virusinfektion, wie der mancher Vorgänger.

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Aber nicht nur der Name, sondern auch der Rest gefällt ausgesprochen gut: Seine Karosserie hat einen ansprechenden Stil und trägt nette Details, wie die schicke Rückleuchtengrafik oder die in die Kotflügel gezogenen Hauptscheinwerfer. Der Innenraum ist aufgeräumt und gibt keine Rätsel auf und wirkt dabei nicht langweilig. Alle Bedienelemente sind gut zu erreichen, wenn man von den Tasten des Bordcomputers einmal absieht, der leider nicht über das ansonsten sinnvoll belegte Multifunktionslenkrad zu bedienen ist. Zwar könnten die Kunststoffe gerade im unteren Bereich der Verkleidungen noch etwas hochwertiger ausfallen, aber wenigstens fallen sie nicht durch übermäßiges Knistern auf.

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Die Ausstattung der von uns getesteten EX-Variante lässt keine Wünsche offen. Klimaautomatik, Radio/CD mit MP3 und USB Unterstützung ist neben 16 Zoll Alufelgen und Teillederausstattung genauso serienmäßig wie Tempomat, Fahrlicht- und Regensensor, automatisch abblendende Spiegel, Sitzheizung und vielem mehr. Die Aufpreisliste ist dementsprechend kurz, aber dennoch voller Tücke, denn zu vermeiden gibt es zwei Dinge: Erstens die Farbe rotmetallic, denn mit ihr sieht der ansonsten schicke cee’d etwas altbacken aus, ein schönes schwarz oder eine edles grau stehen ihm weitaus besser und Zweites – viel schlimmer als die Farbe – die Wahl des Getriebes. Vermeiden sie unbedingt das 4-Gang-Automatikgetriebe. Der Kia ist weder mit einem großvolumigen V8 lieferbar, noch wird er in einer Zeit, in der der Kraftstoffverbrauch keine Rolle spielt verkauft und beides wäre bitter nötig.

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2 Liter, 16 Ventile und variabler Ventiltrieb, warum nicht? Engagiert gedreht sollte da einiges gehen und sparsam zu fahren müsste so ein Motor auch sein. Soweit die Theorie, denn in der Praxis bewahrheitet sich nichts dergleichen. Unwillig drehend und mit hohem Lärmpegel gewinnt der Kia an Fahrt, die 143PS mag man dabei kaum glauben. Einmal auf Reisetempo gestaltet sich das Fahren im cee’d dann aber doch angenehm, denn das kommode Fahrwerk, die bequemen Sitze und nicht zuletzt das großzügige Raumangebot lassen die verkorkste Antriebseinheit fast vergessen. Fast, denn schon bei der nächsten Steigung zwingt der Tempomat das Getriebe zum Herunterschalten um das Tempo nicht auf LKW-Tempo abfallen zu lassen. Für Sprinter, Ducato und Co ist der Automatik-gehandicapte cee’d ein gefundenes Fressen, denn es benötigt schon einen entschlossenen Gasfuß um den Transportern davonzukommen. Dieser ist es dann aber auch, der an der Tankstelle seinen Tribut fordert. Auf schnellen Autobahnetappen liegt der Verbrauch gerne bei deutlichen 10 Litern, um im Stadtverkehr weiter auf 11 Liter zu steigen. Selbst bei wirklich ruhiger Fahrweise und moderaten 110km/h auf der Autobahn ließ sich der Kia nur selten unter die 9 Liter Grenze zwingen. Für das gebotene ist das eindeutig zuviel.
Wie gut der Kia cee’d wirklich ist vermag die Kombination mit dem 2.0 Liter CVVT-Motor und der 4-Gang-Automatik kaum zu zeigen.

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Wie viel besser wäre vermutlich ein 6-Gang Automat, der dem Motor die passende Gangspreizung an die Hand geben würde? Wir werden es bald erfahren, denn uns ist ein 3-türiger pro_cee’d mit dem 2.0 Common-Rail Diesel und einer manuellen Schaltbox versprochen. Juchu!

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