Haus(s)tier – der Lamborghini Gallardo LP560-4

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das überrascht: Präzision der Fehlerbeseitigung
das ist gut: Reife des Konzepts
das weniger: LED-Tagfahrlicht

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Lamborghini. Der Vorschlaghammer unter den Supersportwagen. Stets böser als ein Ferrari, gemeiner als der 911, aber immer auch weniger raffiniert als die Konkurrenz.
Die Wurzeln des Landmaschinenbaus konnte ein Lamborghini nie leugnen und wer Espada, Countach und Diablo einmal von unten gesehen hat wird hier zustimmen. Als aber Audi mit ins italienische Vollblut-Boot stieg änderte sich alles ein wenig. Die Hartgesottenen befürchteten, dass der italienische Wahnsinn dem deutschen Pragmatismus weichen würde und so der Kern der Marke für immer verloren gehen würde, doch alles kam anders.

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Der Gallardo war das erste Produkt, das vollständig unter Einfluss der Ingolstädter entwickelt wurde und er stieß auf mehr Resonanz als jeder Lamborghini zuvor. Über 7000 Einheiten wurden seit der Präsentation 2003 verkauft. Aber auch die cash-cow war nicht frei von Fehlern und deshalb rückt nun der neue Gallardo LP 560-4 aus, um alles noch ein wenig besser zu machen.
Die Front zeigt sich moderat geliftet und mit neuer Leuchtengrafik. Dem Trend der Zeit folgend trägt nun auch der Gallardo ein LED-Tagfahrlicht, welches das „Böse“ im Blick des Italieners unterstreichen soll.

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Die Karosserie besteht weiterhin aus Aluminium, doch durch eine andere Struktur konnte das Gewicht um immerhin 20kg im Vergleich zum Vorgänger auf 1410kg gesenkt werden. Am Heck erkennt man das neue Modell am deutlichsten. Ein komplettes Redesign ermöglichte den Einsatz eines verbesserten Diffusors, welcher in Kombination mit den anderen Maßnahmen die aerodynamische Effizienz des Lamborghinis um 31 Prozent verbessert.

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Die Notwendigkeit eines höheren Anpressdrucks stand im Lastenheft wohl sehr weit oben, denn der alte Gallardo glänzte im Vergleich zur Konkurrenz Ferrari F430 und Porsche turbo nicht unbedingt mit hyperagilem Handling und messerscharfer Präzision beim Fahren. Ein komplett neues Fahrwerk soll dieses Manko nun beseitigen. Die Alu-Doppelquerlenker an der Vorderachse verfügen über eine geänderte Kinematik um den Anforderungen nun im vollen Maße gerecht zu werden, zudem sind Federn und Dämpfer nun griporientierter ausgelegt als bisher. Für Grip sorgen auch die neuen 19 Zoll Felgen, die eine Reifenbreite von 235mm tragen. An der Hinterachse sorgt eine zusätzliche Spurstange für mehr Kontrolle und die serienmäßige 295mm Bereifung kümmert sich um einen hochgesteckten Grenzbereich.

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Das wahre Herz eines Supersportlers ist aber allem Fahrwerks- und Bremshightechs zum Trotz immer noch der Motor und auch hier legt der LP560-4 kräftig nach. Der Hubraum des Zehnzylinders steigt auf 5204 Kubikzentimeter an und auch Leistung und Drehmoment legen mit 560PS und 540Nm deutlich zu. Lamborghini gibt 3.7 sec für den Sprint von 0 auf 100km/h an und verspricht 325km/h Spitzengeschwindigkeit. Dass diese Werte nicht mit gestiegenem Benzinverbrauch und mehr CO2-Austoß einhergehen müssen, zeigt der um 18% auf 13,7 Liter pro 100km gesunkene Verbrauch.

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Möglich wird dies durch die konsequente Konstruktion des Motors: Laufflächen und Kolben des 10-Zylinders bestehen aus einer reibunsgarmen Aluminiumlegierung und geschmiedeten Pleuel sind leichter als die des Vorgängers. Das größte Potenzial zur Leistungssteigerung und Kraftstoffeinsparung bietet aber die erstmals eingesetzte Benzindirekteinspritzung. Mit bis zu 100bar Kraftstoffdruck spritz der LP560-4 direkt in die Brennräume ein und ermöglicht so eine feine Gemischbildung und effizientere Verbrennung. Weitere Vorteile der Einspritzung sind die höhere Innenkühlung des Motors und eine damit verbundene größere Klopfunempfindlichkeit.
Der Zylinderwinkel des Aggregats beträgt 90°, was im Hinblick auf den Schwerpunkt und die Fahrdynamik Vorteile verspricht. Die Gewichtsverteilung des neuen Modells beträgt dank der „Longitudinale Posteriore“ Anordnung 43%/57% zugunsten der Hinterachse.
Die höhere Achslast hinten sorgt in Kombination mit dem bekannten Allradantrieb für bestechende Traktion. Die kraftverteilende Viskokupplung leitet in der Regel 70% der Antriebskräfte an die Hinterachse, passt sich aber im Bedarfsfalle den Gripverhältnissen an.

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Die Verwaltung der Motorleistung übernimmt aber vor dem Antrieb auf Wunsch das völlig überarbeitete e-gear Getriebe, welches neben einem geringeren Gewicht auch um bis zu 40 Prozent verringerte Schaltzeiten aufweisen kann. Zudem kann man aus fünf Schaltprogrammen wählen: Normal, Sport, Automatik, Corsa und Thrust. Letztere zeichnen sich durch angepasste ESP Kennfelder, sowie auf maximalen Vortrieb abgestimmte Drosselklappenwinkel und Kupplungsweg aus.

Der Gallardo LP560-4 zeigt also, dass die deutsche Mutter einen guten Einfluss auf die Kinder hat und ihnen neben ihren guten Zugaben auch den Spieltrieb erhält. Den Verkaufszahlen des Neuen wird dieser Umstand sicher sehr zu Gute kommen.

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