Wenn der See ruft – der A3 TDI clubsport

Jedes Jahr treffen sich die wahnsinnigsten aller VW- und Audi-Fahrer Ende Mai am Wörthersee in Kärnten. Seit ein paar Jahren hat der Konzern das Potenzial der einstmals etwas belächelten Show erkannt und bemüht sich fleißig um ein besseres Image des Treffens. Die Entwicklungsingenieure dürfen ein nach bester MTV-Manier „gepimptes“ Modell des Konzernbaukastens präsentieren und dieses Jahr steht alles im Schatten steigender Kraftstoffpreise. Nachdem in der Vergangenheit gekappte TT Roadster und 12-Zylinder GTI’s vorgestellt wurden gibt es dieses Jahr einen sparsamen TDI.

Nein, nicht etwas den V10-Dinosaurier des Touareg, sondern den braven 2 Liter Common-Rail aus Golf, Octavia und Co.
Damit sich dennoch an dem eigens für Sie kreierten Showcar erfreuen kann haben die Ingolstädter typische Wörthersee-Ausstattungsoptionen an den A3 adaptiert:
Zuerst fällt die martialische Front auf, deren riesige Lufteinlässe großen Überholprestige suggerieren sollen und deren „blade“ genanntes Spoilerschwert nur schwerlich die TÜV- und EURO-NCAP-Auflagen beim Thema Fußgängerschutz erfüllen dürfte. Die grimmige Optik wird von den obligatorischen LED-Tagfahrleuchten unterstrichen. Die angeschraubten Kotflügelverbreiterungen zeugen vom selben streitbaren Geschmack der Wörtherseetouristen, wie auch der ausladende Heckspoiler, der laut Audi die Brücke zur DTM schlägt. Einzig die aerodynamisch überarbeiteten Rückspiegel können auf Anhieb gefallen und dürften sich elegant an die Serienmodelle anfügen.

Um dem clubsport Siegel auch auf der Fahrwerksseite gerecht zu werden stellt Audi den A3 auf 20 Zoll Felgen mit 265er Bereifung rundum. Der so geschaffene Freiraum wird an der Vorderachse von einer großen Keramikbremsanlage mit Sechskolbensätteln bestens ausgefüllt. Die Feder- und Dämpfereinheit lässt sich über das „Drive select system“ mittels einer magnetisch aktiven Dämpferflüssigkeit in mehreren Kennlinien variieren, wie auch Servolenkung, ESP-Unterstützung, Gasannahme und sogar der Auspuffsound verändert werden können. Auspuffsound bei einem Diesel? Ja, sogar das scheint heute machbar und die Kanonenrohre am Heck des clubsport lassen Großes vermuten. Mehrere Resonanzkammern sollen für einen satten Sound sorgen und das dieseltypische Nageln übertünchen. Wenigstens wird das Showcar keine hässlichen Fahnen hinter sich herziehen, erfüllt es doch die EU5-Abgasnorm. Angesichts der Tatsache, dass die Ingenieure den 2.0 Liter TDI von 140PS auf 224PS gezüchtet haben eine durchaus erfreuliche Nachricht.

Die gebotenen 450Nm Drehmoment sollen laut Werksangaben reichen um dem Rollwiderstand der Streitwagenräder und allen sonstigen Fahrwiderständen bis zu einer Spitze vom 240km/h trotzen zu können. Der Sprint von 0-100 ist dank quattro-Traktion in 6,6 Sekunden gemeistert, vorausgesetzt der Pilot findet den richtigen Gang in der offenen Schaltkulisse, die wir bereits aus dem R8 kennen.
Der restliche Innenraum trägt außer farblich schreiender Tapezierung kaum nennenswerte Änderungen zur Serie, außer vielleicht den aus „Gewichtsgründen hohl gefrästen“ Türgriffen und beleuchteten „TDI Power“ Einstiegsleisten.

Man mag dem A3 clubsport nur Effekthascherei vorwerfen, denn nichts ist der Performance abträglicher als 20 Zöller mit 265 Bereifung auf einem Kompaktem und ein „dediziert straffes“ Fahrwerk, das vor lauter Härte den Bodenkontakt nicht halten kann – ein echter A3 clubsport muss leicht, aerodynamisch, stark und mit einem agilen Fahrwerk versehen sein, nur dann macht ein derartiges Projekt Sinn. Doch Show’n’Shine zählt auf Automobiltreffen seit jeher mehr als das Sein. Schade…

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