Der Hattrick – das 36. ADAC Zurich 24h Rennen auf der Nordschleife

Die Vorbereitung war hart, die Versprechungen groß: Porsche sollte endlich besiegt werden. Die Dominanz der 911 in den letzten zwei Jahren und in der aktuellen VLN-Saison sollte gebrochen werden. Die Chancen standen gut, denn das Starterfeld bot viele Highlights, die es mit dem Tempo der RSR’s hätten aufnehmen können – und doch kam alles ganz anders.
Vollmundig kündete die Mannschaft um Michael Düchting und Sport-Auto Chefredakteur Horst von Saurma den Aufbau eines siegfähigen R8 an.



Nur noch wenige Teile entsprachen der Serie, umso mehr jedoch zeugten von einem durchdachten Konzept. Um nicht in der großen Klasse über 4 Liter Hubraum zu starten entschied man sich für eine V8-Eigenkonstruktion mit glatten vier Litern. Doch genau an dieser Stelle krankte der Audi. Im Training verließ er die Box zwar für ein paar gezeitete Runden, doch zum Start zog die Mannschaft die Nennung zurück, zu groß waren die Probleme mit der Standfestigkeit des Triebwerks. Der erste Elferschreck war also ein Papiertiger.
Der zweite ernst zunehmende Konkurrent wurde vom Team um Querkopf Alzen an den Start gerollt. Nachdem das Reglement die ausladenden Heckflügelkonstruktionen der vergangenen Saison verbannte konnte er nicht mehr mit seinem Cayman antreten, der nur mit Hilfe dieses aerodynamischen Hilfsmittels fahrbar gewesen ist.



Stattdessen brachte er das neue „Turbinchen“ an den Start. Auf Basis des Porsche 911 baute Alzen eine neue turbogeladene Version seines alten Publikumslieblings. Der Turbo lief gut und das Team ging vom zweiten Startplatz ins Rennen. Doch nachdem das Team um Jürgen Alzen das Rennen sogar für mehrere Stunden anführte musste man das Turbinchen in der Nacht auf Grund eines nicht behebbaren technischen Defekts abstellen.


Ähnlich ging es der brachialen Viper des Zakspeed Teams. Sie ging als klarer Mitfavorit von Platz drei ins Rennen und konnte den Porsche lange Zeit Paroli bieten, bis sie um zwei Uhr nachts im Brünnchen von der Strecke flog und das Rennen irreparabel aufgeben musste.

Zwar ohne Blechschäden, aber dafür mit reihenweise technischen Problemen hatten die restlichen Exoten des Starterfeldes zu kämpfen.



Der Lexus LF-A in seiner mattschwarzen Stealthfighter-Optik konnte trotz akribischer Vorbereitung des 70 Mann starken Teams nie in den Kampf um die Spitzenpositionen eingreifen und musste ständig wegen kleineren Defekten an die Box. Auch der orange-weiße Lamborghini der Raeder-Mannschaft wollte nicht ans Laufen kommen.



Nachdem man im ersten Zeittraining keine schnelle Runde hinlegen konnte und mit einer Ölleckage zu kämpfen hatte konnte das Team nach einer Motor- und Getriebeabdichtung den Gallardo im Nachttraining immerhin auf den sechsten Startplatz stellen. Im Rennen traten dann die gleichen Ölverluste wie am Freitag auf, weshalb der Lamborghini wertvolle Zeit verlor. Vom Pech verfolgt gesellte sich zum Ölproblem ein scheinbar nicht zu behebender Fehler an der Lichtmaschine.



Dass die Raeder-Schrauber zur Krönung während des Rennens „mal eben“ das Getriebe tauschten ging im allgemeinen Trubel fast unter und so kam der Gallardo auf einem undankbaren 106. Platz ins Ziel.
Garnicht ins Ziel kam hingegen die Crew des Gumpert Apollo. Das von Heinz-Harald Frentzen initiierte Team setzte den deutschen Supersportler in der Sonderklasse für alternative Antriebe ein. Der V8-Bolide vetraute in Hybridbauweise auf einen Elektromotor, der ihm zwar nicht zum Kraftstoff sparen, jedoch beim Überholen der Konkurrenz helfen sollte.



Der 22. Startplatz im Training erfreute das Team mit dem klanggewaltigen Fügeltürer, doch im Rennen krankte der Sonderling an vielen Stellen und so sammelte er in den 24h Renndistanz nur magere 53 Runden und wurde nicht gewertet.
Die strahlenden Sieger des 24h Rennens waren also wieder die alten. Timo Bernhard, Marc Lieb, Romain Dumas und Marcel Tiemann gewannen und schenkten dem Teamchef Olaf Manthey so den Hattrick.



Zwar sah es zu Beginn nicht so aus, denn der von der Pole Position startende 911 GT3 RSR zog schon in der ersten Kurve eine Wasserdampfwolke hinter sich her. Eine gelöste Schlauchschelle am Kühler war die Ursache und ließ das Team mit der Startnummer 1 schon nach der ersten Runde einem Rückstand von 16 Minuten hinterherfahren.



Doch verschont von größeren Schäden und mit fehlerlosen Fahrern schob sich der Manthey-Porsche zurück an die Spitze. Zweiter wurde ebenfalls das Manthey-Team mit dem Siegerwagen aus 2006. Die Besetzung der Startnummer 23 war mit dem Ergebnis hochzufrieden und musste „nur tanken und Reifen wechseln“.



Den anderen Teams gegenüber erscheint dieser Satz wie Hohn und doch ist es die Wahrheit.
Nach über 40 Jahren Evolution hat der 911 einen Reifegrad erreicht, der ihn schlicht zum besten Rennwagen der Welt macht!

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