Nach oben offen – der Opel Astra GTC 1.7 CDTI

das überrascht: das Fahrwerk, der Motor, das ganze Auto
das ist gut: die Performance, der Verbrauch, der Komfort
das weniger: die Übersichtlichkeit, die Kopffreiheit

Grimmiges Design, breite Spur, knackig tiefes Fahrwerk und bezahlbare Preise – so sieht das perfekte Kompaktsportcoupé aus. Modernste Technik in Form von direkteinspritzendem-downsize-Turbomotor, aktiver Fahrwerksregelung und effizientem Doppelkupplungsgetriebe soll den neuen VW Scirocco an die Spitze des Segments führen und entsprechend selbstbewusst rühren die Wolfsburger derzeit die Werbetrommel für den Kompaktsportler.
Doch ist der Kampf nicht ein ungerechter? Ist die Konkurrenz nicht zu alt um den neuen Shooting-Star ernsthaft zu gefährden? Auf der Suche nach einer Antwort haben wir Opel Astra GTC 1.7 CDTI ausgiebig fahren können.

GTC – Gran Turismo Compact. Eine klangvolle Bezeichnung haben die Rüsselsheimer ihrem Coupé gegeben. Zwar sieht die Optik eher nach Kompaktklasse-Tristesse statt nach automobilem Hochadel aus, dennoch aber haben sich die Designer Mühe gegeben die schönen Seiten am Opel herauszuarbeiten. Die breite Chromspange am vorderen Kühler und das grobmaschige Gitter verleihen der Front eine sportlich elegante Note und die markante Bügelfalte der zugespitzten Front unterstreicht diese Dynamik zusätzlich.

Auch die Zweifarblackierung ist ganz im Stil edler Gran Tursimo, jedoch bekommt sie der Kunde nur wenn er das Panoramadach in der Cosmo-Ausstattung wählt. Der hintere Dachteil ist dann nur in schwarz lieferbar und so kommt es je nach Außenfarbe zu einem schönen Kontrast. Die Seitenlinie und das Heck des Astra GTC leben von der kleinen Fensterfläche, denn die stark ansteigende Gürtellinie zeugt zusammen mit den ausgestellten hinteren Kotflügeln von der sportlichen Ambition des Opels. Die am Testwagen montierte 16-Zoll Bereifung wirkt in diesem Umfeld beinahe verloren und schließlich liefert Opel selbst ab Werk Alufelgen bis zu 19 Zoll Durchmesser, doch den Optiknachteil macht die kleine Bereifung beim Fahren mehr als wett.

Kleine Felgen und große Reifenflanken entsprechen kaum dem Geschmack des sportlichen Fahrers, doch gerade hier verbergen sich in Zeiten von Runflat-Niederquerschnittsreifen fast vergessene Komfortwelten. Hier ist der Opel erstmals ein echter Gran Turismo, denn sein Fahrwerk hat in Kombination mit den kleinen Rädern sehr gute Langstreckenqualitäten. Das IDS-plus Fahrwerk schluckt alle Stöße sauber weg und zeigt sich in jeder Situation angemessen gedämpft.
Auf Knopfdruck jedoch lässt es sich in seiner Kennung verstellen um dem sportlichen Anspruch an ein kompaktes Coupé gerecht zu werden. Der Knopfdruck lässt den Astra spürbar straffer werden und auch die Wankneigung wird deutlich reduziert, zudem passt sich auch die Servounterstützung der Lenkung dem Sportmodus an und agiert nun deutlich spontaner und direkter.

Das Beste am Sportmodus ist jedoch die geänderte Gaspedalkennlinie. Im normalen Modus lässt sie kaum Wünsche offen und reagiert höchst unauffällig, doch im Sportmodus wird der Astra zu einem anderen Auto. Er wird praktisch „aus dem großen Zeh“ fahrbar und reagiert spontan auf kleinste Gaspedalbewegungen. Es ist wirklich bemerkenswert wie es die Rüsselsheimer Ingenieure es geschafft haben, einem von Hause aus trägen – weil turbogeladenen – Motor eine solche Agilität anzuerziehen. Kritiker mögen nun behaupten eine andere Gaspedalkennlinie wäre reine Vortäuschung falscher Tatsache, aber in der Realität fährt sich der Astra im Sportmodus deutlich spritziger als im normalen Modus. Es liegt wohl einfach daran, dass man im normalen Verkehr nie soviel Gas geben würde, wie es der Sportmodus dem Astra in der gleichen Situation gewährt und der Effekt ist wie gesagt verblüffend.
Gaspedalkennlinie hin oder her, der kleine 1.7 Liter Common-Rail Vierzylinder ist und bleibt der Grund für die guten Fahrleistungen. Der moderne Motor, der demnächst in verschiedenen Leistungsstufen sogar den älteren 1.9 CDTI ablösen wird gefällt durch einen frühen Drehmomentaufbau und ein angenehmes Laufgeräusch. Knapp über Leerlaufdrehzahl nimmt er bereits sauber Gas an und lässt sich ohne merkliches Turboloch fahren.

Die gekonnte Abstimmung im niedrigen Drehzahlbereich unterstützt das manuelle 6-Gang-Getriebe zusätzlich, denn es lässt sich leicht schalten und die Gangabstufung ist vernünftig gewählt. So kann man den Opel schaltfaul bei 1500 Umdrehungen laufen lassen, was gerade in der Stadt oder im Kolonnenverkehr von großem Vorteil ist. Doch abseits solcher Verkehrssituationen zeigt der Astra seine wahren Stärken: auf langen Überlandstrecken im großen Gang das Drehmoment ausnutzen, den Ausblick durch die herrlich große Panoramascheibe genießen ohne von Schlaglöchern, Polter- oder Knarzgeräuschen gestört zu werden. Ein echter Gran Turismo eben.
Wenn keine Zeit bleibt für schöne Landschaften und gemütliches Rollen schwingt sich der 125 PS Motor auf Wunsch auch zu beachtlichen Geschwindigkeiten auf. 230km/h zeigte der Tacho unseres Testfahrzeugs nach einigem Anlauf auf der Autobahn. Dass solche Geschwindigkeitseskapaden nicht ohne Auswirkungen auf den Verbrauch bleiben ist klar, doch auch hier bleiben böse Überraschungen aus. Etwas über 8 Liter Diesel verfeuert der 1.7 CDTI im „full-boost“ Modus, lässt man es jedoch ruhiger angehen fällt der Verbrauch ähnlich schnell wie die Geschwindigkeit. Bei zurückhaltender Fahrweise sind fern jeder Schleichabsichten Werte nahe der 5.0 Liter Marke möglich und im flotten Testschnitt genehmigte sich der Opel 6.1 Liter auf 100 Kilometer.

Bedenkt man die gebotenen Fahrleistungen und das auf Grund der opulenten Ausstattung hohe Fahrzeuggewicht ist dies ein durchaus guter Wert. Wenn man neben dem schönen Glasdach auf Extras wie adaptives Bi-Xenonlicht, Lederausstattung auf Sportsitzen, Navigation mit Farbdisplay, Soundsystem mit CD-Wechsler, Sitzheizung, Einparkhilfe, Keyless-Go und so weiter verzichten kann, dann wäre auch der Preis des Astra GTC attraktiver, denn die 31.000 EUR des Testwagens sind auch beinahe „Gran Turismo“. Doch auch die Konkurrenz verlangt mindestens ähnliche Preise für ihre Fahrzeuge und immerhin bietet Opel eine 6-Jahres-Garantie zum GTC.
Da Parkrempler jedoch vom Garantieumfang nicht abgedeckt werden sind wir hier beim größten Manko des Rüsselsheimers: der Übersichtlichkeit. Die Sicht nach hinten ist nicht nur durch die extrem flache Heckscheibe beeinträchtigt, denn die breiten C-Säulen schränken das hintere Sichtfeld abermals ein. Auch die Kopffreiheit ist in Kombination mit dem Panoramadach und vor allem der Jalousie des Daches nicht sehr ausgeprägt und gerade großgewachsene Fahrer wünschen sich einen größeren Einstellbereich der Sitzhöhe.

Dies bleiben aber die einzigen Auffälligkeiten des Opels und er zeigt, dass er noch lange nicht zum alten Eisen gehören muss. In einem auf verbissene Sportlichkeit getrimmten Konkurrenzumfeld bildet er mit seinem gelungenen Fahrwerk und der tollen Motor- und Getriebeeinheit eine angenehme Ausnahme.

Technische Daten:

Modell: Opel Corsa GTC 1.7 CDTI Cosmo
Motor: 4 Zylinder Diesel, 1686cm³
Leistung: 92kW/125PS
Drehmoment:280Nm
Antrieb: Front, 6-Gang manuell,
Verbrauch: 6.1l/100Km Benzin
0-100km/h: 10.4sec
Vmax: 197km/h
Preis: ab 25.845 EUR (Version Cosmo)

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