proceed – succeed ? Der Kia pro_cee’d 2.0 CRDi

das überrascht: der Kunststoffgeruch, das Styling
das ist gut: das Platzangebot, das Fahrwerk
das weniger: der Preis, der Motor


Ein grimmiges Gesicht mit Wabengittern, spitz zulaufenden Scheinwerfern und Spoilerlippe. Chromumrandete Nebelscheinwerfer sorgen für zusätzliches Überholprestige. An der Seite nehmen die ausgeprägten Seitenschweller und die stark ansteigenden Dachlinie die Dynamik der Front auf und das Heck mit seinen hochgesetzten Leuchten und der kleinen Scheibe rundet das sportliche Bild gelungen ab.
Doch es geht hier nicht um einen Edelkompakten à la A3 oder 1er, sondern um den 3-türigen Kia pro_cee’d.
Die Koreaner haben Mut bewiesen und haben mit ihrem Mittelklassemodell ein wirklich schönes Auto auf die Straße gebracht, dass bei den Passanten durchaus beachtet wird – im Gegensatz zu den glücklosen Vorgängern.


Es scheint also alles nach Plan zu laufen für den Hersteller aus Fernost, denn schließlich soll der cee’d die Kompaktklasse aufmischen und nicht mehr nur als billige Alternative zu Golf, Astra & Co auftreten.
Ob das Vorhaben gelungen ist wollten wir schon vor einiger Zeit klären, doch der zahnlose 2.0 CVVT Benziner mit 4-Gang Automatik konnte einfach nicht ernsthaft bewertet werden und so bekamen wir von Kia einen knackigen 2.0 CRDI mit 6 handgeschalteten Gängen in der Sportversion zur Verfügung gestellt.


Im Innenraum empfängt uns der Koreaner auf lederbezogenen Sportsitzen und schmeichelt den Händen mit einem toll in der Hand liegenden Lenkrad, das entgegen dem Trend üppiger Aufpolsterung schön grazil ausgeformt ist. Auch die anderen Mitfahrer loben den Kia, der mit einem guten Platzangebot aufwarten kann und auch in der hinteren Reihe keine Enge verspüren lässt, obwohl der Ausblick auf Grund der kleinen Seitenfenster und der breiten C-Säule etwas beschnitten wird. Der Kofferraum lässt sich trotz etwas erhöhter Ladekante leicht beladen und fasst 340 Liter Gepäck.
Doch um dem Golf Konkurrenz zu machen bedarf es mehr als etwas Platz für Kind und Kegel – wie also schlägt sich der pro_cee’d auf der Straße?


Beim Anlassen grummelt und rasselt der 2.0 Liter Common-Rail noch vernehmlich, so als wolle er seinen Arbeitseifer unterstreichen. Dank VTG-Lader sprüht der Kia dann auch schon ab Leerlaufdrehzahl los, dass die Vorderräder oft die Contenance verlieren. Ab 2500 Umdrehungen flacht der Vortrieb dann spürbar ab und die Bereiche über 4000 Umdrehungen sollte der ambitionierte pro_cee’d Pilot aus Gründen des Verbrauchs und der Lärmbelästigung sowieso meiden.
Wenigstens spielt das Getriebe dem Motor in die Karten, indem es immer die passende Übersetzung bereithält und so den kleinen elastischen Bereich des Diesels gut kaschieren kann. Zwar wäre die Schaltbarkeit noch durchaus zu verbessern, aber wir haben hier schließlich keinen Rennwagen, sondern einen „Volkswagen“.


Das Fahrwerk jedoch würde durchaus gut zu Ersterem passen, denn in Zusammenarbeit mit den serienmäßigen 17-Zoll Alufelgen sorgt es stets für sauberen Fahrbahnkontakt ohne große Seitenneigung. Das es trotzdem nicht übertrieben hart abgestimmt, zeugt vom Feingefühl der Entwickler.
Dennoch macht der Kia nicht wirklich glücklich. Unzählige Airbags, aktive Kopfstützen, ESP und Bremsassistent in allen Ehren und auch Komfortfeatures wie automatisch abblendende Spiegel, Regensensoren, Lichtsensoren, Klimaautomatik, USB-MP3-Infotainment und gedämpfte Haltegriffe hieven den pro_cee’d nur beim Preis in europäische Regionen. Sicher, sein Preis von knappen 24.000 EUR bei Vollausstattung ist immer noch gute 3000 EUR billiger als ein VW Golf, aber gerade die gute Konkurrenz aus Köln und Rüsselsheim ist hier kaum mehr teurer und auch die Garantie, die Kia vollmundig mit 7 Jahren (auf Motor und Getriebe) ankündigt kontern die Europäer wie Opel (6 Jahre komplett) mittlerweile.
Der pro_cee’d ist gut und solide, leistet sich keine gravierenden Schwächen und bietet allen Komfort, der in der Golfklasse zum guten Ton gehört – zum gleichen Preis und das dürfte eine große Hürde für viele Käufer sein, die lieber Golf fahren, als Kia. Leider.

Technische Daten:

Modell: Kia pro_cee’d 2.0 CRDi TX
Motor: 4 Zylinder Diesel, 1991cm³
Leistung: 103kW/140PS
Drehmoment:305Nm
Antrieb: Front, 6-Gang manuell,
Verbrauch: 7.2l/100Km Diesel
0-100km/h: 10.1sec
Vmax: 205km/h
Preis: ab 23.275 EUR (Version TX)

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