Die Zähne geschärft – der neue Porsche Cayman S

das überrascht: das Fahrerlebnis
das ist gut: Motor, Getriebe, Fahrwerk, Bremsen, Sitze
das weniger: Windgeräusche, Preisgestaltung

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Es drohen Milliardenklagen der Hedgefonds, die Bänder stehen still und die Wirtschaftsflaute trifft auch die ansonsten immer verschont gebliebenen Autobauer aus Zuffenhausen – rosige Zeiten sehen anders aus.Die Präsentation des runderneuerten Mittelmotor-Sportlers von Porsche entspricht dann auch ganz dem Zeitgeist: Mehr Effizienz, verbessertes Abgas, weniger Verbrauch, mehr Komfort, umweltschonende Reifen – alles Schlagworte, die man bei einem echten Sportwagen nicht unbedingt an erster Stelle vermutet.


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Die Entwickler sind stolz auf ihre neuen Techniken wie Direkteinspritzung und Doppelkupplungsgetriebe und dennoch sucht man Worte wie Fahrspaß, Drehzahl und Kurvengier vergebens bei der Vorstellung.
Warum? Ist es der Respekt vor der Masse, die in der heutigen Zeit keinen Sinn mehr für ein reines Lustobjekt sieht? Vielleicht. Vielleicht ist es aber auch ein wohldosiertes Understatement und die Überzeugung, dass man mit den neuen Qualitäten des Cayman nicht hausieren gehen muss – er wird den Fahrer von selbst überzeugen.
Wie Recht Sie doch hatten. Der neue Cayman S fährt zum Niederknien. Angefangen beim neuen 3.4 Liter Direkteinspritzer-Boxer, der nun auf 320PS Spitzenleistung kommt und sagenhafte 370Nm produziert. Sein Klang ist herrlich komponiert, von dunklem Grollen im Leerlauf, über motivierendes Sägen in der Drehzahlmitte bis zum harten Schrei an der Drehzahlgrenze von nun 7500/min findet der Musikliebhaber jede Tonlage. Für den standesgemäßen Antritt ist die Drehzahl dennoch egal, denn die neu entwickelte Ansauganlage ermöglicht in Kombination mit dem optimierten Ventiltrieb mit variablen Steuerzeiten und Ventilhüben einen optimal fahrbaren Drehmomentverlauf.

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In Kombination mit dem neu entwickelten 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe PDK spielt der Boxer seine Stärke(n) jedoch erst richtig aus: ohne Zugkraftunterbrechung und mit einer idealen Gangspreizung hält das neue Getriebe in jeder Situation den richtigen Gang bereit und sorgt neben verringerten Beschleunigungszeiten (4.9 sec auf 100) auch für einen verringerten Verbrauch. 9.4 Liter gibt Porsche für den Wert auf 100 Kilometer an und für einen 320PS-Sportwagen ist dies ein sensationeller Wert, den wir auf unserer Testfahrt zeitweise sogar deutlich unterschritten haben. Erreicht haben wir ihn am Ende freilich nicht, denn das andalusische Hinterland lies ein zurückhaltendes Cruisen nicht wirklich zu.
Landstraßen ohne Markierungen, mit Wellen, Buckeln, Kuppen und Kurven, denen die deutschen Straßenbauämter mit Tempo 20 Schildern den Spaß genommen hätten, erwiesen sich als ideale Spielwiese für den geschärften Caymanen.

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Die 265er Hinterreifen bauten in Kombination mit dem optionalen mechanischen Sperrdifferenzial einen unglaublichen Grip auf, der den kleinen Porsche nicht nur unglaublich schnell durch die Kurve laufen ließ, sondern auch extrem frühes Beschleunigen und sehr spätes Anbremsen ermöglichte. Für die phänomenale Bremswirkung waren wohl auch die über 8000 EUR teuren Keramikstopper PCCB verantwortlich: ihre Sechskolbensättel verbissen sich unbarmherzig in die 350mm Scheiben und waren auch bei den härtesten Bremsmanövern in über 2 Stunden Einsatz nicht klein zu kriegen. Kein wandernder Druckpunkt, kein schwammiges Pedalgefühl, keine harte ABS-Regelvorgänge – einfach nur unvorstellbare Entschleunigungsperformance.

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Dass der Bordcomputer statt der möglichen 9.x Liter meist knapp über 20 Liter anzeigte ging auf Grund der gebotenen Performance durchaus in Ordnung. Die Drehzahlgier des neuen Boxers und die schnellen Gangwechsel des PDK machen einfach süchtig und schließlich hat man mit der erwähnten Bremsanlage die Geschwindigkeit jederzeit im Griff – auch wenn ein spanischer Sattelzug in einer blinden bergab Rechts der Meinung ist auf der Ideallinie fahren zu müssen.
Besondere Erwähnung verdient auch das neu abgestimmte Fahrwerk. Das Setup passt perfekt zum Einsatz auf der Landstraße. Ausreichend komfortabel, nie nervend und dennoch mit der bestechenden, porschetypischen Rückmeldung versehen, gibt es auf diesem Gebiet nichts zu verbessern. Die optionalen Abstimmungsmöglichkeiten mittels Sport und Sport Plus-Taster (in Verbindung mit dem Sport Chrono Plus Paket) fanden auf unserer Probefahrt deshalb auch nur kurz Verwendung, da sie nur auf ebenen Rennstrecken ihr Potential ausspielen voll können. Auch die erhöhte Regelschwelle des PSM braucht man nicht unbedingt zu bemühen, gewährt Porsche dem Cayman doch auch schon in der Standardabstimmung ein spaßiges Eigenleben.

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Die restlichen Neuerungen wie das neue Infotainmentsystem mit Touchscreen und Festplatte, sowie klimatisierbare Sitze entsprechen dem Niveau der hochpreisigen Konkurrenz und verdienen bei einem echten Sportwagen eigentlich weder der Erwähnung, noch des Kaufes.
Ein fahrdynamisch perfekter Cayman braucht PDK, Schalensitze, Sperrdifferential, Keramikbremse und das Sport Chrono Paket Plus – mehr nicht. Zwar kosten diese Extras allein schon soviel wie ein ordentlich ausgestatteter Golf, aber bevor man Tausende in knallbunte M&M’s-Sonderlackierungen, Ziernähte in Wagenfarbe, Hölzer, Spoiler und Massagesitze investiert, sollte man sich den Sinn eines Porsche noch einmal vor Augen führen.

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Der neue Cayman S ist ein fantastisches Fahrerauto, das mit Leistung, Klang und Kurvengier jeden Tag aufs Neue verführt – und doch ein handzahmes, hocheffizientes Fortbewegungsmittel, das mit Euro 5 Abgasnorm, ULEV-Einstufung und guten 9 Litern Verbrauch keinen öffentlichen Protest erregt.
Wir haben seine Entwickler verstanden, denn wir bekommen das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht.

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Technische Daten:

Modell: Porsche Cayman S
Motor: 6 Zylinder Benziner, 3436cm³
Leistung: 235kW/320PS
Drehmoment:370Nm
Antrieb: Heck, 7-Gang Doppelkupplung,
Verbrauch: 9.2l/100Km Benzin (EU4)
0-100km/h: 4.9sec (mit Sport Chrono Plus und PDK)
Vmax: 275km/h
Preis: ab 61.493 EUR (ohne PDK)

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