dirt devil – der BMW 130i

das überrascht: der Motor (in jeder Hinsicht)
das ist gut: die (Wieder-)Entdeckung der Drehzahl
das weniger: der Tank

130i - mehr als eine Zahlenkombination

Es wird wohl nur noch ein paar Tage dauern, wenn es nach den Experten geht und wir meinen jetzt nicht das Weihnachtsfest, sondern das Sterben der big three.
Subprime-Krise, Bankensterben, Rezession – die strauchelnden Riesen trifft all das richtig hart. Doch wer mit veralteten Produktionstechniken nicht in der Lage ist Produkte unterhalb von 3 Tonnen V8-Pickups zu bauen, der ist selbst Schuld. Sicher, diese Sichtweise ist etwas einseitig, doch das Problem der amerikanischen Autobauer liegt zum größten Teil im sperrigen Produktportfolio.

Efficient Dynamics - erfrischend dynamisch
Good old Germany kann das besser. Oder? BlueMotion, EcoNetic, TDIe, EcoFlex und so weiter. An sparsamen, ökonomischen und dem Bedarf angepassten Autos mangelt es uns beileibe nicht – und dennoch krankt auch unsere Autowirtschaft. Die aktuellen deutschen Politikwirren um Strafsteuern, Fahrverbote und CO²-Boni werden von absurden EU-Parlamentsentscheidungen noch übertroffen und sorgen nicht unbedingt für mehr Entscheidungssicherheit beim Kunden.
Die Kaufanreize sind einfach falsch gesetzt. Kosumgutscheine, Steuerstundung – das alles hilft nicht, wenn die Emotionen ausbleiben. Wer hat uns zum Beispiel eingeimpft, dass man für zeitgemäße und umweltbewusste Fortbewegung unbedingt einen furchtbaren Vierzylinder-Selbstzünder braucht?

dirt devil
Oder warum ein aus Gründen von Kosten und Vernunft gekauftes Auto ein Neuwagen sein muss? Ein gebrauchter Golf IV kann mit Sicherheit alles besser als ein Dacia Logan – weshalb wir denjenigen, der im vollen Besitz seiner geistigen Fähigkeiten so eine Mühle kauft nie verstehen werden.
Wenn man den Kunden aus der Reserve locken will (oder vielleicht sogar muss), dann geht es nur über drei Dinge: Design, Emotion und Fahrspaß. Das Auto muss berühren, verzaubern und glücklich machen – denn nur so verkauft man etwas in diesen Zeiten. Mit Herz, nicht mit Verstand.

Dreckheck
Nehmen wir den BMW 130i als Beispiel. 3 Liter Hubraum, 6 Zylinder, 265PS und 250km/h. Eckdaten, die man in der heutigen Zeit beinahe verschämt verschweigen muss, anstatt sich am Wesen dieses grandiosen Motors zu erfreuen. Aber fangen wir am Anfang an.

dsc_6542
Der kleine BMW hatte es schwer am Anfang: sein Design erinnerte mehr an ein Hängebauschwein, als ein einen sportlichen Kompakten, seine Materialauswahl stand im krassen Gegensatz zum Preis und das agile Fahrverhalten des Hecktrieblers war nichts für die untersteuernde Frontkratzer-Käuferschaft. Mit den Jahren und den Modellpflegen sind die Probleme allerdings weitgehend beseitigt worden und vor allem die neuen Karosserievarianten haben der kleinen Baureihe gut getan.

dsc_6538
Die von uns gefahrene 3-türige Variante ist zwar nichts für Hobbyspediteure und Origamifalter, doch ambitionierte Fahrer freuen sich über die Passgenauigkeit des Interieurs genauso, wie über das gelungene Instrumentenarrangement und die fantastischen Sportsitze.
Auch aus ästhetischer Sicht hat der 3-Türer deutlich gewonnen, denn die dank der Edelstahlfensterleiste aufgewertete Seitenansicht wirkt in Kombination mit dem kürzeren Radstand endlich so schlüssig, wie man das vom BMW von Anfang an erwartet hätte.

dsc_6491
Allerdings muss man schon wenigstens 17-Zoll Felgen bestellen, damit die Radhäuser auch angemessen ausgefüllt sind. Dem Fahrkomfort tut dies keinen Abbruch mehr, seit die Reifendoktoren den neuen Runflat-Generationen so etwas wie Abrollkomfort einvulkanisieren konnten. Der Großteil des Fahrkomforts ruht aber in der Abstimmung selbst. Kein M-tiefer-breiter-Wahnsinn sorgt hier für verstimmte Bandscheiben, noch nicht einmal die „sportliche Fahrwerksabstimmung“ stört in unserem Testwagen.

dsc_6511
Das Ergebnis ist beinahe vergessene Gelassenheit im Alltagsverkehr, der Einser rollt leichtfüßig ab und sieht gelassen über Schlaglöcher und sonstige Verwerfungen hinweg. So soll es sein, die übertriebene Härte der Hoppelfahrwerke vermissen wir auf keinem Meter, zumal eine sportliche Auslegung nicht allein vom Fahrwerk kommt. Dieses Talent schafft erst das Zusammenspiel aller Komponenten und hier schlägt die Stunde des Jahrhundertmotors aus München.

dsc_6564
Downsizing oder Zwangsbeatmung? Fehlanzeige. Sechs Zylinder in Reihe, die ihr Gemisch nach alter Sitte noch selbst ansaugen – fertig.
Das Ergebnis ist ein Geräusch beim morgendlichen Motorstart, das die TDI-Kollegen schon beinahe als frivol deuten. Dumpf, grollend, beruhigend. Kein Traktor-Rasseln und Pumpe-Düse-Schütteln, stattdessen feinste Laufkultur und Gelassenheit. Wie haben wir das alles vermisst.

p1040037
Ein Drehzahlmesser, dessen roter Bereich bei netten 7000 Umdrehungen beginnt. Ein Getriebe, das fern von gigantischen Drehmomentbergen ohne moderne Knorpeligkeit, sondern endlich wieder mit der unnachahmlichen BMW-Präzision schaltet. Wahnsinn. Und dabei sind wir noch nicht einmal losgefahren!

dsc_6556
Wunderbar hängt der Sechsender am Gas, setzt feinfühlig alle Impulse des rechten Fußes um und fühlt sich auch im Stadtverkehr wohl. Im Tacho hat man die BMW typische Verbrauchsanzeige mit einem Ölthermometer getauscht – ein Zeichen dafür, dass sich wenigstens der Sechszylinderfahrer noch um seine Maschine sorgt und nicht schamlos am Kabel zieht, solange die Temperatur noch nicht stimmt. Steht die Nadel dann endlich bei 90° kann man die Fähigkeiten der Reihensechsers zum ersten Mal etwas austesten.

dsc_6548
Die Lautstärke der klappengesteuerten Auspuffanlage nimmt proportional zur Gaspedalstellung zu und das ihr entweichende Klangspektrum kennt keine Grenzen. Vom dumpfen Grummeln aus dem Drehzahlkeller über herrlich treibendes Grollen in der Mitte bis hin zum hemmungslosen straight-six-Schrei an der Drehzahlgrenze.

dsc_6510
7000 Umdrehungen – eine fast schon unwirkliche Zahl im Otto-Normal-Straßenverkehr. Und dennoch, der 130i lockt dich immer wieder an den Schalthebel. Vierter Gang, dritter Gang, Volllast. Immer und immer wieder. Man könnte natürlich jede Situation ganz locker im Sechser ausreiten und die 300Nm arbeiten lassen, doch warum sollte man den Schnellläufer nicht auch schnell laufen lassen?

dsc_6525
Die Faszination der Drehfreude ist es, die uns im modernen Dieselalltag völlig fremd geworden ist. Man muss die Gänge nicht ausdrehen um voran zu kommen, aber es ist die Art und Weise in der der 3 Liter Umdrehung für Umdrehung an Kraft zulegt, an Schub gewinnt und seine Leistungsfähigkeit der Umgebung akustisch mitteilt. Schnell, hart, dreckig, laut – einfach phänomenal.

dsc_6535
Dazu dann die Kompaktheit der Einser-Karosserie, die passende Fahrwerksabstimmung, eine bissige Bremsanlage – fertig ist die ultimative Fahrmaschine. Keine Krawallschachtel, kein Aufschneider, einfach ein kleiner BMW mit einem großen Motor. Freude am Fahren ist hier keine Marketingfloskel, sondern auf jedem Meter erlebbar.

dsc_6566
Hier wird uns die Dieselfraktion in jedem Fall zustimmen, um postwendend auf exorbitante Verbräuche und die nahende Klimakatastrophe hinzuweisen. Weit gefehlt. Die Stammtisch-Verbräuche der TDI-Vertreter erreicht unser Knaller natürlich nicht, aber 130 Tempomat-km/h auf langer Strecke quittiert der Bordcomputer je nach Topographie auch gerne mit einer 7 vor dem Verbrauchskomma.

dsc_6561
Selbst wenn man ab und zu mit einem schelmischen Grinsen einen Passat-Mondeo-Golf-Konvoi auf der Autobahn bei +180km/h richtet, klettert der Konsum nur unwesentlich über 8.5 Liter. Selbst im Stadtverkehr erreicht man – vernünftige Fahrweise vorausgesetzt – Werte deutlich unter 10 Litern.

dsc_6519
Diese Werte sind die eigentliche Sensation am 130i: ein 265PS-Teufel, der ohne High-End-Techniken und Hybridisierung exzellente Verbrauchswerte erreicht, die sogar manch leistungsgleichen V6-Diesel ins Schwitzen bringen. Einziger Makel ist der Miniaturtank, der kaum mehr als 500km Reichweite zulässt und so sämtliche Fernreiseschnitte ruiniert. Hier sollte BMW etwas nachbessern, auch wenn der 3 Liter im 1er-Modellmix kein wirklich dicker Fisch ist.

dsc_6560
Am Ende bleibt der Preis. Zwar ist er mit 33.900 EUR auf den ersten Blick nicht sonderlich teuer, doch die Extras der schönen Sonderausstattungswelt treiben den Preis unseres Testexemplars weit über 50.000 EUR. Das ist sehr viel Geld für einen kleinen BMW, doch gerade in der aktuellen Situation sind die Händler sicher zu ordentlichen Zugeständnissen bereit. Probieren Sie ihn einfach mal aus. Er wird Sie mit Sicherheit genauso begeistern wie uns.

Als Vorgeschmack haben wir Ihnen unseren Fahreindruck des BMW 130i auf 72 Sekunden zusammengefasst: Schnell, hart, dreckig, laut – einfach phänomenal. Viel Spaß!

filmheader1

Technische Daten:

Modell: BMW 130i 3-Türer
Motor: 6 Zylinder Benzin, 2996 cm³
Leistung: 195kW/265PS
Drehmoment: 300Nm
Antrieb: Heck, 6-Gang manuell
Verbrauch: 9.5l/100Km Super
0-100km/h: 6.0 sec
Vmax: 250km/h (abgeregelt)
Preis: ab 33.900 EUR

Schreibe einen Kommentar

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: