got soul? – der Kia Soul 1.6 CVVT

das überrascht: was man vom Soul alles lernen kann
das ist gut: Auftritt, Raum, Struktur & Rückfahrkamera
das weniger: der Motor

img_3265

free your mind – warum nicht? – nachdem wir diese beiden Slogans beinahe täglich in Übergröße-Format nicht nur in deutschen Großstädten lessen konnten, sondern auch in diversen Online-Marketing-Anzeigen und seitenweise in den Printmagazinen der Konkurrenz, mussten wir handeln: Reset-Knopf drücken, die eigene automobile Vorgeschichte vergessen und auf zum Soul-Test.

img_3222
Warum? Der Soul soll anders sein, revolutionär. Ein Auto, das die Blicke auf sich zieht und ein junges, dynamisches Publikum erreicht. Lifestyle eben. Damit das klappt hat sich der koreanische Hersteller mit Peter Schreyer einen ganz großen der Auto-Designer-Riege geangelt, denn Schreyer hat bereits den New Beetle und die Stilikone Audi TT entworfen.

img_3209
Das Ergebnis des Fernost-Lifestyle-Crossover-SUV-wie-auch-immer überrascht bei der ersten Begegnung, denn der Soul ist vor allem eines: riesig. Die Wirkung der kantigen Karosse mit vier Meter Länge und knappen eins-achtzig Höhe überraschen den Betrachter live doch sehr.

img_3280
Nun ja, da wir unseren „mind befreit“ haben macht uns das aber nichts weiter aus. (Außerdem überspielt die Farbe die massive Erscheinung etwas: Cocktail Orange, ein herrlicher Name für eine herrliche Farbe – aber auch die Alternativen sind nicht schlecht: Vanilla Shake, Green Tea Latte und Florentinerrot bringen endlich wieder Leben auf die Straße!).

img_3218
Wer es noch ein bisschen mehr von seiner eigenen Kreativität preisgeben möchte, der kann mit individuellen Verzierungen des Blechkleides auf sich aufmerksam machen. Vom Drachen-Tattoo über klassische Tribals, bis hin zum Hahnentrittmuster und den klassischen Rallye-Streifen bietet Kia das volle Ornat an Klebefolien an. Kombiniert man das ganze mit den großen 18-Zoll-Felgen, die man gegen Aufpreis kaufen kann ist der Lifestyle-Laster schon fast fertig.

img_3242
Warum fast? Weil wir noch nicht im Innenraum gewesen sind. Beim Betreten fällt erstmal der Tügriff auf, respektive ab: hier hat der Finanzfuchs aus dem Cotrolling wohl etwas zuviel gespart. Sei’s drum, vielleicht ist das die „power to surpise“ von der Kia neuerdings spricht. Die Sitze sind dafür angenehm bequem. Die Seitenführung ist ausreichend, ebenso die Oberschenkelauflage. Der Bezugsstoff erfreut den Betrachter mit Soul-Schriftzügen in der vollen 24-bit Graustufen-Farbabstufung. Einer der Schriftzüge ist als Logo nachts sogar selbstleuchtend (ab Austattungslinie Vision).

img_3244
Doch der Schriftzug ist nicht das einzige, was im Innenraum vor sich hin glimmt. Vor allem sind es die beiden Lautsprecherboxen, die den optischen Reiz auf sich ziehen wollen: kauft man das Sound-Paket sind die Tieftöner mit grell roten LED’s umrandet, welche wahlweise im Takt der Musik blitzen, in der „mood“-Stellung bedächtig pulsieren oder auf Knopfdruck ihre Leuchtarbeit auch ganz abstellen.

img_3245
Wir sind natürlich immer in „mood“-Stellung gefahren, denn schließlich war unser Geist im Soul ja nun freier als je zuvor. Nur so ist auch die Wahrnehmung des 1.6-Liter CVVT-Benzinmotor zu erklären. Unten rum legt sich die 126PS-Maschine gut ins Zeug und beschleunigt den mit 1.3 Tonnen erstaunlich leichten Soul ganz manierlich und dank der sehr kurzen Getriebeabstufung und engen Gangstaffelung geht es bei fleißiger Schaltarbeit subjektiv auch ordentlich Richtung Landstraßentempo. Lässt man den 1600er hingegen sieht es trotz ambitioniert glühender LED’s finster für unsere orangene Schrankwand aus.

img_3260
Der Motor ist in oberen Drehzahlen nicht nur erstaunlich zugeschnürt, sondern fängt auch noch unschönes Lärmen an. Der Verbrauch steigt bei derartiger Fahrwerise von knapp unter 8 Liter bis beinahe 10 Liter auf 100km an. Aber wir sind ja hier nicht zum Rasen, sondern zum Entspannen, also wieder runter mit dem Tempo. Da spielt dann auch das Fahrwerk mit. Nicht dass es bei der Kurvenhatz überfordert wäre, es schlägt sich dank straffer Grundabstimmung und den großen 18-Zoll-Rädern tatsächlich sehr wacker, doch das ruhige Gleiten liegt ihm noch besser. Kurze Stöße dringen zwar durch, doch werden sie von den sanften Sitzen sorgfältig entschärft.

img_3272
Der Soul also als Reisewagen auf dem Weg zu sich selbst? Warum nicht würde die Kia-Marketingabteilung nun vermutlich sagen, wir haben schon eine kleine Spaßbremse: den Kofferraum. Das Platzangebot des Soul ist auf den vorderen Plätzen wirklich tadellos und hinten kommen auch drei Passagiere passabel unter, doch das Abteil hinter den Sitzen kann sich keine solchen Lorbeeren verdienen. 222 Liter Inhalt sind in der >4m-Klasse ein Scherz. Wenigstens kann man ihn mit variablem Ladeboden und umlegbarer Rückbank im Zweimann-Betrieb noch etwas vergrößern.

img_3252
Ansonsten spricht nichts gegen die große Reise mit dem Soul. Sitze und Fahrwerk sind wie vorher erwähnt tadellos und die hohe Sitzposition gibt entspannten Überblick über das Verkehrsgeschehen. Der Überblick ist auch sonst beispielhaft: die markante Schnauze macht einparken zum Kinderspiel, gerade wenn man das Ausstattungspaket mit der Rückfahrkamera ordert. Derart gerüstet setzt man den koreanischen Kantenhauber auf den Zentimeter genau auf innerstädtische Parkplätze.

img_3285
Bleibt der Preis. Mit weniger als 15.000 Euro lockt der Basis-Soul von den Werbetafeln. Wer allerdings die Individualisierungen für innen & außen kaufen möchte, der muss mindestens zur 18.950 Euro teuren Spirit-Ausstattung greifen. Unser Testexemplar kam auf 20.800 Euro Gesamtpreis. Was auf den ersten Blick viel erscheint – schließlich gibt es dafür sogar schon einen Mini Clubman – geht angesichts der Vollausstattung in Ordnung. Egal ob MP3-Soundsystem mit Subwoofer, abblendende Spiegel, die sich elektrisch anklappen, ein großes Glasschiebedach, Teilleder-Posterung, oder die erwähnten 18-Zöller, Rückfahrkamera und Rallye-Beklebung: für 20.800 Euro gibt es die Flatrate.

img_3225
Was ist nun also der Abschluss unserer Soul-Selbsterfahrung? Man muss sich wirklich auf ihn einlassen. Es braucht Zeit, bis man den Charakter des kantigen Wagens versteht und ihm seine wenigen Unzulänglichkeiten nachsieht. Hat man seine Idee dann verstanden lebt es sich vorzüglich mit dem Soul. Ruhig, entspannt, fernab von Hektik und Trubel des Alltagsverkehrs: Über den iPod läuft mit knackigem Bass die Lieblingsmusik, die Boxen beruhigen pulsierend und der Motor treibt den cocktail-orangenen Seelenklempner im großen Gang leise und bedächtig zum nächsten Ziel.

So schön kann Auto fahren sein. Warum auch nicht…

img_3283
Technische Daten:

Modell: Kia Soul 1.6 CVVT
Motor: 4 Zylinder Benziner, 1591cm³
Leistung: 93kW/126PS
Drehmoment:156Nm
Antrieb: Front, 5-Gang manuell,
Verbrauch: 7.8l/100Km Benzin
0-100km/h: 11.0sec
Vmax: 177km/h
Preis: ab 14.980 EUR

2 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: