Koreolet ? – der Chevrolet Cruze

das überrascht: seine Unauffälligkeit
das ist gut: das Gefühl kein billiges Auto zu fahren
das weniger: das es keinen Kombi gibt

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Sieh an, ein Chevrolet! So empfiehlt sich der neue Cruze auf den Werbebannern. Aber was sieht man wirklich? Ein unauffälliges Auto: kein Größengeklotze, keine Designspielereien, der Cruze ist schlicht und erlaubt sich keine Polarisierung. Mit subtil sportlichen Elementen, wie dem Maschendrahtkühlergrill und einem sanft abfallenden Dach am Heck zielt der Cruze sehr genau auf den Geschmack der europäischen Autokäufer.

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Im Innenraum erlaubt sich der neue „brandshaper“ – so sieht ihn die Chevrolet Marketing-Abteilung – dann sprichwörtlich etwas mehr Freiraum. Das Interieur gefällt sofort, alles ist einfach zu bedienen und nichts strahlt den Charme eines Kostendruck-geplagten Billigprodukts aus. Dass der Cruze mit einem Einstiegspreis von 14.990 Euro sehr wohl zur Gattung jener Autos gehört verschleiert er an dieser Stelle perfekt. Das „twin cockpit“-Design wartet nicht nur mit schöner Optik auf, sondern auch mit einem interessanten Haptik-Trick: statt in teure Kunststoffe zu investieren bezieht Chevrolet den Armaturenträger des Cruze mit Polsterstoff und lässt diesen in die Türtafeln auslaufen.

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Der „Anfass-Effekt“ dieser Lösung ist wirklich verblüffend und auch der Rest im Inneren des Cruze gibt keinen Anlass zur Kritik. So stammt etwa das Multifunktionslenkrad aus dem Opel Insignia, und bei der Konzeption der bequem gepolsterten Sitze, deren Seitenhalt durchaus vernünftig ist, standen die Rüsselsheimer wohl ebenfalls Pate.

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Viel Freud, wenig Leid also im neuen Korea-Chevrolet? Nun ja, es gibt auch Schattenseiten. So zum Beispiel die Basismotorisierung, deren Leistungsvermögen keine Beifallsstürme herbeiführt. Mit Aluminium-Block, verstellbaren Ein- und sogar Auslassventilen und selbstbewusstem ECO-Tec-Schriftzug auf der Motorkapselung ist er auf dem Papier zwar ein modernes Aggregat, doch in der Realität sorgen die 153Nm Drehmoment meist für wenig Elan. Um flott voranzukommen muss der kleine 1.6er ordentlich drehen, was ihm trotz besagter Ventilverstellung nicht wirklich leicht fällt.

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Schon eher gefällt die Geräuschkulisse, wenn man gemütlich unterwegs ist: Das Motorgeräusch tritt komplett in den Hintergrund und auch die restlichen Umwelteinflüsse wie Wind-, oder Abrollgeräusche sind im Cruze gut gedämmt. Auch das Fahrwerk hat am wertigen Charakter des neuen Chevy’s Einfluss. Die sorgfältige Abstimmung bietet nicht nur ein gutes Schluckvermögen, sondern erlaubt durchaus einen engagierten Fahrstil. Die sensible Abstimmung des serienmäßigen Stabilitätsprogramms ESC sorgt dabei jederzeit für eine Entschärfung zu forsch gefahrener Manöver.

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In der Summe überrascht am meisten aber immer wieder der Preis des Cruze: 14.990 Euro sind zwar nur – wieder einmal – das Lockangebot der Basisvariante, aber bereits die von uns gefahrene LS Variante für 17.190 Euro bietet neben der vollständigen Sicherheitsausstattung eine Klimaanlage, Alufelgen, MP3-CD-Radio, Bordcomputer, elektrische Fensterheber auf allen Plätzen, ja sogar eine Einparkhilfe serienmäßig. Das kann sonst keiner, sogar der chineische Brilliance BS4 ist in der Basisvariante teurer als der Chevy Cruze.

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Das größte Problem des neue „Koreolet’s“ wird aber seine Karosserievariante sein. In Deutschland ist der Markt für klassische Limousinen klein, zumal mit jungen Familien eine eher platzbedürftige Zielgruppe angesprochen wird. Doch Chevrolet arbeitet bereits mit Hochdruck an weiteren Karosserie-Varianten. Vielleicht wird aber auch der neue Opel Astra zur Achillesferse des Cruze: Der Rüsselsheimer, der im Herbst 2009 auf den Markt kommt steht auf der identischen Plattform und teilt sich viele Technik-Baugruppen mit dem Chevrolet. Wenn der Absatz über den Preis gelingt und eine Positionierung von Chevrolet im Windschatten von Opel als preisgünstige Alternative gelingt, dann sollte es klappen mit der neuen Markenidentität der Koreaner.

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Es wäre schließlich schade, wenn der Cruze in Deutschland nur ein Schattendasein fristen müsste – denn er hat das Zeug zu mehr. Und außerdem: Es wirkt bedeutend lässiger zu sagen, dass man einen Chevy fährt, anstatt beschämt zugeben zu müssen, dass einem der mausgraue Dacia auf der anderen Straßenseite gehört.

Technische Daten:

Modell: Chevrolet Cruze 1.6 LS
Motor: 4 Zylinder Benziner, 1598cm³
Leistung: 83kW/113PS
Drehmoment:153Nm
Antrieb: Front, 5-Gang manuell,
Verbrauch: 6.8l/100Km Benzin
0-100km/h: 12.5sec
Vmax: 185km/h
Preis: ab 17.190 EUR

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