white allstar – der Skoda Superb 1.9 TDI Greenline

das überrascht: das noch andere Limousinen gekauft werden
das ist gut: eine Typenbezeichnung, die den Tatsachen entspricht
das weniger: das es kein Bord-WC gibt

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Der Superb morgens in der Hamburger Speicherstadt im Sonnenaufgang. Fahrtziel: Stockholm

Sie wissen nicht was ein Allstar ist? Der Begriff All-Star stammt aus dem US-Sport-Bereich und bezeichnet einen Spieler, der aufgrund seiner herausragenden Leistungen in der laufenden Saison oder großer Bekanntheit, entweder durch viele Stimmen von den Fans oder von den Vereinstrainern, in einer Wahl als All-Star berufen wurde. So steht es zumindest in der Wikipedia. Doch nicht nur das kann man mit dem Begriff Allstar verbinden: der Converse All-Star darf wohl als meistverkaufter Schuh der Welt gelten, denn seit 1917 sind in beinahe unveränderter Form über eine Milliarde Exemplare weltweit verkauft worden. Dabei ist sein Erfolgsrezept denkbar simpel: einfach, funktional und robust.
Was aber hat das alles mit Automobilen zu tun und vor allem hier bei asphaltfrage.de verloren? Viel, denn es geht um ein Auto, das sich neben seiner herausragenden Leistungen im aktuellen Konkurrenzumfeld vor allem durch Einfachheit, Funktionalität und Robustheit auszeichnet. Ein automobiler Allstar sozusagen.

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Anfahrt der Øresund-Brücke. Perfektes Wetter, Fahrtziel Stockholm

Doch was macht den neuen Superb in der Greenline-Ausstattung so besonders? Fangen wir bei der Karosserie an: die stattliche Außenlänge von 4.84m bietet dank kurzer Motorhaube (kompakt bauende Quermotoren) nicht nur in der ersten Reihe sehr großzügig Platz, vor allem die Fondpassagiere dürfen sich über eine schlicht gigantische Beinfreiheit freuen, die derzeit kaum im automobilen Oberhaus von Mercedes S-Klasse und BMW 7er geboten werden kann. Skoda erreicht dieses Raumangebot durch eine Karosserie, die auf der eines im Radstand verlängerten VW Passat basiert. Das der Kofferraum mit 565 Litern Inhalt und unkompliziert funktionierendem TwinDoor-Mechanismus ebenfalls allen Konkurrenten voraus ist rundet den ersten positiven Eindruck ab.

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Alles passt hier rein. Alles. Krone, Zepter und königliches Sportgerät. Grenzübergang Schweden, Fahrtziel Stockholm.

Er bleibt nicht der einzige, denn hat man einmal auf dem Fahrersitz Platz genommen zeigt sich die Genialität des Baukasten-Konzepts im großen VW-Konzerns: die Sitze sind auf den Punkt gepolstert, weder zu hart um unkomfortabel zu sein, noch zu weich um den Rücken auch nach 17 Stunden Fahrt noch angenehm zu unterstützen. Die im Innenraum verwendeten Materialien sind über alle Zweifel erhaben und liegen in der Wertigkeit deutlich über dem Mix der ähnlich teuren Mitbewerber: fein genarbte Kunststoffe hier, edle Chromeinlagen dort und ab und an mit Softlack veredelte Oberflächen. So soll es sein.

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Mittagspause in Schweden. Reiseführer-Idylle mit superben Reiseauto. Sensationell schön. Heading Stockholm.

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Auch die Bedienung stellt niemanden vor große Rätsel, alles ist da wo man es vermutet und selbst die große Touchscreen-Navigation gefällt mit klarer Menüstruktur, schneller Routenberechnung und klaren Abbiegehinweisen. Selbst mitten in Warschau hält sie nachts um halb drei bei auf zehn Kilometer gesperrter Hauptverkehrsader eine reibungslos zu fahrende Alternativroute parat.

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Endlich in Stockholm. Superb trifft Rathaus. Abfahrt Richtung Kalix.

Derlei Stresssituationen bekommen die Fondpassagiere gar nicht erst mit: sie können sich auf der bequemen Rückbank entspannen und dem Treiben außerhalb des Superb durch die getönte Privacy-Verglasung zuschauen. Informationen zum Standort erhalten sie aber auch über das Display zwischen den Vordersitzen auf dem wie im Flugzeug Uhrzeit und Außentemperatur angezeigt werden. Auf den ersten Blick mag das als überflüssiges Gimmick erscheinen, doch wenn Sie sich einmal auf einer Europarundreise befinden ist diese Anzeige unglaublich praktisch: auf einer Tagesetappe durch Skandinavien kann sich die Temperatur gerne einmal von schwedischen T-Shirt- und Badeseetauglichen 23°C auf -4°C und festgefahrener Schneedecke in Finnland ändern – da ist es doch gut zu wissen wie man seine Kleidung bei der nächsten Toilettenpause aus dem auf angenehme 21°C klimatisierten Superb wählen sollte.

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Am Vortag Badewetter und nun Mittagspause auf zugefrorenem Meer. Nett.

Überhaupt ist es meist die Toilette die den Superb zu Pausen zwingt, denn seine Ausdauer, die gerne mal über 1400km pro Tankfüllung beträgt überfordert auch die durchtrainierteste Blase. Dass der große Skoda diese enormen Distanzen mit seinem kleinen 60 Liter Tank absolviert ist dabei aber wohl die größte Überraschung. Natürlich sind die Erwartungen an ein in der Effizienz optimiertes Modell nicht gering, doch das was der „weiße Wal“ auf ruhigen Tagesetappen geleistet hat ist wirklich eine Sensation. 4.2 Liter auf 100km in einem 4.84m Auto und dabei haben wir nicht gegeizt: voll beladen – eher randvoll – mit vier Personen und jeden der 565 Kofferraum-Liter ausgenutzt, eine stetig laufende Klimaanlage und ein ständig am 230V-Wechselrichter hängendes Notebook sind nicht gerade die besten Voraussetzungen für eine Verbrauchsrekordfahrt.

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An der Zapfsäule ist er ein seltener Gast. Hier im hohen Norden mit 4.2 Litern Verbrauch.

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Natürlich fährt man die Vierpunktzwei nicht bei vollem Ladedruck und deutscher Ich-verschenke-keinen-linke-Spur-Meter-Mentalität, sondern bei gemütlichen 110km/h auf weitläufigen Europastraßen. Kommt ein wenig innerstädtisches Sightseeing dazu oder erlaubt der Verkehr auch mal Tempi knapp über 130km/h zeigt der Bordcomputer nur unwesentlich höhere Werte an: 4.5l, ab und an auch mal 4.7l – da ging es dann aber schon zügig voran.

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Der nördlichste Punkt der Route. 4km vor Kalix mitten auf der Autobahn.

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Bemerkenswert ist dieser Verbrauch vor allem im Hinblick auf die derzeitige Darstellung in den Medien. Der Superb trägt weder schwer an Nickel-Metallhybrid-Akkus für einen unzulänglichen Hybrid-Antrieb, noch eifert er mit plasmabeschichteten Laufbuchsen und innermotorischen Maßnahmen dem reibungsoptimierten Downsizing hinterher. Natürlich tragen der verschlossene Kühlergrill, die Abrisskante am Heck, das tiefergelegte Fahrwerk und nicht zuletzt die rollwiderstandsarmen Reifen und das in der Übersetzung verlängerte Fünfganggetriebe zum geringen Verbrauch bei, doch der gute alte 1.9 Liter TDI zeigt einmal mehr deutlich, welches Sparpotenzial immer noch beim Fahrer liegt.

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Innehalten im Sonnenuntergang am Meer vor Riga. Wunderschönes Baltikum.

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Der sollte sich aber auch immer im Klaren sein, dass der 105PS-Diesel aus dem großen Skoda keinen Rennwagen macht. Geht es in den unteren Gängen noch einigermaßen flott vorwärts wird dem Superb gerade in den großen Übersetzungen merklich der Zahn gezogen. Doch genau dieser Umstand macht den white allstar zu einem perfekten Kilometerfresser. Der Skoda ist niemals hektisch, niemals übereifrig, sondern immer ruhig und gelassen. Das Fahrwerk trägt hierzu maßgeblich bei. Unebenheiten, Bodenwellen, Querfugen und sonstige Störungen des Fahrbahnbelages filtert er gekonnt weg, ohne den Fahrer dabei vom Geschehen völlig abzukoppeln.

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Jugenstil in Riga. Alte Hanse, fantastische Innenstadt. Unser Geheimtipp.

Schon eher koppelt er ihn von den Geräuschen ab: zwar nagelt der alte Pumpe-Düse-Motor unabhängig von der Motortemperatur hemdsärmlig unter der Haube, doch Wind- und Abrollgeräusche verpuffen souverän im Dämmmaterial des großen Tschechen.

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Fahrerwechsel im Morgengrauen in Polen. Noch 400km bis Berlin. 14 Stunden läuft der mächtige Skoda schon. Unglaublich.

Das Beste am Skoda ist aber sein Preis. 25.190 EUR kostet das Greenline-Modell in der Grundausstattung und das ist verglichen mit der Menge Auto, die es für diesen Preis gibt wirklich ein sehr gutes Angebot. Dass man den Tschechen in dieser Version nicht mir elektrisch verstellbaren Ledersitzen, einem schweren Glasschiebedach und anderen gewichtigen Verwöhnextras ausstaffieren kann zeigt vor allem eins: Verzicht muss nicht immer etwas schlechtes sein, denn im Greenline wirkt nicht nach Verzicht. Einfach, funktional und robust.

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Wieder zurück in der Heimat und ein Parkplatz in der ersten Reihe. Superb.

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Wenn Sie demnächst vor der Entscheidung stehen welcher Dienstwagen der nächste werden soll, ob 3er BMW, Audi A4 oder Mercedes C-Klasse – fahren sie auch beim Skoda-Händler vorbei und probieren sie den Greenline und sie werden sehen. Wenn er sie nicht begeistert, dann gibt es ja noch den 170PS-TDI mit Leder, Xenon, Schiebedach und Hifisystem – aber dann haben Sie es eigentlich nicht verstanden.

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Simpel, aufgeräumt, gut. So muss ein Innenraum sein. Die Sitze sind perfekt.

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Technische Daten:

Modell: Skoda Superb Greenline
Motor: 4 Zylinder Diesel, 1896cm³
Leistung: 77kW/105PS
Drehmoment:250Nm
Antrieb: Front, 5-Gang manuell,
Verbrauch: 4.5l/100Km Benzin
0-100km/h: 12.5sec
Vmax: 193km/h
Preis: ab 25.190 EUR

Sie wollen auch auf große Fahrt? Hier finden Sie die Artverwandten unseres white Allstars:

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