Was ist Opel? – der Insignia 1.6 Turbo Cosmo

das überrascht: das Fahrwerk
das ist gut: das Handling, der Komfort, die Größe
das weniger: der Preis, vor allem aber der Motor

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Admiral, Diplomat und Commodore, das waren noch Zeiten: Die Hessen spielten in der ersten Liga des Automobilbaus und sogar der Senator konnte die Klasse halten, doch mit Nachfolger Senator B und dem ersten Omega gingen die Rüsselsheimer dem Abstieg entgegen.

Doch hier soll es heute nicht um die Fehler der Vergangenheit gehen, oder das was andere besser können als die Opelaner. Der Blick gehört nach vorn – und damit nicht gerade auf die Schokoladenseite des Insignia, denn der große Chromgrill und der dazu parallel laufende Motorhaubenspalt lässt den großen Opel etwas unbeholfen erscheinen.

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Er trägt seine Front wie eine zu große Nase vor sich her, zumal das Metallic-Rot unseres Testfahrzeugs diesen Eindruck noch unterstützt. Die Flanken bringen dann schon mehr Pfiff in die Karosserie: die Sicke hinter dem vorderen Kotflügel streckt zum einen die Linie und bringt Spannung in die Seite, die am besten von möglichst großen Felgen unterstützt wird. Unser Cosmo bringt hier mit 18-Zoll Vielspeichenfelgen schon gute Ansätze mit, auf Wunsch kann der Kunde aber mit 19- oder gar 20-Zöllern noch ordentlich aus dem Opel-Zubehör schöpfen. Das Heck braucht derlei Zierrat nicht, denn seine leicht eingezogene Linie, die breite Chromleiste und auch die gelungene Leuchtengrafik bilden einen tollen Abschluss an Opels neuem Topmodell.

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Im Innenraum wurde der Insignia bereits in den höchsten Tönen gepriesen, doch ganz so euphorisch wollen wir nicht in das Loblied einstimmen. Die Passungen sind auf hohem Niveau und auch die Ergonomie ist trotz der großen Anzahl an Tasten ordentlich, doch irgendwie können wir uns nicht so recht mit dem Materialmix anfreunden. Die Softlackoberflächen sind zwar schön anzuschauen, aber erstaunlich empfindlich gegenüber Fingerabdrücken und unvorsichtigen Fingernagelattacken. Die silbernen Türgriffspangen hätten vielleicht doch einen Hauch echten Metalls vertragen und auch die untere Etage der Türen kann der Einsatz von preiswertem Kunststoff nicht gut vertuschen.

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Doch genug der Schelte, der Insignia ist schließlich zum Fahren da – und das kann er,  sehr gut sogar. Das FlexRide-Fahrwerk mit seiner adaptiven und in drei Stufen einstellbaren Dämpfercharakteristik hat den großen Opel jederzeit gut im Griff. Gerade die Kombination mit der 245er 18-Zoll-Bereifung macht erstaunliche Kurventempi möglich. Die Lenkung spielt in diesem Umfeld ebenfalls ordentlich mit und dirigiert den Insignia zielgenau durch jede Biegung, wenngleich sie etwas mehr Feedback geben könnte.

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Aber zum Rasen ist er ja auch nicht in erste Linie gebaut: Er muss die Familie genauso transportieren können, wie Gartenabfälle und Geschäftspartner. Das Platzangebot setzt hier kaum Grenzen, zwar ist die Luft über dem Scheitel der Hintensitzenden etwas dünn, doch die schlanke Dachlinie fordert eben ihren Tribut. Vorne ist man jedoch über alle Zweifel erhaben und kann sich, von viel Platz umgeben und von den (prämierten) Sitzen gut unterstützt, auf das Fahren konzentrieren.

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Denn Konzentration ist vor allem gefragt, wenn es sich beim Aggregat unter der Haube um den von uns gefahrenen 1.6 Liter Turbobenziner handelt: Fällt die Drehzahl unter 2700 Umdrehungen geht im großen Insignia nicht mehr viel. Der kleine Vierzylinder trägt schwer an der Last der großen Karosserie und der Turbo vermag ihm erst im oberen Drehzahlbereich auf die Sprünge zu helfen.

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Das gut abgestufte und vor allem exakt zu schaltende Sechsganggetriebe unterstützt den Fahrer zwar bei der Arbeit, doch wünscht man sich gerade auf der Autobahn mehr Drehmoment und etwas mehr Ausdauer. Das Drehzahlniveau ist entsprechend der Motorcharakteristik hoch und mit ihm auch das Geräusch- und Verbrauchsniveau.
Unter 10 Litern auf 100 Kilometer bewegt man den Insignia höchstens auf der Landstraße, in der Stadt und auf der Autobahn, selbst bei moderaten Tempi, werden es schnell mehr.

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Bleibt der Preis, denn der Verbrauch ginge im Vergleich mit dem 160-PS-Diesel in Ordnung, wenn die Kosten stimmen würden, doch mit 33.005 EUR kostet der von uns gefahrene Insignia in der Cosmo-Ausstattung sogar mehr, als der 2.0 Liter Diesel (32.855 EUR als Cosmo).

Beide Modelle verfügen jedoch schon ab Werk über reichhaltige Ausstattung: DVD-Navi, Komfortsitze, Klimaautomatik, 18-Zoll-Felgen, Stoff-Leder-Kombination, Tempomat und viele weitere Annehmlichkeiten gibt es ebenso ab Werk wie viel Platz, guten Komfort mit viel Fahrspaß.

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Unser Tipp: Man sich bei der Ausstattungsversion etwas zurück und kombiniert den Opel stattdessen mit einem der großen Dieselmotoren, so erhält man für sein Geld ein gelungenes und solides Auto der oberen Mittelklasse, dass sich vor der Konkurrenz nicht verstecken muss.

Und das ist gut für Opel, denn es können viele gelbe T-Shirts getragen und viele Lobeshymnen auf die Autos geschrieben werden: letztendlich zählt für Opel der Kunde der mit Geld in der Tasche kommt und mit Kaufvertrag in der Hand geht. Der Insignia ist ein Schritt in die richtige Richtung und er wird viele dieser Kunden in die Opel-Vertretungen locken, die vorher zu Ford, VW, Renault und Co gegangen sind, da sind wir uns sicher.

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Technische Daten:

Modell: Opel Insignia 1.6 Turbo Cosmo
Motor: 4 Zylinder Turbo-Benziner, 1598cm³
Leistung: 132kW/180PS
Drehmoment:230Nm
Antrieb: Front, 6-Gang manuell,
Verbrauch: 10.8l/100Km Benzin
0-100km/h: 8.9sec
Vmax: 225km/h
Preis: ab 33.005 EUR (4-Türer)

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