Unauffällig anders – Subaru Impreza 2.0d Exclusive

das überrascht: die Harmonie
das ist gut: der Komfort, der Platz, das Fahrwerk
das weniger: die ausgeprägte Anfahrschwäche

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Der weltweit größte Hersteller allradgetriebener Fahrzeuge? Nein, nicht die Marke mit den vier Ringen aus Ingolstadt, sondern Subaru. Die japanische Automobildivision der Fuji Heavy Industries fristet hierzulande eher ein untergeordnetes Dasein.

Kenner der Rallye-Szene wissen sofort Bescheid, wenn es um die turbobefeuerten, blau-lackierten WRX-Boliden geht und auch der Förster aus dem Voralpenland schätzt die Qualitäten von Forester, Legacy und Co, nur Otto-Normal-Autofahrer fehlt jegliche Vorstellung.

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Zum Einen liegt das an der Motorenauswahl, denn die Japaner verbauen – abgesehen vom frontgetriebenen Kleinwagen Justy – nur benzingetriebe Boxermotoren in ihren Modellen und sind somit kein Ausbund an Sparsamkeit und zum anderen sind Subarus keine Schnäppchen.

Dem Antriebsnachteil treten die Ingenieure aber seit 2008 mit Macht entgegen, denn seit knapp zwei Jahren kann man den Boxer-Diesel bestellen. In Eigenregie entwickelt demonstriert das weltweit einzigartige Aggregat die Kompetenz des Allrad-Herstellers.

Zwei Liter Hubraum, 150PS und 350Nm lesen sind gehobener Mittelklasse-Durchschnitt, 8.6 Sekunden auf 100km/h und 205km/h Höchstgeschwindigkeit brauchen sich ebenfalls nicht vor der Konkurrenz zu verstecken.

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Eingebaut im aktuellen Impreza muss der Boxer-Diesel dann auch gleich gegen die Platzhirsche der deutschen Autobranche antreten: VW Golf TDI, Audi A3 und BMW 1er.

Beim Platzangebot zeigt sich der japanische Mittelklässler großzügig und gewährt Fahrer und Beifahrer, sowie den hinten Sitzenden ordentliche Bewegungsfreiheit. Die Sitze der ersten Reihe sind angenehm gepolstert und lassen höchstens auf sehr lange Etappen etwas Lendenunterstützung vermissen. Schon eher fällt dagegen die Lederausstattung der Exclusive-Ausstattung auf, denn das Material erinnert mehr an Kunststoff, als an echte Tierhaut. Auch sonst fällt bei einigen Details die spitze Kalkulation auf: Materialien die nicht im direkten Sichtfeld liegen sind teilweise aus billigem Hartplastik und lassen zudem eine sorgsame Entgratung vermissen.

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Doch mehr Anlass zur Kritik gewährt der Impreza 2.0d nicht. Die Bedienelemente im Innenraum sind angenehm auf das Wesentliche reduziert und alles liegt gut zur Hand. Das Pioneer-Navigationssystem verlangt zwar eine für Nachrüst-Lösungen typische verlängerte Eingewöhnungszeit, doch danach gefällt es mit schneller Routenberechnung, präzisen Ansagen und hochauflösender Kartendarstellung. Die Fähigkeit MP3- und Video-Dateien auf der internen Festplatte abzuspeichern, sowie das Handy per Bluetooth zu koppeln sind weitere Pluspunkte der Multimedia-Anlage.

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Für Unterhaltung sorgt neben dem Soundsystem aber vor allem der Antriebsstrang. Der Boxer-Diesel ist eine Wucht: Kein Rasseln, kein Schütteln, keine ungehobelten Manieren – der neue Motor entlarvt sich für Unbedarfte erst beim Blick auf den Drehzahlmesser, dessen roter Bereich bei 5000 Umdrehungen beginnt.

Das Anfahren verlangt zu Anfang zwar etwas Konzentration, denn der Boxer leidet an einem Turboloch, dem der Motor erst ab etwa 1800 Umdrehungen entkommt. Ab diesem Moment liegt auch das maximale Drehmoment von 350Nm an und der Fahrspaß kann beginnen. Der Diesel klettert freudig die Drehzahlleiter hinauf und erst kurz vor dem roten Bereich ebbt der Vortrieb sachte ab.

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Das Schaltgetriebe ergänzt die Leistungscharakteristik gut, wenn Sie auch in den oberen Gängen sehr lang übersetzt ist und man sich so oft im Vierten aufhält, wo die Konkurrenz bereits im letzten Gang dahinrollt.

Dem Fahrspaß bedeutet dies aber keinen Abbruch, denn das Fahrwerk der Exclusive-Ausstattung ist nicht angenehm abgestimmt, sondern sperrt sich auch nicht gegen sportliche Ambitionen. Flink stürmt der Allrad-Impreza durch die Kurven und dank des ausgezeichneten Grips verschenkt man auch auf schlechten Straßen keinen der 350Nm – auch wenn man sich erst an das vor-dem-Scheitelpunkt-Gasgeben erst gewöhnen muss, um dem Turboloch zu entgehen.

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Die Paradedisziplin des Impreza ist jedoch nicht die Jagd nach der Bestzeit, sondern die Reise: Auf langer Strecke spielt der extrem laufruhige Motor zusammen mit der langen Getriebeübersetzung und dem kommoden Fahrwerk seine Trümpfe gekonnt aus. Hier zeigt sich, was der Subaru seiner Konkurrenz vor allem Eines voraushat: Diskretion.

Der Japaner erlaubt sich keine Designkapriolen, obwohl er mit Lufthutze in der Haube und LED-Rückleuchten keinesfalls bieder auftritt; hält sich im Innenraum mit Spielereien und Ablenkungen zurück und lässt dem Fahrer jegliche Freiheit, ohne ihn mit Eigenheiten zu drangsalieren.

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Nicht nur deshalb ist der Subaru Impreza einen Tipp wert. Die Bestplatzierungen in den Mängelstatistiken demonstrieren zudem die Qualität der Modelle aus Fernost eindrucksvoll. Wer also ein Auto sucht, das alle Anforderungen an die moderne Mittelklasse erfüllt und in vielen Disziplinen der Konkurrenz deutlich davonfährt, der ist beim Boxer-Diesel genau richtig.

Das Schönste daran ist jedoch, dass mit dem Selbstzünder-Aggregat nun auch endlich die Kunden angesprochen werden, die vorher nichts mit Subaru anfangen konnten. Denn mit einem Testverbrauch von unter 8 Litern Diesel auf 100km, geschlossenem Partikelfilter, EU4-Schadstoffeinstufung und grüner Plakette erfüllt der Subaru auch in dieser Disziplin die Erwartungen.

Technische Daten:

Modell: Subaru Impreza 2.0d Exclusive
Motor: 4 Zylinder Diesel, 1998cm³
Leistung: 110kW/150PS
Drehmoment:350Nm
Antrieb: Allrad, 6-Gang mechanisch,
Verbrauch: 7.7l/100Km Diesel
0-100km/h: 8.6sec
Vmax: 205km/h
Preis: ab 24.490 EUR (Testwagen: 37.260 EUR)

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