lightshow – der neue Audi A8

Wir sind Kapitalismus-Fans. Nicht weil wir akurat frisierte Anzugträger sind, die mit Geld was uns nicht gehört solange Roulette spielen bis es verzockt ist, aber unser eigenes Boni-Konto prall gefüllt ist – nein, wir sind Fans, weil Kapitalismus beinahe alles besser macht.



Essen zum Beispiel. Egal wo auf der Welt sie sind, egal wie viel Uhr es ist, eines steht fest: ihr foot-long honey oat tuna sub schmeckt genau so, wie sie es von ihrem Lieblings-Subway daheim kennen. Der BigMac ebenfalls. Natürlich ärgert das den einheimischen Imbiss-Besitzer in Fukuoka, aber dies wird es sie ebenfalls, wenn sie nach einem seiner „hausgemachten“ Pferdewurst-Sandwiches mit Magenverstimmung im Hotelzimmer liegen.

Die Brüder Albrecht sind mit ihrer Discounter-Kette ebenfalls ein gutes Beispiel. Natürlich ist es umsatzschädigend für die lokalen Lebensmittelgeschäfte von Frau Schulz und Familie Müller, wenn ein gigantischer Aldi nebenan seine Pforten öffnet, aber auch nur, wenn die eigenen Produkte schlecht oder schlicht zu teuer sind.

Denn hier liegt das Geheimnis des Kapitalismus – der bessere macht das Geschäft. Dabei gibt es viele Formen von „besser“: günstiger, größer, schöner, überzeugender, gesünder, die Liste ist beinahe endlos. Der Unterschied zwischen Imbissbude und Subway ist der, dass die Lenker der großen Konzerne genau dieses Geheimnis kennen.

Und deshalb ist Kapitalismus gut, denn er beschützt uns vor schlechten Produkten.

Wann haben Sie das letzte Mal ein schlechtes Handy gekauft? Wann hatten Sie zum letzten Mal ein defekten Reifen? Wann ist Ihnen zum letzten Mal das Auto nicht angesprungen? Wann haben Sie zum letzten Mal ihr Kilo Äpfel wieder zurückgebracht, weil die Hälfte faule Stellen hatte?

Sie wissen es nicht? Eben. Der Grund hierfür ist weder Nächstenliebe, noch das Mindesthaltbarkeitsdatum, es ist der Kapitalismus. Wer schlechte Produkte verkauft geht pleite. Punkt.

Denken wir mal paar Jahrzehnte zurück, als die Autos auf unseren Straßen noch gute deutsche Wertarbeit waren. Der Opel Omega A zum Beispiel war schon wenige Wochen nach der Erstzulassung verrostet, wenn er da nicht schon wegen eines Kabelbrandes irreparabel beschädigt war. Oder nehmen wir den Käfer: weder konnte er vernünftig heizen, noch war er besonders sparsam, geräumig oder komfortabel. Da es aber keine Konkurrenz gab, baute ihn VW einfach immer weiter.

In anderen Ländern sah die Sache ähnlich aus: bei den Briten war es nicht nur Rover und auch den Italienern ging es mit Fiat ähnlich.

Egal, wenn die Bierflasche bei der Montage unter der Rückbank vergessen wird, oder der Scheibenwischer irrtümlich an die Hupe angeschlossen wird – der Kunde wird schon wiederkommen. Wenn nicht, dann streikt man eben und läuft solange mit gelben T-Shirts durch die Gegend, bis sich die Kanzerlin erbarmt und zur Rettung (der eigenen Position) mal eben ein paar Milliarden überweist.

Zwar bleibt letzteres Phänomen bis heute bestehen, das der schlechten Qualität hat sich aber dank der Globalisierung des Kapitalismus gut von selbst geregelt: Als die ersten japanischen Automobile auf den europäischen Markt kamen saß der Schock für viele einheimische Konzernchefs tief. Die neue Konkurrenz war nicht nur zuverlässig, sondern vor allem unverschämt günstig.

Daraus hat man gelernt und seitdem geht es aufwärts. Steil aufwärts.

Das perfekte Automobil.

Die Spitze dieses Aufstieges hat – der eigenen Darstellung nach zumindest – die Marke mit den vier Ringen aus Ingolstadt nun erreicht. „Der Audi A8 ist das Flaggschiff unserer Marke. Er steht für alles, was wir bei Audi können. Unser Ziel war es, dem perfekten Automobil möglichst nahezukommen“, sagt Audi-Vorstandsvorsitzender Rupert Stadler.

Was kann Audi also, was die anderen nicht können? Nach erstem Betrachten des neuen Modells drängt sich folgender Gedanke förmlich auf: sie können alle Autos gleich ausehen lassen. Markengesicht mögen das Viele nennen, oder auch „typisch Audi“. Das Problem ist nur, wenn man nicht mehr erkennt welcher Ingolstädter nun vor einem steht.

A3, A4, ein bisschen A5: ich bin jeder Audi.

Nicht dass man uns hier jetzt falsch versteht, der neue A8 ist kein hässliches Auto, er ist dynamisch, schnörkellos und modern – aber er hat zu wenig Neues, er wirkt zu vertraut. Langweilig könnte man sagen. Und in Zeiten, in denen ein schlechtes Produkt nicht nur den Ruf, sondern auch die Konzernkasse ruiniert kann das nicht das Ziel gewesen sein. Der neue A8 muss also mehr können.

5.14m dezent kaschiert. Warum nicht mehr Mut?

Leuchten zum Beispiel. Das kann er wie kein andere. Audi hat passend zur Weihnachtszeit eine neue Dimension der automobilen Lichterkette erschaffen. Voll-LED-Scheinwerfer nennt sich die Entwicklung und wird vor allem die Freunde gleißender Kriegsbemalung entzücken.

Dennoch, man kann dem neuen System auch positives abgewinnen: es verbraucht deutlich weniger Energie als herkömmliche Xenon-Systeme, leuchtet dabei aber weiter, breiter und heller. Die Abblendlichterkette besteht aus einzelnen LEDs, die sich schwenken lassen um so für verschiedene Fahrprofile (Stadt, Überland, Autobahn) verschiedene Ausleuchtungen zu ermöglichen. Ein Fernlichtassistent blendet die großen Fern-LEDs bei Gegenverkehr nicht einfach ab, sondern verkürzt die Leuchtweite passend zur Entfernung des Entgegenkommenden um nicht zu blenden und dennoch mehr Licht auf der Straße zu haben. Dass das Kurvenlicht nun an das Navigationsgerät gekoppelt ist um die Ausleuchtung schon vor dem Lenkimpuls auf die Fahrsituation anpassen zu können zeigt, dass der Fortschritt tatsächlich in Gipfelnähe angekommen sein muss.

Lasst die Spiele beginnen. „Neue Universen tun sich auf“ – sagt der Designer. Glückwunsch.

Bei den Abmessungen sind die Ingolstädter bereits über die Spitze hinaus, denn mit 5.14m Länge in der Version mit normalem Radstand übertrifft der A8 die Konkurrenz aus Stuttgart und München deutlich. Dieser Längenzuwachs geht auch mit mehr Gewicht einher, wenn auch der in der Steifigkeit verbesserte Alu-Space-Frame um die Pfunde bemüht ist: Der 4.2 TDI quattro stemmt mit 1995kg gute 30 Kilogramm mehr auf die Waage als sein Vorgänger.

Damit das Schwergewicht dennoch die proklamierte Dynamik verkörpert lässt Audi seinen Kunden zum Markstart des A8 nur zwei Motoren zur Auswahl: den 4.2 TDI und den 4.2 FSI. Beide Aggregate sind bereits aus dem Vorgänger bekannt, erfuhren jedoch eine tiefgreifenden Frischzellenkur um den neuen Ansprüchen gerecht zu werden. Mit 350PS und 800Nm leistet der V8-Diesel 24 PS und 150 Newtonmeter mehr als vorher und verbraucht mit 7.6 Liter gute 1.8 Liter weniger.

Klotzen statt kleckern. De V8-Diesel stirbt doch nicht aus.

Einen großen Anteil an diesem Wert hat neben dem auf 2000bar erhöhten Einspritzdruck das neue Getriebe. ZF liefert Audi das bereits von BMW bekannte 8-Gang-Automatikgetriebe zu, welches neben kleinen Drehzahlsprüngen auch für eine große Spreizung sorgt. Das neue Getriebe ist auch im V8-Benziner serienmäßig, der mit einer Leistung von 372PS und 445Nm ebenfalls eine deutliche Kraftspritze erfahren hat. Sein Verbrauch liegt bei 9.5 Litern Super und damit 1.4 Liter unter dem Wert des alten A8.

An sich sind es also schöne Zahlen die Audi für den neuen A8 präsentiert, doch ist das wirklich die Spitze? Sieht so der Antrieb des perfekten Automobils aus? Gut, dank drive-select kommuniziert das aktive Fahrwerk nun mit Motor, Getriebe und Lenkung, die Bremsscheiben sparen mit Alutöpfen deutlich an ungefederter Masse und optional gibt es das aus den RS- und S-Modellen bekannte Sportdifferenzial für unsere Lieblingsfunktion „active oversteer“, doch so richtig zündet der Funke bei uns nicht.

Zweiteilige Bremsscheiben. Leicht, teuer, nicht wirklich neu.

Wo sind die Downsizing-Motoren, wo ist innovative neue Technik für Einspritzung, Motorsteuerung und Aufladung? Einen V8-Diesel-Gussklumpen, der bei der Konkurrenz schon längst zum alten Eisen gehört und ein Benziner, dessen Layout wir schon vom ersten Oberklasse-Versuch Ende der 80er kennen, sehen wir nicht unbedingt als „Vorsprung durch Technik“.

Man mag der Hybridtechnik kritisch gegenüberstehen, doch gerade bei den schweren Oberklasse-Limousinen fällt das Mehrgewicht kaum auf und der elektrische Antrieb bietet in der Stadt enormes Potenzial – bei Audi kommt die Kraft der zwei Herzen allerdings frühestens 2011. Vorher gibt es immerhin kleinere Motoren und zwar den überarbeiteten 3.0 Liter TDI mit 250PS und 550Nm, sowie eine TDIe-Variante mit Frontantrieb und 204PS.

Schöner Innenraum: zurückhaltend und klar.

Der Innenraum lässt die Antriebs-Misere hingegen schnell vergessen. Die Armaturen sind eine behutsame Weiterentwicklung des bekannten A8-Cockpits, ergänzt mit innovativen Ideen, wie etwa dem Touchpad auf der Mittelkonsole, welches Befehle des Fahrers per Fingerzeig ausführt. Ebenfalls interessant ist der flache Wählhebel, der es dem Fahrer durch seine Form ermöglicht während der Fahrt lässig den Arm zu stützen und ihm so volle Kontrolle über die Bedienelemente gibt.

Durchdachte Ergonomie: Lümmel-Hebel vor neuem Touchscreen.

Die Verarbeitung ist mehr als gut, bei Audi spricht man von Manufaktur-Qualität und der verschwenderische Einsatz von Leder, Holz und Alurahmen unterstreicht diesen Eindruck. Auch der Raumeindruck ist ordentlich: große Fensterflächen, aufgeräumtes Design und klare Bedienelemente vermitteln Luftigkeit. Durch eine – wie nicht anders zu erwarten – vielfältig einstellbare LED-Ambientebeleuchtung soll sich dieser Eindruck bei Nachtfahrten noch verstärken, zum Beispiel durch die schwebende Mittelkonsole.

lightshow die 2te: sehen sie die Mittelkonsole schweben. Gibt es auch in rot oder gelb.

Luftig spielt auch die HiFi-Anlage vom dänischen Spezialisten Bang & Olufsen. Mit 1.4kW Verstärkerleistung und 19 diskreten Kanälen sollte sie mit keinem Musikstück ernsthafte Probleme bekommen. Sollte der Fahrer durch diesen audiophilen Genuss jedoch abgelenkt werden sorgt der neue A8 mit einer Armada von Assistenzsystemen selbst für Sicherheit. Abstandstempomat bis zum Stillstand mit Stop&Go-Funktion, Totwinkel-Assistent, Spurverlassens-Warner und Nachtsichtassistent mit Personen-Erkennung gibt es nun auch im großen Ingolstädter. Die Verkehrszeichen muss der Audi-Pilot aber ebenso selbstständig erkennen, wie er auch auch ein Head-up-Display verzichten muss.

Der A8 ist also doch nicht das perfekte Auto – mit seinem Design und seiner ausgeklügelten lightshow aber ganz sicher der perfekte Audi.

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