black p…. – der neue Ford Focus RS 500

Kann ein Auto laut sein? Nicht im Sinne des Geräuschpegels, sondern im Sinne der Diskretion. Wir finden schon. Ein Ferrari beispielsweise ist immer laut, wohingegen sich ein Porsche 911 oder ein Aston Martin V8 Vantage vornehm zurückhalten. Ein Rolls-Royce Phantom ist auf Grund seiner schieren Größe weitaus lauter als ein Maybach, den die meisten für ein profane Mercedes S-Klasse halten.


Zwar fallen diese Exoten in der allgemeinen automobilen Fortbewegung im Prinzip raus, doch die „laut-leise-Differenz“ kann man bereits in weitaus bezahlbareren Sphären ausmachen: bei Sportpaketen zum Beispiel. Kaum einen messbaren Effekt auf die Performance, dafür einen umso deutlicheren auf dem Konto und in der Lautsärke vor der Tür.

Dass die Zeiten sich ändern zeigt vor allem die aktuelle Marketing-Maschinerie der Hersteller. Die Automobile werden grüner, blauer, reiner – so umweltfreundlich, dass aus dem Auspuff nur noch Blümchen wachsen. Hybrid, Elektroantrieb und Brennstoffzelle. So fahren wir in der Zukunft.

Schlecht ist das nicht unbedingt, schließlich wollen wir noch ein paar Generationen auf diesem Planeten zusammenleben. Wer seinen Wohnsitz in der bundesdeutschen Hauptstadt gewählt hat ist aktuell wohl ebenfalls recht froh ein diskretes Auto vor der Tür stehen zu haben, andere gehen gerne mal in Flammen auf…

Die Medien winken dem neuen Trend freudig zu und schimpfen auf alles, was nicht jedem sinnlosen Techniktrend bedenkenlos folgt. Doch da wir Deutschen generell eine Affinität haben der Mehrheit hinterher zu rennen sind wir bei asphaltfrage froh, dass es die Briten gibt.

Warum? Weil Sie die Meinung anderer überhaupt nicht interessiert. Staatsverschuldung, Regierungskrise? Egal, Hauptsache Button und Hamilton werden Weltmeister und Chelsea holt die Champions League. So auch bei den Autos. Rennstrecken gibt es in jedem größeren Dorf, Straßenzulassungen gibt es für jedes noch so skurrile Gefährt und das beste Auto der Welt in sowieso der Range Rover.

So weit so gut, doch mit der jüngsten Kreation aus dem alten Empire treiben sie ihre „so what-Haltung“ auf die Spitze: dem Ford Focus RS 500.


Ist schon der Serien-RS mit seinen 305PS und 440Nm kein Kind von Traurigkeit legt der 500er in allen Disziplinen noch einmal ordentlich nach. Bacaradi-Breezer-Grün, weiß wie die Umwelt-Weste von Joschka Fischer oder Knallblau – lauter kann die Farbkarte eines Autos gar nicht sein. Dazu kommen noch die unglaublichen Radhäuser in denen neben den serienmäßigen 19-Zöllern auch eine ausgewachsene Schafherde Unterschlupf finden würde. Vom monströsen Heckspoiler möchten wir da nicht einmal anfangen. Die Gebrüder Wright wären froh über so eine Tragfläche gewesen.

Doch neben der Optik versteht sich der RS auch fahrdynamisch bestens in Szene zu setzen. Mit dem Torsen-Sperrdifferenzial und der RevoKnuckle-Vorderachse bringt der Focus seine 440Nm in für einen Fronttriebler unglaublichen Präzision auf die Straße.

Der Golf GTI mag ein feineres Automobil sein – komfortabler, praktischer, ausgereifter. Doch der GTI spielt deshalb auch nur Schach wo der RS zu Black Jack mit Nutten lädt. Und als ob das alles noch nicht genug wäre, legt das in England beheimatete Ford Motorsport-Team nun eben eine noch schärfere Version des RS nach.

Mattschwarz. Rote Recaros. 354PS. 490Nm. 5.6 Sekunden. 265 km/h. 500 Exemplare. 45.000 EUR.


Mehr braucht es nicht zu sagen. Wo Volkswagen mit dem 270PS starken R den zaghaften Versuch startete dem RS gefährlich zu werden (und dennoch selbst auf der Präsentation noch auf dem deutlich gesenkten Kraftstoffverbrauch im Vergleich zum VR6-Vrgänger R32 herumritt), lächeln die Briten nur müde.

Die Mehrleistung stammt deshalb auch nicht aus nachwachsenden Rohstoffen oder anderen Ökotricks, sondern einfach von mehr Sprit. Eine Kraftstoffpumpe mit höherem Druck und angepasste Einspritzdüsen sorgen sich darum, den Durst des 2.5 Liter Fünfzylinders in jeder Situation zu stillen. Damit das Ganze auch vernünftig verbrannt werden kann sorgt ein etwas erhöhter Ladedruck in Kombination mit einem größeren Ladeluftkühler für die nötigen Rahmenbedingungen.


Was verbrannt wurde muss auch entsorgt werden und so kommt im RS 500 eine Downpipe mit größerem Durchmesser zum Einsatz, was dem ohnehin schon sensationellen Fünfzylinder-Timbre noch mehr Gänsehaut-Potenzial einhauchen sollte.

Mit einer von Chefingenieur Matthias Tonn prophezeiten Nürburgring-Zeit von 8.00 Minuten würde er sogar den bisherigen hot-hatch-Rekord des Renault Megane R26.R um 17 Sekunden unterbieten. Auch ohne einen Zeitennachweis sind wir begeistert vom RS 500. Alleine wegen der Farbkombination: mattschwarz mit rotem Leder. Kenner wissen was das bedeutet…


Zwar kommen nur 55 Exemplare nach Deutschland, das liegt aber wohl daran, dass die Markting-Strategen bei Ford Motorsport verstanden haben, dass „wir“ den 500er mit Sicherheit nicht verstehen werden. Wie sonst erklären sich 50 Exemplare alleine für Belgien?

45.000 EUR kostet der fahrende Mittelfinger gegen das Umwelt-Establishment beim lokalen Ford-Händler. Das mag zwar viel Geld für einen Kompaktwagen sein, doch er ist mit Sicherheit einer der letzten seiner Art. Wenn nicht DER Letzte. Schade eigentlich.

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