Und am Ende gewinnt immer der 911 – der erste VLN-Lauf 2010

„Die geile Show. Die Lösung für alle Langeweile-Probleme in der Formel 1 hat genau fünf Buchstaben: Regen. Sobald es auf den Rennstrecken nass wird, werden den Fahrern die Eier geschliffen.“ Die Wortwohl ist für eine Schweizer Zeitung zwar etwas derb, dennoch können wir diesen Zeilen aus dem heutigen „Blick“ nichts hinzufügen.



Das Rennen in Australien hatte in der Tat einiges mehr an Spannung zu bieten, als es die Königsklasse des Motorsports ansonsten aufzubauen vermag. Aus deutscher Sicht war das Ergebnis zwar leider ernüchternd, doch mit Michael Schumacher hat in dieser Saison nicht der einzige deutsche Motorsport-Held sein Comeback gegeben. Was der andere „alte Mann“ am vergangenen Samstag auf der Nordschleife geleistet hat könnte man ebenfalls mit „Die geile Show. Sobald es auf den Rennstrecken nass wird, werden den Fahrern die Eier geschliffen.“ überschreiben.


Mit einer Zeit von 9.17 min, im zu Anfang stark verregneten Zeittraining, stellte Altmeister Röhrl den Serien-GT3 RS auf Startplatz 30 ab. Vor ihm nur die professionell vorbereiteten Rennwagen der Topteams wie 911 GT3 R, 911 GT3 Cup S, Audi R8 LMS, BMW M3 GT2 und Dodge Viper CC. Das selbst der Farnbacher-Ferrari F430 GT2 hinter dem zartgrauen Porsche 911 starten musste und Lexus mit dem LF-A beinahe 45 Sekunden Rückstand auf Röhrl und seine Teamkollegen hatte, zeigt, dass man die nötigen Reflexe eben nicht verlernt.

Wobei, den unüberhörbaren V10-Renner aus Japan kann man auch nicht wirklich als Referenzsportwagen heranziehen, selbst unser Wochenspiegel-Clio, betreut von Erkes Fahrzeugtechnik, stellte sich mit einer auf Intermediate-Reifen gefahrenen 10.23 min nur unweit hinter dem Lexus in die Startaufstellung.


Das sich der Start trotzdem zum kompletten Desaster entwickelte lag vor allem am vorherrschenden Übermut der meisten Fahrer, denn schon im Zeittraining hatten die Streckenposten und das Bergungspersonal alle Hände voll zu tun die eingeschlagenen Autos aus den Gefahrenzonen zu entfernen.

Zwar geht ein 4-Stunden-Rennen bekanntermaßen über vier Stunden, einige Heißsporne mussten es aber schon in der ersten Runde sprichwörtlich krachen lassen – mit dem Ergebnis, dass unsere Startnummer 736 nur durch eine Vollbremsung dem Einschlag in die Havarierten vor der Mercedes-Tribüne entgehen konnte. In der Folge dieses Manövers starb jedoch der im niedrigen Drehzahlbereich etwas zu fett und somit sehr sensibel laufende 2.0-Liter-16V des asphaltfrage.CUP-Einsatzfahrzeuges ab.

Eine ungünstige Situation also, vor allem wenn das komplette restliche Starterfeld mit über 50 Fahrzeugen dem Unfall entgehen konnte und sich so bereits zu Beginn des Rennens einen beachtlichen Vorsprung herausfahren konnte. Das Ende der ersten Runde wies unseren Wochenspiegel-Clio dann auf dem 14ten Rang der SP3-Klasse aus.

Konzentration und Ruhe, so lautete also das Motto für die restliche 3:49h. Den Rhythmus finden und das Auto ohne Schäden ins Ziel bringen. Runde für Runde schmolz nicht nur der Abstand zu den Vorausfahrenden, sondern das Starterfeld insgesamt. Einer der beiden M3 GT2 von BMW Motorsport kam auf Grund eine Lenkungsdefektes keine zwei Runden weit, diverse 911-Piloten zerlegten ihre Fahrzeuge bei missglückten Überrundungsmanövern, umherfliegende Carbon-Teile sorgten für jede Menge Reifenschschäden und ein besonders aufmerksamer BMW-Pilot zog mit einem lecken Ölkühler eine Ölspur vom Bergwerk bis in die Boxengasse.


Viel los also auf der Strecke, selbst in der Spitzengruppe. Der von der Pole-Position gestartete Black Falcon R8 LMS musste den ersten Platz bereits kurz nach dem Start an Markenkollegen Frank Stippler abgeben, der bis zu einem technischen Defekt zur Rennmitte wie der sichere Sieger aussah. Vor seinem Ausscheiden leisteten sich Stippler’s-R8 zusammen mit dem Wochenspiegel-GT3 R, dem zweiten M3 GT2 und den beiden Abt-R8 ein Kopf an Kopf-Rennen. Zeitweise trennten die sechs Fahrzeuge keine 7 Sekunden voneinander.


In der Aufzählung fehlte aber vor allem einer: der Manthey-GT3 R. Der gelb-grüne Porsche mit der Startnummer 114 hielt sich konsequent aus den Sprintduellen der Führenden heraus und verfolgte den Schlagabtausch aus sicherer Distanz. Das Ergebnis dieser defensiven Fahrweise zeigte sich bei den Boxenstops: während die durstigen Audi R8 alle 7 Runden ihre 120 Liter Kraftstoff nachfassen mussten, kam der sparsame 911 nur alle 9 Runden an die Box. Die daraus resultierende kürzere Standzeit spülte den Manthey-Porsche nach den zweiten Boxenstops an die erste Position, welche er trotz eines beherzt an Position zwei fahrenden Audi R8 von Collard und Ekström bis ins Ziel nicht mehr abgab.


Für eine Sensation hätte dabei beinahe der Hybrid-GT3 gesorgt, welcher durch seinen Schwungrad-Speicher tatsächlich effizienter unterwegs war als der Rest. 10 Runde im ersten Umlauf, 9 im Zweiten und dann holte man ihn – wohl aus Vorsicht – in der vorletzten Runde noch einmal für 45 Sekunden zum Tanken. Die 27 Rennrunden des 4h-Rennens hätte der Hybrid-Elfer wohl aber auch ohne den letzten Stop geschafft und dann hätte es nicht nur für Position 6, sondern mindestens für den fünften Rang reicht.

Dennoch, für den ersten Renneinsatz dieses innovativen Konzepts ist auch der 6. Platz ein hervorragendes Ergebnis, zumal der Hybrid-Porsche erst beim 24h-Rennen den vollen Nutzen aus seiner besseren Effizienz ziehen kann.


Ebenfalls bemerkenswert war der Auftritt der neuen BMW. Die nagelneuen und lässig brabbelnden Z4 V8-Renner kamen am Ende auf Platz 9 und 11 und können – wenn sie weiterhin so zuverlässig sind – beim 24h Rennen ebenfalls für einen Platz auf dem Podium gut sein. Vom großen Bruder M3 erwartet man dies beinahe schon, mit einem dritten Platz im Gesamtklassement hat man am Samstag jedenfalls schon einmal gezeigt was man kann, wenn der Wagen hält.

Doch aller Mühen der Konkurrenz zum Trotz, am Ende gewinnt immer der 911.

Was auf den ersten Blick auf das Ergebnis in etwa so spannend wirkt, wie die Formel 1 zu Schumacher-Zeiten, ist in dieser VLN-Saison grundlegend anders. Die Hersteller Audi und BMW (vielleicht sogar Mercedes mit dem SLS-GT3 zum 24h-Rennen) drängen mit Macht auf das Siegerpodest und wollen Porsche die Herrschaft streitig machen, doch die Haltbarkeit ist auf dem Nürburgring der entscheidende Faktor.

Ein Auto kann noch so schnell sein – wenn es nach 3.59h ausfällt, gewinnt ein anderer. Und auch wenn die R8 LMS und der M3 GT2 schnell sind, zuverlässiger ist noch der 911.

Ähnlich problemlos und sogar noch sparsamer – selbst als der Hybrid-911 – ist natürlich unser Einsatzwagen. Auf Position sieben liegend musste Startfahrer Lars Hieronymus mit dem Wochenspiegel-Clio erst in Runde 12 an die Box zum Tanken. Mit neuen Reifen und 89 nachgetankten Liter Super Plus ging es für Axel Linther dann in die zweite Rennhalbzeit. Ohne Probleme und mit bemerkenswerter Konstanz pilotierte er den kleinen Franzosen mit Zeiten unter zehn Minuten um die Nordschleife und brachte den Clio auf Position fünf in der SP3-Klasse ins Ziel.


Im Gesamtklassement liest sich das Ergebnis sogar noch eindrucksvoller: Rang 46 belegte unser Team, noch vor starker Konkurrenz wie der 911-„Frikadelle“ von Abbelen und Schmitz, diversen CUP-GT3, Corvette C6 und BMW M-Modellen. Selbst der von der FH Köln vorbereitete und von sport-Auto Redakteurin Anja Wassertheurer gefahrene (und gut 120PS stärkere) Ford Focus RS hatte zwei Runden Rückstand auf unseren Clio.

Ein erfolgreicher Tag also nicht nur für Porsche, sondern auch für asphaltfrage.CUP. Beim nächsten Mal vermeiden wir eine Einmischung in jegliche Startunfälle, dann klappt es auch mit dem Treppchen.

Text: fm
Bilder: Björn Schickel

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