Reisefreiheit – die neue Mercedes R-Klasse

Wann sind sie das letzte Mal verreist? Wir meinen jetzt nicht das Shopping-Wochenende in Mailand, oder den durchorganisierten Strandurlaub in Griechenland. Wir meinen die bewusste „Ortsveränderung“.

Natürlich locken uns moderne low-cost-carrier mit Flugpreisen, die nicht einmal der lokale Nahverkehr für die Bahnfahrt zum Airport mitgehen kann, doch das Fliegen nimmt der Reise den Reiz.

In der heutigen Zeit spielen Distanzen keine Rolle mehr: Facebook, Twitter, Blogs und Co lassen uns an jeder Gefühlsregung unserer Freunde teilhaben, auch wenn Sie tausende Kilometer entfernt leben. Mit dem iPhone hat man seine 476 Liebsten sogar immer mit in der Hosentasche.

Reisen ist aus genau diesem Grund ein Übel für die moderne Gesellschaft, denn reisen kostet Zeit. Um den Verlust so gering wie möglich zu halten besteigt man deshalb gerne den engen Flieger: Hamburg-Barcelona sind so in 2:40h überstanden, Gummibrötchen und tiefgefrorener Belag inbegriffen.

Dabei kann reisen so unglaublich schön sein: Reisen nicht als Verlust, sondern als Gewinn. Zeit zum Seele baumeln lassen, zum Impressionen sammeln, zum Ausspannen. Sicher, die knapp 2000km von der Alster in die spanische Metropole schafft man mit dem Auto kaum in einem Tag, doch gerade das macht den Reiz aus.

Schon die Planung ist ein Genuss. Kein Online-Check-In, keine Kreditkartengebühr und keine Streitereien mit dem Bodenpersonal über 162g Übergepäck, sondern die freie Auswahl: nimmt man die Route vorbei an Düsseldorf und dem Niederrhein, durch Belgien und bleibt für ein gutes Abendessen und etwas Kultur in Paris, oder wählt man den Weg über Frankfurt, die Pfalz und entspannt abends in Lyon?

Natürlich sehen wir ein, dass die große Fahrt nicht in jedem Automobil für den beschriebenen Reiz sorgt, dennoch gibt es mehr davon, als man auf den ersten Blick vermuten möchte.


Die R-Klasse von Mercedes-Benz ist ein Paradebeispiel für die Gattung der Reiseautos. Groß, luxuriös und komfortabel – mehr braucht es nicht, dachte man sich in Stuttgart, als man das neue Modell auf Kiel legte. Das für den Genussmenschen aber auch das Design eine entscheidende Rolle spielt hatte man wohl etwas aus dem Blick verloren.

Ein großer Fehler, wie sich mit Blick auf die Zulassungszahlen des großen Mercedes leicht ablesen lässt. Denn ein Auto, dessen Erscheinung allein in jedem Menschen mit ein bisschen Geschmack bereits für Entsetzen sorgt, hat meist wenig Chancen bei einem zweiten Blick seine Vorzüge zu präsentieren.

Wenn zu diesem stilistischen Fehlgriff noch Wirtschaftskrise und Klimadiskussion hinzukommen stehen die Zeichen denkbar schlecht für einen über fünf Meter langen zweieinhalb-Tonner.

Doch damit soll jetzt Schluss sein. Mercedes hat die große Reiseklasse tüchtig überarbeitet und die neu gewonnene Gefälligkeit soll in Kombination mit modernen Antriebskomponenten für die Wiederentdeckung der großen Fahrt sorgen.

Die Front bekam eine deutlich definierte Motorhaube spendiert, die in einem prägnaten Kühlergrill ausläuft, wie man ihn auch am neuen SLS und dem kommenden CLS findet. Neue Scheinwerfer, LED-Fahrlicht und viel Chrom sorgen ebenfalls für ein stimmigeres Erscheinungsbild. Neue Schweller, attraktivere Felgen und nicht zuletzt ein neues Farbsortiment sorgen dabei in der Seitenlinie für mehr Wohlwollen. Glanzstück der neue R-Klasse ist aber die Heckpartie, die durch den neu gestalteten Stoßfänger mit den nun eckigen Auspuffendrohren und den Lichtleiter-Rückleuchten am stärksten dazugewonnen hat.


Die Modellpflege lässt die R-Klasse nicht mehr so mächtig auftreten wie zuvor, alles wirkt diskreter, obwohl die Abmessungen selbstverständlich identisch geblieben sind. So auch die Variabilität: Ob fünf, sechs oder sieben Sitze liegt immer noch in der Hand des Kunden. Langer oder kurzer Radstand kann ebenso weiterhin bestellt werden wie Heck- oder Allradantrieb.

Neu ist hingegen der 350 CDI-V6, der den alten 320 CDI ersetzt. Mit 265PS und gigantischen 620Nm setzt er die neue Benchmark in der Klasse der 3-Liter-Diesel. Der Verbrauch soll trotz 4matic nur bei 8.5 Litern liegen. Sparsamer ist da nur noch der nun R 300 Blue Efficiency genannte Diesel mit einer Werksangabe von 7.6 Litern. Was ein 388PS starker R 500-V8 dagegen verbrauchen wird ist an dieser Stelle eher uninteressant…

Der Benziner wird nur in den Exportmärkten wie den USA und China eine Rolle spielen, wo die R-Klasse sich seit der Einführung sowieso am besten verkauft. Die Modellpflege bietet nun zwar die Chance, dass es auch auf dem deutschen Markt besser klappen könnte, doch die fliegende Konkurrenz ist für den mächtigen Mercedes wohl einfach zu groß und die Zielgruppe zu klein.

Ein viel beschäftigter Manager braucht keine 5m³ Raum zum Reisen und eine 5-köpfige Familie würde zwar den Hausrat für einen langen Urlaub im Kofferraum unterbringen, doch setzen hier zum Einen der Grundpreis und zum anderen die Reisekondition der „unter 5-jährigen“ der großen Fahrt doch klare Grenzen.

Der gentleman driver hingegen hat sowohl das Geld, als auch die Muße und die Zeit für eine große Reise – er jedoch wird für die „Grand Tour“ ein anderes Auto als die R-Klasse wählen: einen Bentley, einen Maserati, einen Aston Martin oder vielleicht einen Jaguar XK. Echte GT’s eben und keinen hochbauende Kreuzung aus SUV und E-Klasse T-Modell.

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