VW Phaeton 3.0 – die letzte Modellpflege

Warum kauft man einen Aston Martin? Unter dem Blech finden sich Teile von Volvo und Ford. Warum Bang&Olufsen? Unter der schicken Schale aus gebürstetem Aluminium spielt am Ende doch nur Allerweltstechnik von Philips und Samsung. Warum ein iPhone? Ein HTC TouchHD ist nicht nur schneller, sondern bietet auch deutlich mehr Funktionen.


Die Antwort lautet: Design. Wir sind Gadget-Freaks geworden. Wir kaufen Dinge die wir schon haben, nur weil sie besser aussehen. Und dabei muss die Technik – trotz horrender Preise – nicht einmal besonders revolutionär sein. Stimmt nicht? Uns fällt auf Anhieb außer dem Porsche 911 kein Produkt ein, bei dem sowohl die Schale, als auch der Kern state-of-the-art wären.

Schon gar nicht der Volkswagen Phaeton. Er ist die graue Maus im automobilen Oberhaus. Er fällt nicht auf, er sorgt nicht für Kontroversen und verkauft sich deshalb nur schleppend. Seine inneren Werte sind dagegen kaum zu übertreffen. Sein Sitz-, Geräusch- und Fahrkomfort ist beinahe unerreicht und nicht zu verbessern. Der Phaeton ist in seinen Eigenschaften wirklich nah am Optimum des Machbaren – wäre da nicht diese Langeweile in der Optik.

Man stelle sich einen von Henrik Fisker designten VW Phaeton vor. Wir alle würden ihn haben wollen.
So muss auch die Chefetage in Wolfsburg gedacht haben, als sie sich für die 2010er Modellpflege des Flaggschiffs entschied. Zwar war der Däne für die Umgestaltung nicht zu haben, mit dem Italiener Walter de Silva hat man aber ebenfalls einen stilsicheren Kreativen auf der Gehaltsliste.


Sein Ergebnis sorgt bei uns jedoch für keine Begeisterungsstürme. Zwar kaschiert das in diskretem Grau lackierte Premierenmodell die Neuerungen etwas, doch diesen mächtigen Chromkühler wollen wir nicht unbedingt auf einem tarantella-schwarzen Pianolack sehen. Eine Lamelle weniger hätte dem Lufteinlass wohl besser gestanden, denn so trägt er doch etwas stark auf.

Am Heck finden de Silva’s Änderungen ebenfalls nicht unsere Zustimmung. Die neue Grafik der LED-Leuchten mag zwar modern sein und der coporate identity entsprechen, doch gerade die Nähe zu Polo und Golf war immer ein Makel des großen Volkswagens.


Einzig die Chromspange im Untergeschoß der Frontpartie hat der italienische Designer perfekt modelliert. Sie lässt der Stoßfänger edel und dynamisch wirken, ohne – wie der Kühlergrill macht – ins Protzige zu verfallen.


Dem Innenraum konnte man bisher ebenfalls ein edles Ambiente attestieren. Klare Linien und ein solides Bedienkonzept ohne Spielereien machten den Phaeton zur angenehmen Alternative im Vergleich mit der Konkurrenz aus München, Stuttgart und Ingolstadt. Mit der Modellpflege ändert sich dies etwas, denn aus welchen Gründen man ein derart unpassendes Volant in den großen VW montieren konnte, bleibt uns ein Rätsel. Gut, das alte mag etwas sehr schlicht gewesen sein, doch so fügte es sich nahtlos in die Umgebung ein. Die neue, rundgelutschte Version hingegen sieht aus wie die Kunststoffversion aus dem Pickup Amarok.


Dass das Navigationssystem nun mit dem Mobiltelefon zusammenarbeitet und so über das Internet Google-Informationen zum Standort und zur Route in die Streckenführung mit einarbeitet sieht man hingegen nur auf den technischen Daten, wie auch die sonstigen Neuheiten zum kommenden Modelljahr: einen Dynamic-Light-Assist, der entgegenkommende Fahrzeuge erkennt und das Abblend- und Fernlicht blendungsfrei dimmt; eine Verkehrsschilderkennung, die nicht nur Tempolimits registriert, sondern auch Zusatzhinweise wie „von 22-6 Uhr“ oder „bei Nässe“.

Bei den Motorisierungen hat sich hingegen nichts getan. Weiterhin gibt es die Benziner als V6, V8 und W12 mit 280PS, 335PS und 450PS. Die Dieselfront muss weiterhin der V6-TDI mit 240PS alleine bedienen. Alle Motoren werden serienmäßig mit 6-Gang-Automatik und Allradantrieb kombiniert.

Irgendwie überkommt uns also das Gefühl, dass es sich bei dieser Modellpflege um eine etwas lieblose handelt. Der Phaeton ist im Kern ein wirklich fantastisches Automobil, warum man ihm jedoch ein adäquates Äußeres und eine moderne Motorengeneration verpasst bleibt hingegen fraglich. Verdient hätte er es.

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