Hybride Jungfernfahrt – Lexus RX 450h

Lexus beschenkt sich zum runden Geburtstag selbst. Im 20. Jahr auf dem deutschen Automarkt präsentieren die Japaner ein umfassendes Modellpflegeprogramm, das alle Baureihen ein bisschen besser machen soll.



Wirtschaftkrise hin, übermächtige deutsche Konkurrenz her – Lexus ist stolz darauf, sich seit 1990 im Land der Erfinder des Automobils erfolgreich zu behaupten. Wenn auch die Verkaufszahlen im letzten Jahr etwas gelitten haben und die weniger als 50 Lexus-Foren in Deutschland kaum im wirtschaftlichen Bereich arbeiten können, so freut man sich auf die kommenden Herausforderungen. Mit dem 2010er Modellprogramm soll die Marke richtig durchstarten.

Mit einem 423PS starken IS-F ist das natürlich durchaus möglich, zumal er sich nun mit einem serienmäßigen Sperrdifferential an der Hinterachse noch mächtiger aus Kurven heraustreiben lässt. Seine Achtgang-Wandlerautomatik fühlt sich im manuellen Modus dank Wandlerüberbrückung, Sport Direct Shift und Zwischengasfunktion sehr nach Doppelkupplungsgetriebe an und lässt so keine Wünsche offen. Ebenso wenig der Klang, denn die fünf Liter Hubraum, verteilt auf acht Zylinder mit 90°-Kurbelwellenkröpfung, produzieren eine Geräuschkulisse, bei der das Zwerchfell die meiste Hörarbeit leistet.

Dass ein Einstandspreis von 70.600 EUR, wie auch ein Verbrauch jenseits der 15 Liter Marke den Verkäufen etwas abträglich ist kommt dem grünen Gewissen der Marke im Grunde genommen trotzdem entgegen. Lexus will unzertrennbar mit modernen Antriebskonzepten, mit Nachhaltigkeit und ökologischer Trendsetterfunktion verbunden werden. Aus diesem Grund passen IS-F und LFA nicht wirklich ins Portfolio der japanischen Marke.

Um dem Ruf des Hybrid-Pioniers gerecht zu werden verkündet Ulrich Selzer, Geschäftsführer von Lexus Deutschland, selbstbewusst: in Zukunft wird es keine Baureihe mehr ohne Hybrid geben. Soll heißen, dass auch der kleine IS in Zukunft mit der Kraft der zwei Herzen fährt, wie auch der unlängst präsentierte CT 200h, mit dem Lexus in der Klasse der kleinen Premiummodelle einem BMW 1er und einem Audi A3 Konkurrenz machen möchte.

Sie meinen es also Ernst und so konnten wir uns der Hybridisierung nicht länger entziehen und haben im frische renovierten Geländewagen RX 450h unsere ersten Elektro-Gehversuche gestartet.


Zu Beginn gleich der erste Fehltritt: Keyless das Auto geentert, den Start-Stop-Knopf gedrückt und nicht passiert. Einmal, zweimal – nichts, außer ein paar leuchtenden und wieder erlöschenden Lampen im Armaturenträger. Nachdem wir den freundlichen Fuhrparkbetreuer auf die vermeindliche Fehlfunktion des Fahrzeuges aufmerksam gemacht hatten verwies uns dieser auf das kleine Symbol „ready“, welches zwart grünlich im Instrumentarium schimmerte. „Wählhebel auf D und los geht’s“, so seine Worte. Und tatsächlich, nachdem wir seiner Weisung gefolgt waren setzte sich der 2.2t-Koloss lautlos in Bewegung.

Ob wir uns daran gewöhnen können? Das man uns bereits vor einigen Jahren aus Sicherheitsgründen den Zündschlüssel weggenommen hat haben wir nach verkraftet, aber das nun beim Start nicht mal mehr etwas zündet setzt uns irgendwie arg zu.


Immerhin, nach dem Anfahren und der Einsortierung in den Verkehr springt dann alsbald der 3.5 Liter große V6 beinahe unmerklich an und verschiebt die Kraftfluss-Balken auf dem 8-Zoll-TFT in der Mittelkonsole. Würde man es darauf nicht sehen, so würde man es kaum merken, dass es bereits fossilbefeuert vorwärts geht, denn auch der RX beherrscht die Lexus-Tugend der völligen Ruhe perfekt. Es sind nur zarte Abroll- und Windgeräusche die im Innenraum ans Ohr dringen, Antriebsgeräusche oder gar Knarz- und Knisterlaute verkneift sich der große SUV vorbildlich.


Dabei könnte man sich einen durchaus rauchigen V6-Ton im RX gut vorstellen. Der Motor hat das Potenzial dazu – wird er doch in abgewandelter Form auch im neuen Lotus Evora verbaut. Mit 12.5er Verdichtung, Atkinson-Zyklus, Abgasrückführung und –wärmenutzung geht es ihm im Lexus aber nicht um Stimmgewalt und Fahrperformance, sondern einzig um einen möglichst hohen Wirkungsgrad. Warum in diesem Zusammenhang jedoch auf eine Direkteinspritzung verzichtet wird ist uns nicht klar, zumal man so die Kraftstoffverluste durch das erst während des Verdichtungstakt schließenden Einlassventils elegant vermeiden könnte.


Sei es drum, es stehen trotzdem solide 249PS und 317Nm für eine angenehme Fortbewegung zur Verfügung, in Kombination mit den beiden Elektromotoren bringt es der RX 450h auf eine Systemleistung von 299PS und ermöglicht so eine Sprintzeit von 7.9 Sekunden auf 100km/h und 200km/h in der Spitze.

Bei diesen Werten sollte man selbstredend nicht mehr über Effizienz nachdenken, denn den versprochenen 6.3 Liter Kraftstoff pro 100 Kilometer kann man bei Tempi oberhalb von 180km/h gerne eine 10 hinzuaddieren. Dass sich der hybride Aufwand dennoch lohnt zeigt sich beim Überlandrollen: das CVT-Getriebe lässt den V6 im optimalen Bereich beschleunigen, wobei er von den E-Motoren mit druckvoller Drehmomenthilfe unterstützt wurd, um ihn nach Erreichen der Wunschgeschwindigkeit nahe Leerlaufdrehzahl herunterzuregeln. In der Stadt macht sich der Elektroantrieb noch stärker bemerkbar, denn Start-Stop-Funktion und Bremsenergierückgewinnung machen erst im urbanen Umfeld richtig Sinn.


Verbräuche um 10 Liter lassen sich mit dem großen SUV bei nachsichtiger Fahrweise deshalb leicht erreichen. Die Frage bleibt aber, warum man einen mächtigen 2.5-Tonnen Geländewagen baut, dessen Stärken am meisten im Stadtverkehr zum Tragen kommen? Gut, die schwere Batteriepackung, die zusätzliche Antriebseinheit und alle Steuermechanismen kommen im Gesamtgewicht bei einem SUV weniger zum Tragen als bei einem Kompaktwagen, so ganz werden wir den Verdacht aber nicht los, dass es sich hier um eine Art ökologische Gewissensbereinigung handelt.


Sicher, der antriebstechnische Reifegrad des RX 450h liegt nah Perfektion, Verarbeitung und Ausstattungsattribute sind über alle Zweifel erhaben, doch ein Gelädenwagen wird niemals ein umweltfreundliches Auto, erst recht nicht, wenn er nur in der Stadt bewegt wird.

Unsere Hoffnung, wie auch die der Lexus Deutschland-Mannschaft, ruht daher auf dem kommenden CT 200h, denn die bisherigen Hybrid-Baureihen finden wir auf Grund ihres Nutzungsprofils, ihrer Größe und ihrer Ausrichtung – mit Verlaub – nicht zielführend.

Technische Daten:

Modell: Lexus RX 450h
Motor: 6 Zylinder Benziner, 3456cm³, Hybrid-System
Motor: 2x Elektromotor, Drehstrom
Leistung: 183kW/249PS (Verbrenner)
Leistung: 123kW/167PS (Elektromotor)
Drehmoment:317Nm (Verbrenner)
Drehmoment: 335Nm (Elektromotor)
Antrieb: Allrad, CVT-Getriebe, stufenlos,
Verbrauch: 6.3l/100Km Super
0-100km/h: 7.9sec
Vmax: 200km/h
Preis: ab 59.690 EUR

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