slow and steady wins the race – das 38. ADAC Zurich 24h-Rennen

Wer hätte das gedacht? Noch nie war ein Starterfeld derart dicht besetzt wie beim diesjährigen Nordschleifen-Marathon und doch kommt der Sieger etwas unerwartet. Nach den Trainingsläufen war man bei der Schnitzer-Mannschaft noch etwas enttäuscht, da sie der Übermacht aus Ingolstadt und Stuttgart beinahe etwas hilflos gegenüber standen, doch am Ende kam alles ganz anders.

Der Wechsel auf Michelin-Reifen schien sich für die R8 LMS gelohnt zu haben, denn im Training konnten sich die Ingolstädter-Renner der Phoenix- und Abt-Mannschaften gleich die ersten vier Startplätze sichern, dahinter der erste Porsche – der Haribo GT3 R mit der Startnummer 8. Die Titelverteidiger kamen mit dem gelben Manthey-Porsche nur auf den siebten Startplatz, gefolgt vom BMW M3 GT2 mit der Startnummer 25 und dem Hybrid-Porsche. Doch schon der Start sollte die augenscheinliche Übermacht der Audi R8 in Frage stellen…


Unter den Augen der Zuschauer auf den vollbesetzten Tribünen des Grand-Prix-Kurses ging das Feld mit dem Messer zwischen den Zähnen in die ersten Kurven. Für ohrenbetäubenden Jubel sorgte dann tatsächlich die Startnummer 1, nachdem der gelbe Manthey-Porsche als führendes Fahrzeug aus der Müllenbachschleife hinauf zum ADAC-Zelt raste. Es schien als hätte der Porsche über Nacht deutlich an Leistung zugelegt, jedenfalls mussten die Ingolstädter plötzlich umdenken – statt die souveräne vierfach-Führung zu verteidigen, sahen sie den GT3 R nun auf der Nordschleife enteilen.


Die ersten Runden glichen eher einem 4h als einem 24h-Rennen, denn auch der Haribo-Porsche konnte die vier Audi R8 zu Beginn des Rennens überholen. Die erste Boxenstopp-Runde sorgte dann wieder für eine buntere Durchmischung des Feldes, doch die Pace der Porsche schien unantastbar für die Konkurrenz. Die Schnitzer-Mannschaft mit den beiden M3 GT2 musste bereits nach einer Stunde einen Rückschlag hinnehmen, als das zweite Fahrzeug mit der Startnummer 26 nach einem missglückten Überrundungsmanöver auf der Grand-Prix-Strecke heftig in die Leitplanken krachte und an die Box geschleppt werden musste. Zwar wurde das Fahrzeug rund um Dirk Müller und Andy Priaulx zügig wiederhergestellt, aber das Rennen schien gelaufen.


Auch das Schwesterfahrzeug konnte den Anschluss an die Spitze nicht halten und drehte stattdessen kontinuierlich seine Runden in die einsetzende Nacht. Doch dann begann die Dramatik: um 21:33 musste der erste Audi R8 LMS das Rennen beenden. Der Bilstein-Renner hatte nach einem Überholmanöver eines defekten Fahrzeuges den Curb unglücklich getroffen und sich dabei sowohl Öl-, wie auch Wasserkühler beschädigt. Ohne Kühl- und Schmiermittel quittierte der 5.2-Liter V10 jedoch schnell den Dienst und beendete die Titelträume des schnellsten Phoenix-Fahrzeuges.


Die Abt-Startnummer 2 musste sich nach einem Reifenschaden ebenfalls aus dem Führungskampf verabschieden, wo jetzt die Startnummer 100 von Ekström, Jarvis, Scheider und Werner auf Platz zwei hinter dem Manthey-Porsche um die 25 Kilometer lange Strecke hetzten. Erstmals lag nun auch der BMW M3 GT2 mit der 25 auf Podiumskurs, wie auch der Farnbacher-Ferrari F430 GTC nach einem turbulenten Wochenende mit Platz 9 in der Top-Ten angekommen ist.


Für noch mehr Spannung sorgte dann der Unfall des Führenden. Um 22:19 Uhr kam der Funkspruch in der Manthey-Box an, der dem Team mitteilte, dass der gelbe Porsche von einem nach einem Unfall zurück auf die Strecke geschleuderten Fahrzeug seitlich getroffen wurde und in Folge des Zusammenpralles irreparabel zerstört wurde.


Die Betroffenheit der Porsche-Mannschaft zeigte sich kurz darauf auch bei den Audi-Männerns, als die Nummer 100 keine zwanzig Minuten später ebenfalls das Rennen nach einem schweren Unfall beenden musste. Das Klassement wurde also zu Beginn der Nacht ordentlich durchgewirbelt. In Führung lag nun der Hybrid-Porsche, der sich in den folgenden Stunde ein packendes Stoßstangen-Duell mit dem Audi der Startnummer 99 lieferte. Der Farnbacher-Ferrari wurde zu dieser Zeit auf der fünften Position geführt und die BMW-Mannschaft musste nach einem zerfetzten Kühler abermals eine Schrecksekunde verdauen.


Im Morgengrauen um 5:25 Uhr traf das Favoritensterben auch den Audi #99: die Hinterachse wurde gewechselt und kurz darauf musste auch das Getriebe getauscht werden. Eine Platzierung in den vorderen Plätzen war somit passé. Das Rennen dominierten in Folge der Hybrid-Porsche und der Abt-Audi mit der Nummer 2, wie auch der M3 GT2 und der Farnbacher-Ferrari das Quartett an der Spitze festigten. Fast schon unheimlich muteten dann die Fernseh-Bilder um 10:30 Uhr an, als man den Abt-Audi am Pflanzgarten am Haken des Abschleppwagens sah. Eine defekte Antriebswelle beendete die letzte Audi-Hoffnung auf den Traum des Rennsieges.


Die Manthey-Mannschaft schien wie der sichere Sieger, nachdem der Hybrid-Porsche nun fehlerfrei und konstant schnell das Rennen nach Belieben dominierte. Doch die Ruhe währte nicht lange, denn schon kurz darauf fand sich der orange-weisse Öko-Renner unplanmäßig in der Box zur Reparatur eines defekten Krümmers. Zwar konnte der Porsche wieder auf die Strecke geschickt werden, um kurz nach 13:00 Uhr war das Rennen aber auch für die Startnummer 9 gelaufen, als sich der Hybrid-911 ohne Vortrieb an der Breidscheider Brücke einfand und das Rennen vorerst aufgeben musste.


Das Fahrerlager stand Kopf, denn plötzlich zeigte die Zeitentafel die Startnummer 25 auf der ersten Position. Der Werks-BMW hatte sich also klammheimlich an die Spitze gearbeitet, nachdem das Team fehlerlos durch die vergangen 22 Stunden gekommen war. Die größte Überraschung lag aber auf Platz zwei: der Farnbacher-Ferrari kam zu seinem dritten Nordschleifen-Rennen und zum ersten Einsatz eines Ferrari-Rennwagens überhaupt bei den 24h der Nordschleife und sollte direkt diese tolle Platzierung erreichen. Geräusche des Getriebes, ein fehlender vierter Gang und immer schwerer einzulegende Gänge 3, 5 und sechs, sowie ein kleines Feuer beim letzten Fahrerwechsel des BMW M3 sorgten zum Rennende dann aber doch noch für echtes Herzklopfen bei den Münchnern, doch der waidwunde Renner schleppte sich trotzdem nach 24 gefahrenen Stunde als erster über die Ziellinie.


Beim Zieleinlauf brachen deshalb alle Dämme bei der Mannschaft rund um Charly Lamm und Dr. Mario Theissen. Damit hatte keiner gerechnet, am wenigsten wohl die Mannschaft selbst. Und wieder zeigt sich: to finish first, you first have to finish.

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