Fußball? – der vierte VLN-Lauf 2010

Es war ein spannendes Wochenende: der Auftakt der Fussball-WM, die 24h von Le Mans, der Große Preis von Kanada und der vierte Lauf des Langstreckenpokals auf dem Nürburgring. Aber wir beschränken uns ja bekanntlich auf das Wesentliche und somit fallen drei Events direkt wieder heraus.


Wobei, vielleicht war diese Entscheidung etwas verfrüht, denn das was sich an der Sarthe abgespielt hat, war wirklich großartiger Motorsport. Peugeot hatte den Sieg zur nationalen Aufgabe erklärt und stellte die vier Werks-908 prompt auf den ersten vier Startplätzen ab. Bei Audi war man ratlos – gegen die schnellen Löwen schienen die Ingolstädter in diesem Jahr nichts ausrichten zu können.

Konnten sie eigentlich auch nicht, doch den Franzosen wurden nach und nach die Turbolader zum Verhängnis und so fielen die pfeilschnellen 908er Stück für Stück aus und die zwar langsameren, dafür aber umso zuverlässigeren Audi R15 TDI konnten sich an die Spitze des Feldes arbeiten. Als dann gegen 75 Minuten vor Schluss auch der letzte Peugeot an Rang 4 liegend mit Rauchzeichen ausrollte, war die Freude in der Audi-Box nicht zu übersehen – wenngleich man es den bitter enttäuschten Franzosen in diesem Jahr wirklich gegönnt hätte.

Die Autos waren perfekt vorbereitet, die Mannschaft arbeitete sensationell eingespielt und nicht zuletzt erlaubten sich auch die Fahrerpaarungen keine Fehler. Aber man gewinnt ein 24h-Rennen eben nicht mit einem Auto das 22 Stunden immer fünf Sekunden schneller fährt als der Gegner und dabei auch noch weniger Kraftstoff und Reifen verschleißt, sondern mit einem Rennwagen, der nach 24 Stunden die Zielflagge sieht.

Audi hatte gleich drei davon und so feierten die Ingolstädter mit ihrem dreifach-Erfolg den neunten Gesamtsieg in Le Mans seit 1999. Mehr Siege konnte bisher nur Porsche einfahren, denn die Stuttgarter waren auch in diesem Jahr wieder erfolgreich – wenn auch nicht im Gesamtklassement, sondern in der GT2-Klasse.

Das bildschöne BMW-Art Car in Le Mans. Leider ausgefallen.

Überhaupt hatte das diesjährige Le Mans-Rennen viel mit dem vierten Lauf der Langstreckenmeisterschaft auf dem Nürburgring zu tun. Nicht nur, dass die Siegerfahrer Rockenfeller, Dumas und Bernhard allesamt Stammfahrer in den Top-Fahrzeugen von Manthey- und Phoenix-Racing sind, mehr noch: mit den beiden Werks-BMW M3 GT2 und dem Farnbacher-Ferrari F430 GTC waren nicht nur Fahrer der VLN an der Sarthe, sondern auch ganze Mannschaften.

An der Nordschleife sorgte das Fehlen der Werke trotzdem nicht für lange Gesichter, immerhin aber für ein lichtes Fahrerlager, in dem unser Auflieger tatsächlich mal in erster Reihe parken konnte. Über 180 Autos waren gemeldet und gingen am Samstag bei blauem Himmel und moderaten 18°C auf die Strecke zum Qualifying.

Eines kam leider direkt wieder zurück und mit großer Bestürzung mussten wir feststellen, dass es Unseres war. Der Wochenspiegel-Clio zeigte sich über 6400 Touren nicht mehr bereit an Drehzahl zuzulegen und ließ auch im verbliebenen Drehzahlbereich einiges an Esprit vermissen. Die Vermutung, dass sich zwei der vier Zylinder als Zuschauer zu den Peugeots an die Sarthe geschlichen hatten, konnte aber der Motorsteuerungs-Experte mit seinem Notebook sofort widerlegen.


Das Auslesen des Steuergerätes und Löschen des Adaptionsspeichers hatte leider nicht den gewünschten Erfolg und so musste der Clio dem Treiben auf der Rennstrecke ungeduldig zusehen, während ihm ein neuer Schrittmacher in Form von frischen Zündkerzen, neuem Geschirr und einer neuen Zündspule verpasst wurde.

Dort sicherten sich Chris Mamerow und Marc Basseng im Mamerow-GT3 R die Pole Position mit einer 8:17, gefolgt vom Haribo-GT3 R und dem von Stippler und Stuck pilotierten Bilstein-R8 LMS. Der siegverwöhnte Manthey-Porsche musste wegen des Le Mans-Rennens und dem schrecklichen Unfall von Marcel Tiemann am vergangenen Wochenende mit einer Interims-Mannschaft von Position vier ins Rennen gehen. Dahinter kamen in üblicher Reihenfolge die Schubert Z4 GT3 und das übliche Rudel aus GT3 R, 997 Cup S und Cup, Dodge Viper, Schall-Astra, sowie BMW M3.


Nur der Clio mit der Startnummer 736 lag mit einer gezeiteten Runde von 10:30,519 min weit über dem sonst Üblichen. Gerade im Hinblick auf die SP3-Konkurrenz waren die Zickereien des kleinen Franzosen unangenehm, denn die Gegner in der Renault Clio-Trophy haben in dieser Saison ordentlich an der Materialschraube gedreht und ließen sich – wenn überhaupt – nur durch eine bessere Zuverlässigkeit schlagen.

Doch bis zum Rennen hatte das Team von Erkes Fahrzeugtechnik ja noch etwas Zeit, um dem Problem auf die Spur zu kommen: Fieberhaft wurde ausgelesen, bewertet, telefoniert, geschraubt und besprochen. Von den Einspritzdüsen über die Kraftstofffilter, bis hin zum komplizierten Pumpensystem des Tanks wurden alle benzinführenden Teile ausgetauscht.


Außer einer roten Boxenampel und dem Starten aus der Box hatte die ganze Aktion leider nicht den gewünschten Erfolg – Axel Linther steuerte den eigenwilligen Renault noch vor der Einfahrt auf die Nordschleife zurück in die Box. Was zum Rennen um die goldene Ananas werden sollte, blieb angesichts der verbauten Ersatzteile nur ein Rennen der goldenen American Express.

Am anderen Ende des Feldes war das Geschehen dafür umso spannender: der Mamerow-Porsche musste die Führung zwar bereits früh an den R8-Audi von Stuck und Stippler abgeben, konnte jedoch – wie auch die Manthey-Porsche, die mit einer neuartigen Tankstrategie für Aufsehen sorgten – in Schlagdistanz bleiben.


Eine Dreiviertelstunde vor Schluss sorgte dann aber wieder einmal das Wetter für die Entscheidung. Erst war es starker Nebel auf weiten Teilen der Nordschleife, der eine gemäßigtere Fahrweise notwendig machte und der daraufhin einsetzende Regen gab den Ausschlag für ein echtes Herzschlagfinale.

Nach Runde 25 – und damit nur zwanzig Minuten vor Rennende – kam das gesamte Führungsfeld zum letzten Reifenwechsel in die Box und der Audi mit der Startnummer 99 führte vor dem Haribo-Porsche von Arnold und Menzel, der bereits eine Runde früher auf Regenreifen gewechsel hatte. Chris Mamerow und Marc Basseng gingen von Position drei in die Regenphase.


Der frühe Reifenwechsel des Gummibärchen-911ers sollte sich aber schon bald rächen: auf der teilweise noch trockenen Nordschleife bauten die Reifen zu stark ab und so hatte Schlussfahrer Arnold bereits eine Runde nach dem Wechsel mit starkem Untersteuern zu kämpfen, was Chris Mamerow prompt nutzte und den GT3 R mit der Startnummer 93 wieder bis an die Stoßstange des R8 LMS heranfuhr.

Keine Hand passte zwischen die Stoßstangen der beiden Renner, als sie sich in absolutem Poleset-Modus den Hatzenbach herunterwarfen. Auf der Döttinger Höhe konnte der 911 dann seinen Windschatten ausnutzen und Chris Mamerow setzte eingangs des Tiergartens zum Überholen an. Im Ziel notierte die WIGE Zeitmessung dann einen Vorsprung von 0.240 Sekunden des Porsches auf den Audi.


Audi-Pilot Hans-Joachim Stuck kommentierte das Finale so: „Die letzten Runden waren einfach cool. Wir sind beide auf absolut letzter Rille gefahren. Der Zweikampf mit Chris hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich schon fast darüber hinwegsehen kann, dass es für uns am Ende nur für Platz zwei gereicht hat. Solche Rennen zeichnen die Langstreckenmeisterschaft einfach aus.“

Wer bitte will sich bei so einer freundschaftlichen und dennoch bis zum Schluss kämpfenden Konkurrenz seine Zeit mit einem Sport vertreiben, in dem die Teamchefs möglichst auf ein Safety-Car hoffen und am Ende im Spritsparmodus um den Kurs gezockelt wird, weil man das Tanken verboten hat? Mit 130 Dezibel lauten Plastiktröten will ich gar nicht anfangen… wobei, vielleicht kann man damit den Clio wieder aus seinem Schlaf erwecken – denn solche Bilder wollen wir beim nächsten Rennen nicht noch einmal sehen:

Die traditionell große VLN-Bildergalerie gibt es natürlich auch wieder, diesmal stand Björn Schickel für asphaltfrage.CUP an der Nordschleife:

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