back to basics – der Kia Venga 1.6 CVVT ecoDynamics

das überrascht: nichts fehlt, selbst in der Basis
das ist gut:
Fahrwerk, Start-Stop, Platzangebot
das weniger:
die motorische Belanglosigkeit


Wie verirrt sich ein Kia Venga auf die asphaltfrage? Ganz einfach, wir wollten sehen wie sich der kleine Koreaner bei der Befriedigung automobiler Grundbedürfnisse schlägt. Zum Test trat der Venga deshalb in der spartanischen Vision-Ausstattungsvariante an. Warum man uns die Attract-Basis verwehrt hat? Nun ja, vielleicht weil es dort nur die kleinen 1.4er-Motoren gibt und man uns soviel Ernsthaftigkeit in Sachen Verzicht wohl doch nicht zutraute.

Beim Erstkontakt mit Kias kleinem Familienvan fällt auf, dass er kaum auffällt. Zur Verteidigung muss man sagen, dass das stahlgrau-metallic des Testwagens nicht gerade zu den Blickfängern in der Farbkarte gehört, doch gerade im Hinblick auf den popigen Bruder Soul gibt sich der Venga äußerlich doch sehr bescheiden. Nicht das er langweilig wäre, aber ein nützliches Auto kann eben nie den Sex-Appeal eines Aston Martin transportieren. Gerade vor diesem Hintergrund ist es interessant, dass der von Ex-Audi-Designer Peter Schreyer gezeichnete Venga nicht nur den iF product design award 2010, sondern auch den red dot award für Produktdesign gewinnen konnte. Wir scheinen einfach zu wenig Kunstkenner zu sein.

Schon eher kennen wir uns beim Thema Fahrkunst aus, doch bevor es dazu kommt müssen wir noch über den Innenraum reden – der Paradedisziplin für ein kleines Familiengefährt. Auch hier gibt sich der Venga keine Blöße. Das Armaturenbrett ist ansprechend gezeichnet, alle Bedienelemente sind gut erreichbar und die verwendeten Materialien bieten keinen Anlass zu Kritik. So auch bei den Sitzen: vorne bieten sie nicht nur guten Komfort, sondern sind auch weiträumig verstellbar. Seitenhalt wird man hier nicht vermissen, vielmehr eine etwas fleckunempfindlichere Oberfläche im Sitzmittelteil. Selbst im hinteren Teil der Karosserie hat Kia seine Hausaufgaben vorbildlich gemacht. Die Rückbank bietet ausreichend Platz für drei, ist verschiebbar und mit einem Handgriff flachgelegt. Besonders nett ist der durchgehend flache Boden, der auch dem Passagier auf dem Mittelplatz eine komfortable Beinhaltung ermöglicht.

Im Kofferraum zeigen sich dann die Grenzen des kleinen Konzeptes. Um einen ebenen Abschluss mit der Ladekante zu erhalten haben die Koreaner einen Zwischenboden eingefügt, doch die dadurch verbleibenden 314 Liter Kofferraum werden wohl kaum einer Familie ausreichen. Wer mehr will muss seine Ladegüter also über einen ordentlichen Versatz wuchten, gewinnt so aber immerhin 130 Liter Volumen. Mit umgelegter Bank und dachhoch beladen kommt man auf knapp 1350 Liter – da kann man bei gerade 4.07 Metern Länge nicht wirklich meckern.

Überhaupt bietet der Venga wenig Raum für Kritiker. Selbst das Fahrwerk pariert die westdeutsche Asphaltflickerei mit Anstand, seine trockene Härte versprüht sogar einen Schuss Dynamik ohne dabei ins Nervige überzugehen. Vom Motor kann man das zwar nicht uneingeschränkt behaupten, doch liegt das wohl zu großen Teilen an unserem eigenen Anspruch. Ein 125PS-Familienvan ist einfach nicht dafür gemacht mit vier schwarzen Streifen im Rückspiegel und wedelndem Heck neue Bestzeiten auf der Hausstrecke zu setzen, sondern dafür die Kinder zur Schule zu bringen und auf dem Weg zur Oma auf der Autobahn nicht ganz zu verhungern.

Gemessen an diesem Anforderungsprofil schlägt sich der 1.6 CVVT prächtig. Er entwickelt schon im untersten Drehzahlbereich ein ansprechendes Drehmoment und lässt sich deshalb früh im großen Gang bewegen. Die Schaltanzeige mahnt sowieso zu derartig ökonomischer Fahrweise. Unser Testwagen war zudem mit dem 300 EUR teuren Start-Stopp-System ausgerüstet, was den Venga zum „ecoDynamics“ adelt. Man bekommt für sein Geld nicht nur die automatische Aschaltfunktion des Antriebs, sondern auch Leichtlaufreifen von Michelin dazu. In Anbetracht der einwandfreien Funktion und dem nachweisbaren Effekt auf den Kraftstoffverbrauch ist das in Kia-Jargon ISG genannte System ein wirklich empfehlenswertes Extra.

Wir kamen in unseren zwei Wochen Testzeitraum auf einen Verbrauchsschnitt von 7.4 Litern Super. Das ist zwar deutlich mehr als die versprochenen 6.2 Liter, doch war der Venga bei uns auch nicht im Labor anzutreffen, sondern eher auf der Autobahn und dort auch schneller als 130km/h. Wer will – und den Kia Venga im Sinne des Erfinders nutzt – der kommt sicher schnell an die Papierwerte heran. Er leistet sich also auch bei den Formalitäten keine Schwächen, die Sicherheitsausstattung ist mit zahlreichen Airbags, ABS, ESP und Co vorbildlich, die 7-Jahres-Garantie der Koreaner sowieso.

Bleibt der Preis: 16.930 EUR ruft Kia für den Venga Vision 1.6 CVVT auf. Klimaanlage und MP3-CD-Radio sind hier bereits Serie und wer auf eine Sitzheizung verzichten kann, der muss nurmehr 300 EUR für das ecoDynamics-Programm bezahlen, um den kleinen Van vernünftig auszustatten. Der Kia Venga bietet also viel Auto fürs Geld. Zwar fehlt ihm ein bisschen die Show, ein bisschen die motorische Faszination, überhaupt ein bisschen ein Charakter an dem man sich reiben könnte – doch all das will er bewusst nicht sein. Er ist ein Automobil für jeden Tag: Treu, anspruchslos und frei von Allüren. Ein echter Familienmensch also.

Technische Daten:

Modell: Kia Venga 1.6 CVVT ISG Vision
Motor: 4 Zylinder Benziner, 1591cm³
Leistung: 92kW/125PS
Drehmoment:156Nm
Antrieb: Front, 5-Gang manuell,
Verbrauch: 7.4l/100Km Super
0-100km/h: 10.9sec
Vmax: 182km/h
Preis: ab 16.930 EUR

Fotos: Andy Wiezorek

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