größer = besser ? – der Kia Sorento 2.2 CRDi

das gefällt: die Nützlichkeit
das ist gut: Motor, Getriebe und Fahrwerk
das weniger: der Geruch


Er war mehr als ein Arbeitstier, der erste Sorento machte die koreanische Marke in Europa erst richtig populär. Ein bezahlbarer, ansprechender und vor allem grundsolider Geländegänger für die Mittelklasse. Fast eine Million Kunden überzeugte er so, nicht zuletzt durch seine 3.5t Anhängelast. Pferdeanhänger, Boote und anderes (Motor-)Sportgerät waren deshalb kein Problem für den Leiterrahmen-basierten Kia – ganz im Gegensatz zur selbsttragenden Premium-Konkurrenz.

Doch mit dem Neuen wird einiges anders: Gekleidet im neuen Schreyer-Chic soll er sich nun nicht mehr in der Nutz-, sondern in der Lifestyle-Kategorie wiederfinden. Der mächtige Chromkühlergrill sorgt für ordentliches Überholprestige, die spitz zulaufenden Scheinwerfer und die riesigen LED-Rückleuchten unterstreichen diese Dynamik zusätzlich. Der Rest der mächtig gewachsenen Karosserie sorgt aber eher für ein Trutzburg-Gefühl, denn nicht nur die Dachsäulen sind sehr massiv ausgefallen, auch die Gürtellinie liegt hoch und sorgt für das neudeutsch „cocooning“ genannte Gefühl des Umschlossenseins im Innenraum.


Dabei würde dem Innenraum ein bisschen mehr Lichteinfall durchaus gut tun, denn bei der Farbauswahl im großen Sorento hat die Stylisten wohl der Mut verlassen, den sie in den kleineren Modellen noch gezeigt haben. Schwarz herrscht vor, am Armaturenbrett, den Türpaneelen, den Teppichen, sowie den Lederbezügen der Sitze – die getönten Scheiben im Passagierabteil machen die Sache auch nicht gerade besser. Zudem fällt das Cockpit im Vergleich zum Äußeren – was die gestalterische Kreativität angeht – doch etwas ab: Die Instrumente sind klar gezeichnet, die Bedienelemente liegen ergonomisch bei der Hand und auch die Bedienung des Navigationssystem geht nach kurzer Eingewöhnung hinreichend flott. Trotzdem vermissen wir ein wenig Flair, ein bisschen mehr Verspieltheit und Liebe zum Detail. (Und auch ein wenig hochwertigere Materialien. Zwar fasst sich alles nett an, doch der Geruch erinnert noch zu sehr an recycelte PET-Flaschen, denn an ein hochwertiges SUV)


Der Sorento wirkt zu pragmatisch um dem neuen dynamischen Anspruch der Marke wirklich gerecht zu werden. Er ist immer noch mehr Arbeits- als Lifestylelaster. Doch wir finden das gut. Zwar verprellt Kia so den ein oder anderen geltungssüchtigen Kunden, der sich stattdessen fürs gleiche Geld lieber etwas Premium und dafür weniger Nutzen kauft, doch das Gros der Interessenten wird sich an den positiven Eigenschaften des neuen SUV aus Korea erfreuen.


Fangen wir beim Platzangebot an: Hier spielt der Sorento in einer Liga mit den Großen. Trotz seiner nur 4.69m Länge bietet er in der ersten Reihe großzügig Platz und auch im Fond kommen drei Personen problemlos unter. Wer für 900 EUR Aufpreis die dritte Sitzreihe ordert, muss zwar auf den Großteil des 528 Liter großen Gepäckraumes verzichten und eini gewisses Maß an Gelenkigkeit beim Einstieg beweisen, wird dafür aber mit einem durchaus bemerkenswerten Notsitzangebot belohnt. Selbst Körpergrößen über 1.80m können noch ohne bleibende Haltungsschäden im Heck des Sorento verstaut werden.

Neben dem Platzangebot bietet sich der Kia auch durch seine maximale Zuladung von über 700kg als Nutzfahrzeug an. Zwar sank die maximale Anhängelast durch die selbsttragende Bauweise, von 3.5t auf nur noch 2.8t, doch die Koreaner kontern mit 200kg weniger Fahrzeuggewicht, reduziertem Verbrauch, sowie erhöhtem Komfort.

Was sich sonst eher als Marketingfloskel liest trifft im neuen Sorento allerdings voll zu, denn der große Geländewagen erfreut tatsächlich mit einem sehr kommoden Fahrwerk. Dabei trifft er den Kompromiss zwischen taumelndem Straßenkreuzer und hoppelndem Rückgratkiller äußerst gut. Natürlich kann man bei einem hochbauenden Allradler das Wanken in schnellen Kurven nicht völlig unterbinden, man will mit dem Sorento aber auch keine Rekorde auf der Nordschleife brechen. Trotzdem verwehrt sich der Kia aber auch nicht gegen eine flotten Fahrweise, wenn es ihm zu schnell geht, macht er mit jaulenden Reifen und sachtem Untersteuern auf das Ende seiner querdynamischen Fähigkeiten aufmerksam. Und wer es übertreibt, wird vom serienmäßigen – für den Allradeinsatz aber abschaltbaren – ESP wieder eingefangen.


Wer sich nun auf spaßige Stunden beim umpflügen nahegelegener Felder freut, dem macht der Antrieb einen Strich durch die Rechnung. Der neu entwickelte 2.2 Liter Common-Rail-Diesel ist mit 197PS und 437Nm zwar ein starker Geselle in der Vierzylinderkonkurrenz, doch in Kombination mit der Sechsgang-Automatik ist er eher der Souveränität als dem Sport verpflichtet. Sein starkes Drehmoment in den niederen Drehzahlbereichen nutzt das Wandlergetriebe um früh in große Übersetzungen zu schalten. Das spart zum einen Kraftstoff und hält zum anderen Antriebsgeräusche und Vibrationen des Aggregats in Grenzen.

Zwar kann man von einem leer immerhin 1.8t wiegenden Allradler keine Sensation beim Spritverbrauch erwarten, der Kia-Prospekt lässt mit einem Wert von 6.6 Litern Diesel für den Handschalter allerdings aufhorchen. Bauartbedingt schafft es das Automatik-Pendant natürlich nicht auf exakt diese Werte, doch wir konnten selbst bei ökonomischster Fahrweise der Bordcomputeranzeige keine 7 vor dem Komma entlocken. Im Mittel waren es knapp über 9 Liter Dieselkraftstoff, die sich der Sorento auf 100 Kilometer genehmigt hat.


Das ist kein schlechter Wert, vor allem wenn man bedenkt, dass uns der koreanische SUV meist mit schnellen Reiseschnitten über die Autobahn chauffiert hat. Hier scheint er auch sein Lieblings-Einsatzgebiet gefunden zu haben. Ein lang übersetzter sechster Gang, hoher Sitzposition, bequeme Sitze und ein komfortables Fahrwerk lassen den Sorento zu einem Auto für die große Fahrt werden. Bei Bedarf bis zu 190km/h schnell. Das es nicht schneller geht liegt am Geschwindigkeitsindex der Reifen, denn Kia legt im Gegensatz zu manchem Konkurrenten wenigstens ein bisschen Wert auf Geländetauglichkeit und verzichtet auf ein flaches und traktionsarmes Highspeed-Profil.

Der neue Sorento ist also trotz seiner dynamischen Positionierung am Markt ein ehrliches Auto geblieben. Denn abseits des normalen SUV-Chics punktet er mit den Werten, die großen Geländewagen vor dem Lifestyle-Zeitalter zu Eigen waren: Platzangebot, Komfort und Anspruchslosigkeit. Wer also einfach nur ein gutes Auto sucht, der wird beim neuen Kia Sorento fündig. Und wer auf die Show beim Nachbarn nicht verzichten kann, braucht angesichts der äußeren Erscheinung auch keinen Bogen mehr um den Koreaner zu machen.

Technische Daten:

Modell: Kia Sorento 2.2 CRDi 4WD Vision
Motor: 4 Zylinder Diesel, 2199cm³
Leistung: 145kW/197PS
Drehmoment:437Nm
Antrieb: Allrad, 6-Gang automatisch,
Verbrauch: 9.3l/100Km Diesel
0-100km/h: 10.0sec
Vmax: 190km/h
Preis: ab 35.030 EUR

Bilder: Florian Steinl

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