Psst! – der Bentley Continental GT

Hätten Sie es gemerkt? Bentleys Continental GT wurde runderneuert. Keine billige Modellpflege, die der Kundschaft alte Technik in neuen Kleidern verkaufen muss, sondern eine echte Neuentwicklung.


Dass das praktisch niemandem auffällt freut besonders die traditionsbewussten Käufer. In Zeiten in denen indische Jaguars mit flip-down-Monitoren, blauer LED-Illuminierung und unechten Instrumenten daherkommen, sowie der Rest der britischen Automobilindustrie entweder pleite oder hoffnungslos ist, bedeutet diese Kontinuität ein willkommenes Stückchen Sicherheit.


Im Gesicht ähnelt der Conti nun dem großen Bruder Mulsanne, die Karosserie wurde stärker akzentuiert und so lassen die Details wie die neue Heckleuchtengrafik den Neuen muskulöser, drahtiger und aufgeräumter wirken als seinen Vorgänger. Stolz werden auch 65kg Gewichtsersparnis erwähnt, in Anbetracht von dennoch 2.5 Tonnen Leergewicht sollte man sich hier aber keine allzu großen Hoffnungen der Performancesteigerung machen.


Die resultiert nämlich zu großen Teilen aus der Feinarbeit an Motor und Getriebe. So gibt es den neuen Conti mit dem bereits bekannten W12-Biturbo-Triebwerk, welches auf 575PS und 700Nm gebracht wurde. Und da man einen 318km/h schnellen 6-Liter-Granturismo nur schwer die Bluemotion-Aura umlegen kann und für Hybrid- und andere Unsinnstechnologien kein Platz im Lederkabinett des Kofferraums war, erzog man den Continental GT zum Alkoholkonsum. Mit Bioethanol befeuert soll die CO2-Bilanz nicht mehr ganz so dramatisch ausfallen und das Ökogewissen der Käufer wenigstens ein bisschen beruhigt werden. Sollte man trotzdem in einen Umweltaktivisten-Hinterhalt geraten sorgt das neue Getriebe für Gelassenheit: nur mehr 200ms Schaltzeiten, sowie die Fähigkeit mehrere Gänge auf einmal zurückzuschalten sollten jeden Eierwerfer im Rückspiegel verschwinden lassen. 4.6 Sekunden auf 100 schafft unseres Wissens nicht einmal der neue Plug-In Prius.


Allerdings sind diese Leistungsdaten eigentlich völlig überdimensioniert. Denn sitzt man erst einmal im handschuhweichen Leder der neuen belüftbaren, wie massierenden Komfortsitze und lässt den Blick über die unverändert charismatische Landschaft aus Tierhaut, Holzfurnier und schwerem Teppich schweifen, bleibt der Gedanke des Rasens in weiter Ferne. Die Nerds unter den Bentley-Kunden werden sich natürlich über das iPad-große Touchscreen-Display freuen, das die Navigation nun mit Google Maps-Daten erledigt und die 30 GB-Festplatte dank zahlreicher Geräte- und Telefonanschlüssen mit eigenen Daten füllen. Der Genießer hingegen ordert das aufpreispflichtige NAIM-Lautsprechersystem, bemüht die Individualisierungsabteilung um den Einbau des ¼“-Tonband-Laufwerkes im Handschuhfach und genießt. Dank Abschirmmatten am Fahrzeugboden, Dämmglas rundum und neu entwickelten Antivibrationsplatten die Außenwelt dabei auch nicht.


Es hat sich also eigentlich nicht viel getan. Was die Generation Golf nach sieben Jahren Bauzeit als Zumutung empfinden würde, freut den Bentley-Fahrer. Er muss nicht zwingend den Neuen kaufen, schließlich lässt der den Alten nicht alt aussehen – doch wenn er es macht, kann er sich jeden Tag am Feinschliff erfreuen. Und mit etwas Glück merkt es der Nachbar mit den Windrädern im Garten nicht einmal…

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