Blickfang? – der Peugeot 308CC 155 THP

Was passiert, wenn man jemand fachfremdes eine Rezension schreiben lässt? Vielleicht eine bahnbrechend andere Sicht auf die Dinge, oder vielleicht nur eine Kopie der Herstellertexte? Wir haben diesen Versuch am Peugeot 308CC gewagt, der uns für zwei Wochen durch den Sommer begleitet hat. Hier das Ergebnis unserer ansonsten mit Wirtschaft und Finanzen betrauten Redaktion.

von Alexander Nix, Bilder: Fabian Mechtel

Geschafft, endlich steht das Auto vor der Tür. Zunächst betrachte ich es argwöhnisch aus dem Redaktionsfenster im ersten Stock, aus sicherer Distanz. Erst nach einer kurzen Gewöhnungsphase nehme ich die Schlüssel, laufe das Treppenhaus hinab, dem Auto entgegen, betätige die Fernbedienung, bleibe stehen und lasse das Schauspiel der sich ausklappenden Spiegel und das begrüßende Homecoming-Light auf mich wirken. Die einfallenden Sonnenstrahlen werden von den Perlmutt weißen Kotflügel reflektiert, welche die 18“-Leichtmetallfelgen umfassen.

Die großen Türen öffnen weit, doch der Parkservice hat den Peugeot zum Glück auf einem weniger belegten Teil des Parkplatzes abgestellt und so muss man sich nicht um Blechkontakt mit den Nachbarfahrzeugen kümmern. Der erste Griff im Peugeot geht zum Radio und ich navigiere solange durch das auf den ersten Blick sehr undurchsichtige Radiomenü, bis ich einen Rocksender finde und „Smoke on the Water“ aus dem JBL-Soundsystem beginnt zu schallen. Ich drehe den Lautstärkeregler weit auf, lehne mich in die weit ausladenden Ledersitze und atme mit jedem Atemzug ein Stück mehr Männlichkeit ein, entspanne, lasse den Motor an und fahre los.


Ich stehe an einer Kreuzung und warte darauf, dass die Ampel endlich auf Grün umspringt, als auf der Abbiegerspur ein Auto zum Stehen kommt. Mein Blick wandert zur herüberschauenden Fahrerin und zu meinem Erstaunen umspielt ein Lächeln ihre Lippen. Ich erwidere den Flirtversuch und stelle erst nach einer Weile fest, dass sie mir nicht direkt in die Augen blickt. „Sie schielt nicht, daran liegt es nicht, nein, sie betrachtet eingehend das Auto“, stelle ich konsterniert fest. Es ist schon fast so etwas wie Neid ihn ihrem Blick auszumachen. Die Ampel wird wohl grün, was ich an den hupenden Autos festmache. Irritiert von dieser Begegnung setze ich meine Fahrt fort.

An meinem Ankunftsort, einem Tennisplatz im Frankfurter Westend, sorgt der Auftritt des weißen Peugeot, der meiner Meinung nach mit geschlossenem Verdeck zugegebenermaßen keinen ganz so imposanten Eindruck macht, abermals für Aufsehen. Unbeirrt öffne ich die Kofferraumklappe und hole das Tennisracket heraus, welches leider nicht unter die „Abdeckklappe Cabrio“ passt und mache mich auf zum Centercourt. Stunden später besteige ich die Fahrerseite, stecke den Zündschlüssel ins Schloss, lasse den Motor an und öffne das Verdeck – und genau damit wird der 308CC zum Gewinner: Vorher skeptisch von den Passanten beäugt, wird es nun von selbigen eingehend und wohlwollend betrachtet.


So fügt sich dieses Auto perfekt in das Bild von Tennis- und Golfplätzen. Das Racket findet nun auf dem Rücksitz Platz um so auch die bevorstehende Fahrt oben ohne genießen zu können. Regnen sollte es allerdings nicht, sofern man mehr als eine weitere Person mitnehmen möchte. Mit geschlossenem Verdeck erinnert die Sitzposition der im Fondbereich sitzenden Personen mehr an die Haltung aus der Notwasserungsdemonstration aus den Flugzeugen als an entspanntes Fahren, mit dem Unterschied, dass hier die Knie zum Kopf geführt werden und nicht umgekehrt. Ist man hingegen zu zweit, steigt der Fahrkomfort immens und das geschlossene Hardtop lässt aufgrund einer fehlenden Windgeräuschkulisse vergessen, dass man in einem Cabrio sitzt.

Meine Fahrt führt mich jetzt durch den abendlichen Stadtverkehr. Hier lässt sich der Peugeot ohne Probleme durch das dichte Geflecht aus Ampelanlagen, Wagenschlangen und Baustellen manövrieren. Zudem hilft dabei das Navigationssystem, das frühzeitig eventuell notwendige Richtungsänderungen ankündigt. Aber selbst auf der Autobahn eröffnet sich für das Klappdach-Cabrio ein Spielfeld, das er wunderbar beherrscht. Denn gerade hier fährt er sich sensationell. Der Peugeot ist ein Segler, geht man bei 130km/h aus dem Gas, gleitet der Wagen eine gefühlte Ewigkeit, ohne nennenswert Geschwindigkeit abzubauen. Ebenso verhält er sich auf den Landstraßen. Ihm liegt das Cruisen.


Etwas widersprüchlich gestaltet sich die Fahrdynamik. Die Federung der von uns getesteten Platinum-Version gibt etwas zu viel Rückmeldung auf holprigem Untergrund, denn versucht man ihn etwas dynamischer durch die Kurven zu bewegen, fällt schnell die dafür zu indirekte Lenkung auf. Der 156 PS starke, 1.6 Liter große Benziner ermöglicht ein entspanntes Fahren. Allerdings, bei einem Leergewicht von knapp über 1.6 Tonnen muss er sich zwangsläufig auf eine gewisse fahrerische Entspannung verlassen. Und genau das ist das Ressort des 308cc, lässiges Rollen auf Landstraßen und Autobahnen. Dabei verbraucht er auch nicht ungebührlich viel Sprit. Im Schnitt fahre ich ihn mit 7,6 Litern Super auf 100 km. Ein ordentlicher Verbrauch, bedenkt man die zu bewegende Masse des Peugeot und die sonstigen realen Verbräuche der Downsizing-Konkurrenz.


Ich fahre in die einsetzende Dunkelheit und halte die einziehende Kälte der Dämmerung mittels Sitzheizung und der Kopfraumheizung Airwave außerhalb des Autos. Letztere macht der Lederfarbe Mistralschwarz alle Ehre, denn im Gegensatz zum großen Bruder, dem Mistralwind, bläst das „Airwave“ genannte System warme Luft in den Nackenbereich und verhindert so unangenehme Verspannungen. Das System, das erstmals im SLK zum Einsatz kam, ist in dieser Fahrzeugklasse ein Novum und begeistert, wenn man zügig über die Autobahn gleitet und trotz kühlerem Wetter mit offenem Verdeck fahren möchte. Hier kommt allerdings eine Tatsache zum Tragen, gegen die Traditionalisten vehement rebellieren: Sie möchten beim Fahren an den Frisurenchic der Weimarer Republik heranreichen, längeres, streng nach hinten gekämmtes Haar, fehlt nur noch die Pomade! Heute hingegen gilt das Cabrio als Chic. Punkt! Die Frisur solle doch bitte unberührt bleiben und genau diesem Wunsch entspricht der Peugeot. Selbst bei 190 km/h ruht die Frisur nahezu unberührt auf den Schultern. Seine weit in den Fahrgastraum reichende Windschutzscheibe ermöglicht das und macht den Windfang geradezu überflüssig. Von größeren Personen als unangenehm empfunden, weil man sich potentiell daran beim Einsteigen stoßen kann, dachte Peugeot vielleicht an eine in Deutschland mit dem Demographiewandel einhergehende älterwerdende Bevölkerung, Ein- und Ausstiegshilfen gewinnen an Bedeutung.


Doch das schafft weitere Probleme. Eine weit nach hinten reichende Windschutzscheibe bedeutet ein kürzeres Verdeck, welches sich in einem geringeren benötigtem Stauraum im Kofferraum bemerkbar macht. Schon jetzt wirkt der Hintern/Heck des Peugeot alles andere als zierlich, da hilft selbst die vermeintlich vermittelte Sportlichkeit durch den Diffusor nichts mehr, denn selbst Arschgeweihe verhelfen der Trägerin nicht zu einer schmaleren Taille.

So erreiche ich mein Zuhause in der Dunkelheit und parke das Auto in eine der raren Parklücken. Dabei stellt das Armaturenbrett eine unüberblickbare Hürde dar und die fehlenden Einparkpiepser vorne machen sich jetzt unangenehm bemerkbar. Zum Glück lässt sich mittels der Scheinwerferreflexionen der Abstand einschätzen. Zu guter Letzt verabschiedet sich das Auto beim Zuschließen mit dem automatischen Einklappen der Außenspiegel und einem hektischem Flackern, was beim ersten Betrachten zwar stark an einen defekten Blinker erinnert, dem Besitzer allerdings auch deutlich versichert, dass sein Auto verriegelt ist.


Der Tag endet, wie er begonnen hat, mit einem Blick aus dem Fenster, jedoch mit einer überraschenden Wandlung: So zögerlich ich mich heute Morgen dem Auto näherte, so zufrieden blicke ich auf den Peugeot zurück.

Das Lexikon definiert ein Auto als „ein drei-, vier- oder mehrädriges Kraftfahrzeug, das von einem Motor angetrieben wird und zur Beförderung von Personen und Lasten dient“.


Eine emotionslose Beschreibung, der dieses Auto nicht gerecht wird. Die Reaktionen lassen sich in zwei Kategorien einteilen: Die einen bleiben begeistert stehen, betrachten das Auto, gehen drum herum, schauen, mit der Hand an die Schläfe gelegt, um Lichtspiegelungen in der Scheibe abzudunkeln, in das Innere des Wagens. Bei dieser Kategorie findet sich meist ein begeistertes Lächeln auf den Lippen des Betrachters. Sie erfreuen sich an den Formen des Wagens und der edel anmutenden Gestaltung des Wageninneren. Die zweite Kategorie probiert sich nicht anmerken zu lassen, das Auto überhaupt wahrgenommen zu haben. Vermeintlich unbemerkt streift ein verächtlicher Blick den Wagen. „Ein Frauenauto!“, schallt es meist von den männlichen Betrachtern. Wenn sich jedoch das Verdeck des Wagens öffnet, lässt sich so mancher bekehren und entdeckt die Vorzüge des Peugeot.

Abstrahieren wir von der oben genannten technischen Definition und betrachten die Aufgabe eines Autos, Emotionen hervorzurufen. Das genau macht der Peugeot 308CC. Er polarisiert und das ist nicht selbstverständlich. Denn er schwimmt nicht einfach unerkannt im grauen Fahrzeugalltag mit, er wird wahrgenommen. Auch ich war anfangs sehr skeptisch. Gerade sein Image als Frauenauto schreckte mich ab. Doch nach kurzer Zeit überzeugte er mit seinen sensationellen Gleiteigenschaften, dem tollen Airwave-System, mit dem selbst in kalten Nächten ein Fahren mit offenem Verdeck problemlos möglich war, und seinem Esprit.


Sicherlich, die Konkurrenz liegt bei ihren Grundpreisen unter dem der von uns getesteten Ausstattungsvariante Platinum mit einem Preis von 31.250 €, doch wer würde ein Cabrio in der Basisausstattung fahren? Und so ist es nur fair, die Fahrzeuge in einer ähnlichen Konfiguration zu betrachten und dann liegen alle Kontrahenten dicht beieinander.

In seiner Fahrzeugklasse ist der Peugeot 308CC ein Avantgardist in Sachen Sicherheitstechnik. Eine weltweite Neuheit stellen die Kopfairbags da, die nicht, wie üblich, in der B-Säule verbaut sind, sondern in den Kopfstützen selbst und so in einer Unfallsituation den Autoinsassen noch besser schützen. Er sucht bewusst nicht die Konkurrenz zu den Großen wie Porsche, BMW oder Audi. Dieses Argument ins Feld zu führen und einen solchen Vergleich anzustreben ist völliger Unsinn, denn da wo unser Modell nahezu vollausgestattet preislich aufhört, beginnen die Premiumhersteller erst.


Alles in Allem ist der Peugeot 308cc ein sehr gutes Angebot, zu entscheiden ist nur, auf welcher Seite man steht: auf derer, die ihn lieben, oder auf derer, die ihn hassen.

Technische Daten:

Modell: Peugeot 308CC 155THP Platinum
Motor: 4 Zylinder Benziner, 1598cm³
Leistung: 115kW/156PS
Drehmoment:240Nm
Antrieb: Front, 6-Gang manuell
Verbrauch: 7.6l/100Km Super+
0-100km/h: 9.6sec
Vmax: 215km/h
Preis: ab 31.250 EUR

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