Von Wundern, Glauben, Chemie, Physik und Brandstiftung – der lekker mobil A2 von DBM Energy

Glauben ist etwas für Religionen. Wunder zumeist auch, wenn man von einigen Redewendungen in Bezug auf die Biologie absieht. In der Chemie und der Physik gibt es hingegen Gesetzmäßigkeiten, auch wenn diese Einsicht den deutschen Politikern zu weiten Teilen fehlt.


Was bisher geschah: Eine spektakuläre Fahrt, auf die sich das „lekker Mobil“ begeben hatte, geht mit einem Weltrekord zu Ende. Das alltagstaugliche Elektroauto des Berliner Technologieunternehmens DBM Energy und des Berliner Energieanbieters lekker Energie hat die Strecke von München nach Berlin erfolgreich bewältigt und mehr als 600 Kilometer zurückgelegt. Bislang ist das weltweit von noch keinem alltagstauglichen Elektroauto geschafft worden. Damit ist die vom „Nationalen Entwicklungsplan Elektromobilität“ für 2015 anvisierte Reichweite zu hundert Prozent übertroffen worden.

„Wir zeigen mit unserer Rekordfahrt, dass die Leistungsfähigkeit unserer KOLIBRI-Technologie so hoch ist, dass auch lange Strecken mit einem ganz normalen alltagstauglichen Elektrofahrzeug zurückgelegt werden können“, sagt Mirko Hannemann, Geschäftsführer der DBM Energy, und Dr. Thomas Mecke, Vorsitzender der Geschäftsführung der lekker Energie GmbH, ergänzte: „Die Fahrt wird der weltweite Durchbruch in der Elektromobilität sein.“


Das viersitzige „lekker Mobil“ hat die Fahrtstrecke mit einer Richtgeschwindigkeit von 130 km/h zurückgelegt. Das Fahrzeug verfügt über einen vollständig nutzbaren Kofferraum, Servolenkung, ABS, ESP, Airbags und Komfortfunktionen wie Klimatisierung, Sitzheizung und Radio.  Möglich wird die Fahrt durch die von der DMB Energy entwickelte KOLIBRI-Technologie. Der Energiespeicher auf Lithium-Metall-Polymer-Basis ist deutlich leistungsfähiger und leichter als andere Batterien.

Interessant ist der umgebaute A2 aber nicht, weil wir ihn für Retter der Fortbewegung halten, sondern weil einige Fakten zum lekker mobil stutzig machen. So soll der Lithium-Metall-Polymer-Akku nicht nur eine komplette Eigenentwicklung sein, sondern auch der Durchbruch in der Batterietechnik überhaupt. Merkwürdig daran ist, dass bereits seit knapp 10 Jahren in China in Großserie die Lithium-Metall-Phosphat LiFePO4-Zellen hergestellt werden und eine gängige Größe das 100kWh-Pack ist, dass sich aus 120 Zellen zu einem 260Ah und 380V-Stack zusammensetzt. Exakt jene Daten gibt auch DBM an, nur beim Gewicht gehen die Werte auseinander. Geben die Münchner Revolutionäre schlanke 300kg für den Akku an, so sind es beim LiFePO4 immerhin 120 mal 6.5kg, also knapp 800kg.


Doch es ist nicht nur die augenscheinliche Untertreibung beim Gewicht sowie die unübersehbare Nähe zu den bekannten Zellen aus Asien, die Fragen zum DBM Energy-Akku aufwirft. Denn da sind noch die Angaben zu den Ladezeiten. Es ist längst bekannt, dass wir in Zukunft nachdem der Tank leergefahren ist nicht wieder innerhalb von ein paar Minuten genug Energie im Fahrzeug speichern können, um viele hundert Kilometer zu fahren. Die Tankstops werden ein wenig länger ausfallen. Geht man nach dem Standard der DIN 18015-1, so gibt der Hausanschluss eine Leistung von 14.5kW, bzw. 34kW ab. Das macht im Mittel 24.25kW. Das macht auf 100kWh also bei einem als ideal angenommenen Wirkungsgrad eine Ladedauer von über vier Stunden.

Was aber umso erstaunlicher klingt, ist die als Zukunftslösung präsentierte Ladedauer von DBM Energy, sie soll lediglich 6 Minuten für eine 100kWh-Ladung betragen. Wer sich ein bisschen mit Elektrotechnik auskennt ahnt, dass hier wohl mehr der Wunsch der Vater des Gedanken war, denn wer nicht direkt neben einem Atomkraftwerk wohnt und die 380.000 V Hochspannungsleitung direkt anzapfen kann, der wird seine liebe Not haben an derartige Energiemengen in so kurzer Zeit zu kommen. Zumal uns bisher kein für den Hausgebrauch bezahlbarer Gleichrichter bekannt ist, der 380kV Wechselspannung in batteriekonforme 380V Gleichspannung zu wandeln.


Es scheint also, als wären die vom Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle und seinem Ministerium gestifteten 275.000 EUR Forschungsgeld eher weniger für die Lösung der Probleme der Elektrotraktion eingesetzt worden, sondern in eine inszenierte PR-Kampagne für einen Energiekonzern, ein junges Technologieunternehmen und einen Minister, der die umweltbesorgten Wähler auf seine Seite ziehen möchte.

Doch ob der A2 tatsächlich über eine bahnbrechenden Akku verfügt, oder ob es sich tatsächlich um geschickt verkaufte Import-Standardware gehandelt hat, lässt sich sowieso nicht mehr nachweisen, denn das lekker-mobil ist in der Nacht vom 12. Dezember beim Brand einer historischen Lagerhalle in Berlin-Mariendorf komplett verbrannt.

Zwar schließe der Firmenchef Mirko Hannemann laut DPA-Meldung nicht aus, dass neidische Mitbewerber seinen Wunderwagen angezündet hätten, doch die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft laufen noch.

Beim ADAC hingegen verstärken sich die Zweifel, ob bei der Rekordfahrt „alles mit rechten Dingen zugegangen ist“. Man habe schon frühzeitig auf ungeklärte Fragen rund um das E-Auto der Firma DBM Energy hingewiesen, so der Klub zu den bekannt gewordenen Ereignissen. Moniert wird, dass es kaum weiterführende Informationen zur Akku-Technik des Autos gegeben habe. Ein zur damaligen Rekordfahrt bestellter Notar habe kurz vor der Fahrt seine Teilnahme abgesagt. Zudem sei das Auto während der damaligen Rekordfahrt mehrfach aus dem Sichtfeld von Journalisten, die die Tour beobachteten, verschwunden. Der Firma DBM Energy war vom ADAC ein Reichweiten-Check in seinem Testzentrum angeboten worden, den das Berliner Unternehmen abgelehnt hat.

Eigentlich ist es nun aber auch egal, ob und wie alles bei der Rekordfahrt zugegangen ist, denn dass man ein Auto mit geringem Energieeinsatz in der Nacht mit Spitzentempi um 100km/h mit der derzeitigen Akku-Technik von München nach Berlin fahren kann, ist klar. Dass ein 100kWh-Akku allerdings nur 300kg wiegt, in sechs Minuten aufgeladen werden kann und dann noch eine Lebensdauer von 2500 Ladezyklen hat, das glauben wir derzeit nicht. Denn Wunder gibt es in den Naturwissenschaften selten.

Text: Fabian Mechtel, auto-reporter.net
Bilder: auto-reporter.net

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