Das Auto – der Skoda Superb Combi 2.0 TDI

Nach über 70 Stunden Fahrzeit und 6293 zurückgelegten Kilometern hat man ein Automobil in fast all seinen Facetten kennengelernt. Deshalb erlauben wir uns jetzt ein Urteil über den Skoda Superb Combi zu fällen.

Zuerst gilt es den Mangel an Ablagefläche in den vorderen Türtaschen zu beklagen. Wir wollen hier nicht kleinlich klingen, doch wenn Dir zehn Stunden lang bei  jeder Bremsung die Vittel-Flasche zwischen den Füßen umherrollt, kann das schon mal ziemlich auf die Nerven gehen. Vom Geschmack kohlensäurehaltiger Getränke mögen wir an dieser Stelle gar nicht sprechen.

Das es nicht schwer ist einen vernünftigen Flaschenhalter im Interieur unterzubringen zeigt der kleine Bruder Octavia, der klaglos je eine 1.5 Liter PET in den vorderen Türen aufnimmt. Doch beim großen Superb ist eben alles ein wenig anders.

So auch die Motor-/Getriebekombination: Haben wir auf unserer letzten Nordeuropa-Reise noch auf den effizienten aber etwas blutleeren Superb 1.9 TDI GreenLine zurückgegriffen, gab es nun die Krönung der Skoda Preisliste: einen 125kW Superb Combi Elegance DSG. Zusätzlich zur opulenten Serienausstattung waren fast alle Häkchen in der Optionsliste gesetzt und es fehlte dem langen Tschechen an keiner Annehmlichkeit.

Gerade deshalb verwundert das recht schwach ausgeprägte Selbstvertrauen des Antriebes. Zugegeben, wir hatten den Superb nach allen Regeln der Kunst beladen und waren somit wohl auch etwas großzügig mit dem Gesamtgewicht, doch dass die Steuerung des DSG-Getriebes in den Bergen der nordspanischen Küstenlinie trotz eingeschaltetem Tempomaten ständig am Zurückschalten war, störte den Fahrkomfort dann doch empfindlich.

Dabei liefert der neue, dank Umstellung auf Common-Rail auch EU5-saubere, 2.0 Liter TDI ein solides Drehmoment von 350Nm und hätte derlei Unterstützung vom Getriebe eigentlich nicht nötig. Denn wechselt man vom Automatik-Modus in die manuelle Gasse und lässt die sechste Fahrstufe dauerhaft eingespannt, gleitet der Superb ruhig und gelassen jedem noch so alpinen Ziel entgegen.

Zu großen Teilen liegt das auch an der im Vergleich zur Limousine überarbeiteten Federung. Rollten die viertürigen Geschwister bisher etwas knöchern über Verwerfungen des Asphaltes, so liegt der Combi deutlich geschmeidiger. Weder nervt er auf langen Strecken mit unkomfortablen Stößen, noch ist er in kurvigem Geläuf zu weich. Sicher, er ist kein Sportwagen, dafür kann er bei Bedarf aber auch fast zwei Kubikmeter Ladegut mitnehmen.

Und wenn man die einmal gefüllt hat und sich mit oben genannten Auffälligkeiten vertraut gemacht hat, dann kann auch den großen Combi nichts aufhalten. Ob nonstop von Düsseldorf nach Biarritz, zur rush-hour durch achtspurige Kreisel in Madrid, oder in der Grand Hotel-Kurve in Monaco – der Superb macht immer eine gute Figur.

Es fängt mit dem Arrangement im Innenraum an. Die Sitze sind großzügig in Komfort und Seitenhalt, ohne auf die Dauer den Rücken über Gebühr zu strapazieren. Die Bedienung funktioniert tadellos und das große Touchscreen-Navi Columbus  ist nicht nur herrlich unkompliziert zu bedienen, sondern berechnet die Routen auch noch schnell und fehlerfrei. Hat man dazu noch das Soundsystem bestellt, steht dem ungetrübten Musikgenuss nichts im Wege. Zwar verzichtet die Anlage auf einen Subwoofer, kann dafür aber auf viel herkömmliche Membranfläche der zehn verbauten Lautsprecher zurückgreifen. Da Abstimmung und Dämmung ebenfalls passen, stellt dies keinen Nachteil dar.

Das Platzangebot ist über alle Zweifel erhaben und gerade hinten ist derzeit kein Konkurrent in Sicht, der dem großen Skoda hier das Wasser reichen könnte. Das Kofferraumvolumen wird zwar beispielsweise vom Mercedes E-Klasse T-Modell in den Schatten gestellt, doch reden wir hier von über 1800 Liter Stauraum und die bekommt man selbst mit einem Besuch bei IKEA so schnell nicht vollgepackt.

Motor und Getriebe haben wir eingangs bereits angesprochen und bis auf den genannten Hang zum frühen Zurückschalten gibt sich die Kombination keine Blöße. Egal ob schnelle Autobahnetappen mit Geschwindigkeiten weit über 200km/h, oder die zehnstündige Tempomatfahrt über französische Autobahnen, der leise Common-Rail-TDI macht alles mit. Zwar enttäuscht der Durchschnittsverbrauch mit 7.6 Litern Diesel auf 100km etwas, wir sind aber den größten Teil unserer Testzeitraumes mit voller Beladung gefahren. Mit weniger Zuladung und vorsichtiger Fahrweise schafft der Skoda auch Verbräuche um 6.5 Liter über die gesamte Distanz.

Was man beim tschechischen Kombi allerdings vergeblich sucht sind moderne Assistenzsysteme wie Totwinkelüberwachung, Spurhalteassistent, Abstandstempomat, Schildererkennung etc. Uns hat das nicht gestört, im Gegenteil, der Superb verzichtet bewusst auf Superlative oder technische Extravaganzen, er summiert schlicht viele gute und ausgereifte Komponenten zu einem gelungenen Ganzen. Nette Gimmicks wie der Regenschirm in der hinteren Türtasche oder die als Taschenlampe benutzbare Kofferraumleuchte zeigen, dass es Skoda nicht um die beste Fahrerentmündigung ging, sondern einfach nur um ein durchdachtes Auto.

Für 34.750 EUR erhält der Kunde mit dem Skoda Superb Combi sehr viel Auto. Zwar taugt er ebenso wenig als Statussymbol, wie als Technologieträger, doch gibt es kein Auto in dieser Preisklasse, dass eine vergleichbare Menge Komfort, Platz und Ausgeglichenheit bietet. Gut, vielleicht der Superb Combi 1.6 TDI GreenLine. Der ist nicht nur fast 7000 EUR günstiger, sondern trägt die wesentlichen Eigenschaften des Superb Combi ebenfalls in sich – denn Superb-fahren funktioniert auch ohne Ledersitze und unechtes Edelholzfurnier.

Technische Daten:

Modell: Skoda Superb Combi 2.0 TDI DSG Elegance

Motor: 4 Zylinder Diesel, 1968cm³

Leistung: 125kW/170PS

Drehmoment:350Nm

Antrieb: Front, 6-Gang Doppelkupplung

Verbrauch: 7.6l/100Km Diesel

0-100km/h: 8.9sec

Vmax: 218km/h

Preis: ab 34.750 EUR

Text & Bilder: Fabian Mechtel

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