Der Anti-Kretschmann – Mercedes-Benz C 63 AMG Black Series

Nein, er wird ihm nicht gefallen. In Rot nicht und selbst in Grün wohl kaum. Dabei hätte man  sich das bei Mercedes doch denken können – wer fährt schon gerne ein Auto mit dem Namen des politischen Gegners?


Niemand, wobei Winfried Kretschmann scheinbar überhaupt nicht gerne Auto fährt. Bei der Wahl des Dienstwagens fiel seine Entscheidung zwar an Stelle eines Pedelec-Radls auf eine S-Klasse mit Hybrid-Antrieb, doch noch lässt sich der grüne MP im S 600 Guard von Amtsvorgänger Mappus durchs Ländle chauffieren. Offiziell – in bester schwäbischer Manier – weil der Leasingvertrag noch ein paar Monate läuft. Wir möchten das kaum glauben und sehen den Grund eher darin, dass der gute Herr Umweltpolitiker nun doch – und auch hier entgegen ursprünglicher Vorsätze – die Villa Reitzenstein hoch über Stuttgart bezieht. Der cremige Biturbo-V12 mit 800Nm und 517PS schiebt die vier Tonnen Leergewicht des S 600 Guard doch bedeutend gelassener die B27 hinauf, als es der asthmatische S 400 Hybrid vermag, dessen 0.9 kWh-Akku schon nach dem Ampelstart vor dem Landtag seinen Dienst quittiert. Zumal wenn Onkel Sigmar zum politischen Dialog mit an Bord ist.


Lodert also doch ein wenig Zündfeuer im Landesvater? Vielleicht, deshalb wollen wir ihn nun nicht direkt mit Gedanken an die schwarze Opposition aufschrecken und verleihen dem Akronym BS eine etwas weniger verfängliche Bedeutung: „bestandener Stresstest“ zum Beispiel.

Dabei ist Tarnung beim C 63 AMG bestandener Stresstest eigentlich zwecklos, handelt es sich im Grunde um die übelste Provokation der ökologisch besorgten Mehrheit, die Mercedes je in den Verkaufsraum schob. Tiefer, breiter, stärker, lauter – und von all dem reichlich. Eine rote Sau.


Aber der Reihe nach: als Basis für den BS dient das bildschöne C-Coupé der 204er-Baureihe. Die Eleganz der Grundlinie (Hofmeister-Knick!) wird ein wenig durch die Anbauteile verfremdet, aber 40 Millimeter mehr Spurweite vorne und derer 79 an der Hinterhand müssen schließlich abgedeckt werden. Dazu kommen gigantische Lufteinlässe an der Front, um den bis zu 50% vergrößerten Kühlern genügen Anströmfläche zu bieten. Denn das 6208cm³ große Triebwerk unter der perforierten Haube wurde von seinen Ingenieuren in der feinsten Ausbaustufe in seine letzte Schlacht entlassen. Kurbelwelle, Pleuel und Kolben stammen vom SLS, im Ansaug- und vor allem im Abgastrakt wurde natürlich ebenfalls Hand angelegt. Das Ergebnis sind 517PS und 620Nm. Vor allem aber ein Geräusch, das in seiner Intensität und Tonlage einfach nur von acht faustgroßen Töpfen erzeugt werden kann.


Doch mit diesen Zutaten allein würde der aufgepumpte C 63 den Stresstest noch nicht bestehen. Es muss also weiter die Datenkarte studiert werden. Wir notieren: hautenge Recaros vorne, keine Rückbank, voll einstellbares Gewindefahrwerk in Serie, mächtigere Stabis, 390er Scheiben in Sechskolbensätteln vorne, mechanische Sperre hinten. Wem das noch nicht reicht, der kreuzt einfach in der Optionsliste die AMG-Packages an: „Track“ bringt neben Dunlop Direzza-Sportreifen auch eine aktive Differenzialkühlung mit, „Aerodynamik“ sorgt mit Flics und Splitter an der Front, sowie einem feststehendem Carbonspoiler auf der Kofferdeckel für Abtrieb.


In Grundausstattung stehen 115.430 EUR auf dem Bestellzettel, im Vergleich zu den handgefertigten Panzer-Modellen der Guard-Baureihe liest sich das fast wie ein Sonderangebot. Vielleicht sollte der Ministerpräsident seine Fahrer also nicht zum Spritsparlehrgang schicken, sondern zum AMG-Performance-Training. Schließlich steckt der gepanzerte Untersatz in einem Dilemma: seine Armierung wiegt so schwer, dass er nur behäbig vom Fleck kommt und somit ein leichtes Ziel für den revoltierenden Wutbürger darstellt.


Der C 63 BS hingegen braucht keine Panzerung, wenn er leichtfüßig mit zwei fetten schwarzen Strichen vor dem Hauptbahnhof ablegt und im eleganten Drift am Sozialgericht vorbei in den Tunnel unter der Königstraße einbiegt – denn hier kommt einfach kein Demonstrant hinterher.

Text: fm

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