Ernstgemeint – der Opel Astra GTC OPC

Früher nannte man sie GTI, GT/E und RS – die kleinen Renner, die mit einer kundigen Hand am Lenkrad das Establishment aufmischen konnten. Früher? Ja, heute nennt man sie zwar immer noch so, aber das mit dem Aufmischen klappt nicht mehr so richtig.

Warum? Weil die Hersteller müde geworden zu sein scheinen. Müde den Sicherheitsaposteln zu predigen, dass auch ein Fronttriebler beim Anbremsen mal mit dem Heck wedeln darf und auch müde, sich für ein tiefergelegtes Fahrwerk und ein paar gripfreudigen Breitreifen zu rechtfertigen. Deshalb mussten die hot hatches der Golfklasse ab der Mitte der Neunziger durch ein tiefes Tal der Tränen gehen. Die Modelle standen zwar immer noch an der Spitze, aber nicht mehr was die Sportlichkeit angeht, sondern nur noch die Position in der Preisliste.


Mit der Erscheinung des MINI wurde das ein wenig anders. Gut, wir lehnen uns mit dieser These vielleicht ein ordentliches Stück aus dem Fenster, aber die Parallelen sind nicht zu übersehen. Als die ersten Pressevertreter in den R50 gestiegen sind waren sie voll des Lobes. Nicht etwa weil die Qualität besonders war, oder das Platzangebot berauschend, sondern weil der MINI einfach nur traumhaft ums Eck ging. Genau das hatte man vermisst und genau deshalb nahm man ihm seine Nachlässigkeiten nicht krumm. Als sich mit den John Cooper Works-Modellen dann bis zu 218PS im MINI tummelten war die Journaille vollends begeistert.

Das schien auch bei den großen Konzernen anzukommen. Die hot hatches hatten wieder eine Legitimation. Fahrspaß durfte wieder an erster Stelle stehen. Dass das gut so ist, zeigen Modelle wie der Ford Focus RS, der Renault Megane RS und der Golf R nur zu deutlich. Einzig Opel ruderte bisher ein wenig abseits – doch mit dem Astra OPC wird nun alles anders.


Zwar ist der Aufruhr unter den schreibenden Kollegen groß, da Opel den OPC ganz diskret zwischen Fahrvorstellung des normalen GTC und die Vorbereitungen auf die LA Auto Show schiebt und auch nur eine handvoll Bilder, sowie wenige Details zum Topmodell freigegeben hat, doch warum sollte uns das stören? Schließlich sieht man doch auf den ersten Blick, womit man es beim OPC zu tun hat. Denn Opel meint es ernst!


Mächtig breit baut er, das tiefe Fahrwerk und die überaus feisten 20-Zöller fügen sich fast schon organisch in die Seitenlinie ein. Dazu ein paar Aerodynamik-Anbauteile, die die Untaten alter Manta-Tage vollends in Vergessenheit geraten lassen. So muss ein Sportmodell der Kompaktklasse aussehen. Doch das ist nicht alles, denn Opel darf sich keine Fehler mehr erlauben und hat die Hausaufgaben deshalb besonders gründlich erledigt. So blitzt beispielsweise unter den breiten Felgen unübersehbar die Brembo-Festsattelbremsanlage mit schwimmend gelagerten Scheiben ins Auge.


Die Vorderachse wird von der neuen HiPerStrut-Aufängung geführt (Wirkungsweise ähnlich der Ford RevoKnuckle) und zu guter Letzt sorgt eine mechanische Quersperre für eine schlupffrei Verteilung des Antriebsmoments.
Das ist auch nötig, denn auch leistungsmäßig hat man bei Opel in die vollen gegriffen. 280PS und deftige 400Nm presst man aus dem 2-Liter Vierzylinder-Turbo. Damit geht es nicht nur zügig auf 100km/h, sondern auch bis hinauf zu echten 250km/h. Dabei ist es nicht nur der blanke Geradeaus-Speed, der beeindruckt. Die Kurvenperformance dürfte ebenfalls mindestens auf Augenhöhe mit der Konkurrenz sein, schließlich hat Jockel Winkelhock bei der Abstimmung geholfen.


Wer es dann doch ab und an etwas ruhiger angehen lassen möchte, der kann das adaptive Fahrwerk auf Knopfdruck auch entschärfen. Genau wie das Motoransprechverhalten und die Servounterstützung. Nur die Recaros halten den Fahrer in jeder Stimmungslage fest im Griff. Doch wer will mit so einem Auto schon langsam fahren? Wir sollten glücklich sein, dass es endlich wieder echte Sportwagen in der Kompaktklasse gibt. Langsam fällt deshalb aus.

fm/Fotos Werk

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