one night in Paris – Mondial de l’Automobile 2012

Der Autosalon in der französischen Hauptstadt wird ein Fest. Nicht etwa, weil wir schon vorab auf Achse anreisen und mit dem neuen Opel Astra OPC die Vogesen unsicher machen, sondern weil die Messehallen prall gefüllt mit spannenden Neuheiten sind. Hier unsere kurze Übersicht der wirklich wichtigen Modellen:

Aston Martin: die Meister der diskreten Modellpflege haben wieder ein wenig modelliert. Hier einen Spoiler mehr, da ein Dach abgeflext und fertig sind die Neuheiten der Engländer. Der neue DB9 ist so neu eigentlich nicht, hat aber ein adaptives Fahrwerk und ein wenig mehr Leistung. Und eine Virage-Front. Und einen Preis. Den kennen wir aber nicht. Auch beim V12 Vantage Roadster das gleiche Spiel: das große Herz aus den elitären Baureihe, dazu das knappe Kleid des V8 mit Fetzendach. Schon noch schick, aber so ein bisschen hat man sich satt gesehen.

Audi: Wo soll man anfangen? A3 Sportback, S3, RS5 Cabriolet, RS6, R8 und Q5. Und von den obligatorischen Konzeptfahrzeugen haben wir da noch gar nicht geredet. Es wird also vor allem eines auf dem Stand der Ingolstädter: eng. Unser Highlight ist ganz klar der Erdgas-betriebene A3 Sportback. Nicht, weil wir nur noch mit dem Jutebeutel durch die Stadt laufen, sondern weil das dahinterstehende Gesamtkonzept wirklich Hand und Fuß hat. Wir werden darüber aber gesondert nochmal ein paar Worte verlieren. Daneben interessiert höchstens noch der RS6, der am anderen Ende der CO2-Skala rangiert. Zwar schaltet er auch brav seine Zylinder im Teillastbetrieb ab, der 4.0-Liter Biturbo-V8 wird aber dank seiner gut und gerne 500PS nicht nur an der Tankstelle für große Augen sorgen.

BMW: hält noch ein wenig hinter dem Berg. Im Fokus steht klar der kleine Van. Frontantrieb und Dreizylinder sind eine Ansage. Da werden sich die Hartgesottenen lange von erholen müssen. Den Verkäufen wird das aber nicht abträglich sein, denn die echten Spinner machen schon lange keinen großen Teil des Verkaufskuchens mehr aus. Und schön ist er auch. Schöner zumindest als der 1er mit drei Türen und der 3er touring, die ebenfalls auf der Messe stehen.

Ferrari: bringt angeblich einen neuen Enzo. Genaues weiß niemand, aber es wird auf jeden Fall für Aufsehen sorgen. Denn was den Namen von „il commendatore“ trägt darf schlicht und ergreifend nicht weniger als die Benchmark sein. Und es ist immer gut, wenn die Konstrukteure frei von jeglichen Limits sind. Unser Leistungstipp? Die acht wird vorne stehen. Sicher auch dank der KERS-Elektrotechnik.

Ford: wird richtig hübsch. Ein Aston-Martin in der Vetreter-Klasse. Denn nichts anderes ist der neue Mondeo. Selten war ein Volumenmodell derart hinreißend gezeichnet. Eine Front, die Dich als Betrachter sprachlos zurücklässt. Selbst in der Totalen gibt es am neuen Modell keine Ecke, an der man Kritik üben könnte. Dazu die neuen EcoBoost-Motoren und dem Platzhirsch aus Wolfsburg wächst ein ernsthafter Konkurrent für das Flottengeschäft. Beim chirurgischen Eingriff am Fiesta ging ebenfalls wenig daneben. Nur sollten die Kölner endlich ein potentes Sportmodell an den Start schieben um die Güte des Fahrwerks zu nutzen und dem Polo GTI und seinen Derivaten die Stirn bieten zu können.

Jaguar: hat es nicht leicht. Die Modellpalette ist frisch renoviert und gut aufgestellt. Dennoch klappt es mit den Verkäufen irgendwie so gar nicht. Mit dem neuen F-Type wird das wohl auch nicht signifikant besser, zumindest stellen die Briten damit aber wieder einen echten Leckerbissen auf die Straße. Lange Haube, knackiges Heck und ein knappes Stoffdach – ein echter Roadster eben. Unter der Haube mit Kompressor-V8, Hybrid-Technik oder gleich der 500PS-V8-Vollfettstufe. Hier wird nicht viel schiefgehen.

Mercedes: klotzen, nicht kleckern. Die Schwaben holzen so richtig in Paris. Und damit meinen wir nicht den absurd teuren Holzboden im Kofferraum des neuen CLS-Shootingbrake, sondern die Flügeltürer-Flotte, die an der Seine von der Leine gelassen wird. Da wäre zuerst der GT. Schneller, stärker und böser als der ordinäre Flügeltürer. Daneben der SLS Black. Noch schneller, noch stärker und noch böser. Wer als Partikelfilterer und Start-Stopper an dieser Stelle noch nicht tot umgefallen ist, der findet im SLS E-Cell das rettende Ufer. Wobei, eigentlich ist das auch nur ein Tropfen auf dem bereits viel zu heißen Stein. Und dann wäre da ja noch die neue A-Klasse. A 45 AMG. Zwar gibt es keinen 4.5-Liter-Motor, wie die Nomenklatur glauben macht, dafür aber satte 450Nm. Erzeugt von einem 340PS starken Vierzylinder-Turbo, der seine Kraft über ein Siebengang-DKG und Allradantrieb auf die Straße bringt. Das sitzt. Sicher.

MINI: verliert den Überblick. Den GP kann man aus marketingtechnsicher Sicht gut verstehen. Es gab schonmal einen, der verkaufte sich gut und zum Ende des Produktzyklusses sind Sondermodelle immer gut. Dass aus Rücksicht auf die Gewinnmarge keine eigene Ausbaustufe des 1600er-Turbos eingepackt wurde und auch eine mechanische Sperre durch Abwesenheit glänzt zeigt aber auch, dass sich das Kürzel G(rand) P(rix) wirklich nur auf den Preis bezieht. Ähnliches beim Paceman. Ein Countryman mit weniger Türen und weniger Platz. Für mehr Geld. Spannend. Ob das die im freien Fall befindlichen Verkaufszahlen auffängt? Wir finden das eher gewagt.

Opel: steht am Anfang. Oder am Ende. Der Name des neuen Kleinwagens zeugt aber vom Optimismus der Rüsselsheimer. Adam soll wieder junge Kunden locken. Höchst individualisierbar, fähig selbst modernste Multimedia-Inhalte ins Auto zu holen und das Ganze zu bezahlbaren Preisen. Es muss einfach funktionieren. Wir sind gespannt. Und kümmern uns auf der Messe um die technischen Daten. Denn die blieben bisher hinter all der Twitter-Integration, den Farbkombinationen und Ausstattungsvarianten versteckt. Aber – auch wenn wir an dieser Stelle etwas altmodisch anmuten – wir fahren eigentlich recht gerne mit einem Auto. Fürs facebooken haben wir ein Smartphone.

Peugeot: stemmt sich der Krise mit breiter Brust entgegen. Es gibt wieder einen GTI. Auf Basis des gelungenen 208. Die Technik spendiert der Citroen DS3 und damit der MINI Cooper S. Ein Volltreffer. Noch schärfer ist das nur der RCZ-R. Nicht nur, dass die Franzosen dem Coupé die Zahnspange entfernt haben, sie haben dem 1.6-Liter Turbo auch 260PS entlockt. Der Antrieb, der eigentlich auch in den MINI GP gehört hätte wird den RCZ fahrdynamisch ganz weit nach vorne spülen. Da sind wir sicher.

Porsche: präsentiert den ersten V8-Diesel in einer Zeit, in der ihn die Konkurrenz schon lange beerdigt hat. Doch er ist die einzig vernünftige Lösung einen schnellen Cayenne zu unterhalten, wenn der Nachname nicht auf „Sheikh… bin… al…“ endet. Denn die knapp 400PS und 850Nm trösten locker darüber hinweg, dass sich das Gemisch unter der Haube selbst entzündet. Neben dem Cayenne Diesel S wird auch der überarbeitete Panamera in Paris zu sehen sein. Ein Auto auf das wir wirklich gespannt sind. Denn der große Zuffenhausener fährt jetzt schon fantastisch, es ist aber immer etwas unangenehm mit verbundenen Augen zu fahren. Eine wenig mehr optische Raffinesse kommt da gerade recht.

Seat & Skoda: lassen den MQB von der Leine. Toledo und Rapid bilden den Einstieg unterhalb der neuen Wunderwaffe des Wolfsburger Gemischwarenladens – und sind ihrerseits bereits so vollkommen, dass man sich fragt, warum es überhaupt ein Leon oder ein neuer Octavia sein muss. Weil sie besser sind, so wird die knappe Antwort lauten. Wer aber braucht mehr als 100%? Doch die Marktforschung wird ihre Hausaufgaben gemacht haben. Bleibt zu hoffen, dass Seat auch endlich einen messbaren Teil der Verkäufe abbekommt.

VW: das Beste kommt zum Schluss. Die Wolfsburger stellen den neuen Golf aus. Das Auto. Und an dieser Stelle machen wir uns auch gar keine Mühe irgendetwas auszuformulieren. Weil, warum auch? Der Golf ist der Golf. Die Benchmark. Langweilig schimpfen ihn nur die, denen vor Neid die Argumente ausgegangen sind. Ende.

Text: fm
Bilder: Hersteller

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