Ruhesitz – der neue Honda CR-V

Hoch sitzen, sanft fahren und das Sportutensil einladen – das macht der Deutsche gerne. Zumindest, wenn man die Statistik richtig deutet und die Zulassungen der kleinen SUVs zusammenzählt. Da möchte jeder einen Teil vom Kuchen abhaben.

Besonders Honda, denn die Japaner waren es, die bereits 1997 mit dem CR-V den Softroader nach Europa brachten, in der Vergangenheit aber Federn gegenüber der erstarkten Konkurrenz lassen mussten. Das neue Modell soll es richten und bringt dafür viele gute Argumente mit. Dabei wird man eigentlich schon bei der Motorisierung stutzig: ein großer Geländewagen mit einem 2.0 Liter Benziner ohne Aufladung und Wandler-Automatik?

Denn auch wenn i-VTEC auf der Heckscheibe steht und damit nicht nur Steuerzeiten und Ventilhub verstellbar sind, sondern dank der Variable Timing Control sogar die Einlass- unabhängig von der Auslassnockenwelle – das Ergebnis ist eher dürftig. Zwar klingt die Leistung mit 155PS gar nicht mal schlecht, vielmehr sind es die 192Nm, die enttäuschen. So zumindest auf dem Papier. Denn auf der Straße schlägt sich der CR-V wacker.

Seine Fünfgang-Automatik schaltet fein und die Übersetzungen passen gut. Da fragt man sich schon, warum es unbedingt noch drei weitere Gangstufen sein müssen? Denn die ständige Schalterei der Konkurrenz mag zwar auf dem Prüfstand ein paar Zehntel Kraftstoff sparen, sie bringt aber vor allem Eines: Hektik. Und die ist dem neuen Honda vollkommen fremd. Vor allem, wenn man im ECON-Modus unterwegs ist.

Hier nimmt der CR-V nicht nur eine Anpassung der Drosselklappensteuerung zu Gunsten eines besseren Drehmomentverlaufes vor, er lässt bei Tempomat und Klimaanlagentemperatur auch geringe Abweichungen zu, um einen bestmöglichen Kraftstoffverbrauch zu erzielen. Da das höchste Einsparpotential aber nach wie vor beim Fahrer liegt haben die Honda-Ingenieure den ECO Assist aus den Hybrid-Modellen auch im neuen Softroader implementiert.

Fährt man im „grünen Bereich“, so leuchtet der Rahmen des Tachos in eben dieser Farbe, wird beschleunigt oder mit hoher Drehzahl gefahren, wechselt die Beleuchtung auf weiß um dem Fahrer zu signalisieren, dass er sich nun nicht mehr im effizientesten Betriebsbereich bewegt. Bis zu 15% Einsparung versprechen die Techniker, wenn man sich streng an den ECO Assist hält. Bei der für sparsames Vorankommen nötigen vorausschauenden Fahrweise behilflich ist die adaptive Geschwindigkeitsregelung.

Der radargestützte Tempomat findet erstmals Einzug in den Offroader und ist nicht nur einfach zu bedienen und zuverlässig im Erkennen der Verkehrssituation. So funktioniert er nicht nur gut beim Annähern auf vorausfahrende Fahrzeuge, sondern auch beim Spurwechsel. Und die können im neuen CR-V durchaus auch sportlich vonstatten gehen. Denn das Fahrwerk wurde extra für den europäischen Markt abgestimmt und so gefällt das Setup nicht etwa durch übertriebene Sportlichkeit, sondern mit einem gelungenen Kompromiss aus Komfort und Kurvenkompetenz.

Eine McPherson-Vorderachse und eine Multilink-Hinterachse sorgen in Zusammenarbeit mit einer sauber abgestimmten adaptiven Servolenkung und dem neuen Real Time All Wheel Drive-Antrieb für diesen guten Eindruck. Im Gegensatz zum Vorgänger arbeitet das Allradsystem nicht mehr rein hydraulisch, sondern mit einem Elektromotor, der den Öldruck für die Zuschaltung der Lamellenkupplung der Hinterachse bereitstellt. Zum Einen spart das System Gewicht (-16.3kg), zum Anderen reagiert es schneller auf Reibwertunterschiede und steigert so die Fahrsicherheit.

Zwar bot sich auf unserer Testfahrt keine Gelegenheit den Allradantrieb richtig zu nutzen, den nassen Wiesenhügel hinauf zum Fotopunkt bewältigte der CR-V aber mühelos. Und viel größere Aufgaben wird ihm das Gros der Kunden auch kaum zumuten. Deshalb wird es den neuen CR-V in der Einstiegsvariante auch erstmals ohne Allradantrieb geben. Diese frontgetriebene Version ist nicht nur besonders leicht, sondern verbraucht mit 7.2 Litern Kraftstoff auf 100km auch weniger als seine Allrad-Brüder (7.4 Liter). Diesen Wert haben wir zwar nicht ganz erreicht, die vom Bordcoumputer vermeldeten 8.4 Liter/100km sind aber für ein Auto dieser Größenordnung in Ordnung und zeigen, dass der ECO Assist in Kombination mt den ECON-Maßnahmen wirkungsvoll arbeitet.

Wirklich viel bekommt der Fahrer vom Aufwand unter dem Blech allerdings nicht mit. Und das gilt als Kompliment. Denn der neue CR-V ist ein entschleunigendes Auto. Der Innenraum ist großzügig geschnitten, der breite Armaturenträger nicht nur optisch gelungen, auch haptisch ist der Japaner der Konkurrenz aus Korea noch ein deutliches Stück voraus. In Sachen Variabilität überzeugt der Honda ebenfalls. Der Kofferraum ist mit knapp 600 Litern Volumen Klassenbenchmark und die Rückbank faltet sich mit einem Griff kunstvoll ineinander und gibt so weitere 1000 Liter Volumen frei.

Nach der Weltpremiere auf dem Pariser Autosalon 2012 steht der Honda CR-V ab sofort zu einem Grundpreis von 22.990 EUR beim Händler.

Die Bildergalerie zum Honda CR-V finden Sie HIER in unserer Flickr-Galerie. Das Foto-Fahrzeug war allerdings ein 150PS 2.2 i-DTEC, kein Benziner!

Technische Daten:

Modell: Honda CR-V 2.0 iVTEC 2WD
Motor: 4 Zylinder Benziner, 1997cm³
Leistung: 114kW/155PS
Drehmoment:192Nm
Antrieb: Front, Sechsgang-Schaltgetriebe
Verbrauch: 8.4l/100km Benzin
0-100km/h:10.0sec
Vmax: 190km/h
Preis: ab 22.990 EUR

Text: Fabian Mechtel
Bilder: Fabian Mechtel

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