Impression – Porsche 996 GT3

Er hat Jehova gesagt! – so oder so ähnlich wird das Raunen durch die Reihen in der Zuffenhausener Entwicklerrunde gegangen sein, als die neue Marschrichtung klar wurde. Wasserkühlung. Der Antichrist. Das Ende.

Wohl aber doch eher der Anfang. Und nachdem die neue Form der Kühlung in den Modellen Boxster und 911 für große Erfolge sorgte, wurde 1999 auch den Hardlinern wieder Honig ums Maul geschmiert. Denn in diesem Jahr wurde der GT3 präsentiert. Ein echter Sportler. Durchtrainierter denn je und im besten Sinne der vorangegangenen Carrera RS-Modelle. Und das Wehklagen fiel so groß auch nicht aus, handelte es sich beim Triebwerk des neuen Modells im Grunde doch um das schon seit vielen Jahren bekannte Mezger-Renntriebwerk, dem ein Wassermantel um die Laufbuchsen geschweißt wurde.

Doch genug der Therorie, schnell den alten Boxer aus der Garage geschoben. Kein 99er und auch kein Clubsport, dafür als 2001er-Modell immer noch mit dem hinreißenden Bumerang und ganz rückenfreundlich mit turbo- statt Ohrensesseln. Es ist jedes Mal wieder ein Fest, wenn der Sechszylinder nach Monaten der Ruhe das erste Mal zum Leben erwacht. Ein dumpfer Schrei auf etwas mehr als 2000 Umdrehungen und schon verfällt der GT3 in einen ruhigen Leerlauf. Zwar klappern die leergelaufenen Hydros noch ein wenig bis das Öl sie wieder zur vollen Größe aufgepumpt hat, das tut dem Erlebnis aber keinen Abbruch.

Denn was für ein Erlebnis. Nach einer guten halben Stunde des Einfahrens, wenn das Öl den Motor schön durchgewärmt hat, die Fliehkraft den zarten Standplatten aus der Karkasse gebügelt hat und man sich als Fahrer mit den ungewohnt hohen Bedienkräften des alten Sportlers vetraut gemacht hat, kann es losgehen. Das erste Mal 7500 Umdrehungen, das erste Mal die perfekten Ganganschlüsse und die exakte Schaltbarkeit des Getriebes auskosten, das erste Mal das Toben des Boxers genießen, wenn er nach Schließen der Resonanzklappen ungestüm dem Begrenzer entgegenfräst.

Es ist ein Fest – und dabei sind wir nur geradeaus gefahren. Richtig schön wird es im GT3 jedoch erst, wenn sich Hügel am Horizont abzeichnen, die Straßen enger, die Kurvenradien kleiner und das Verkehrsaufkommen ausgedünnt wird. Das Schraubfahrwerk wurde nicht für topfebene Rundstrecken abgestimmt, sondern einzig und allein für die schnelle Partie über Land. Straff aber nicht hart führt es den schnellen Elfer immer auf der Ideallinie. Das aber nicht von alleine, denn der Bumerang verlangt stramme Zügel. Er tanzt, keilt aus, springt und giert. Er will zügig bewegt werden. Richtig zügig. Und je härter Du mit ihm umgehst, desto besser funktioniert er.

Das gilt aber nur, wenn die Reifen mitspielen. Und in unserem Falle waren die P Zero Rosso mit ihrer DOT aus 2005 so etwas wie der Partykracher. Beim tiefen Anbremsen stellten sie die Regelstrategie des ABS-Systems vor ein Rätsel, beim Herausbeschleunigen aus engen Kehren wischt das Heck ansatzlos weg. Aber nach dem ersten Überraschungsmoment hat man sich schnell auf das geringe Gripniveau eingeschossen. Fahrspaß kann so simpel sein. Keine aktiven Dämpfer, keine verstellbaren Differenziale, keine Stabilitätskontrollen und nicht mal eine Traktionshilfe. Nur Du, das Lenkrad und drei Pedale.

So ist der 996 GT3 aus der ersten Serie auch nach über elf Jahren immer noch ein fantastisches Automobil. Seine jüngeren Ableger sind zwar allesamt schneller ums Eck und selbst die jungen Wilden aus der Focus RS-Klasse machen ihm auf der Autobahn das Leben schwer, aber der Bumerang bleibt etwas Besonderes. Der Königstuhl.

Die komplette Bildergalerie zum von uns gefahrenen Porsche 996 GT3 Mk1 finden Sie im Kraftklub mit M. Viel Spaß!

Text: Fabian Mechtel
Bilder: Axel Griesinger

Schreibe einen Kommentar

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: