Einfach (,) gut – der Dacia Duster 1.5 dCi 4×4

Nein, man kann nicht behaupten das wir Freunde der Marke Dacia sind. Warum? Weil das Verkaufen von alter Technik in neuen Kleidern einfach nicht unserem Fortschrittsgedanken entspricht.

Sich dafür zu feiern ein neues Auto für einen geringen Preis anzubieten ist das Eine. Das Ganze auf komplett amortisierten Fertigungsstraßen zur montieren; Motoren und Antriebsstränge zu implantieren, die bereits einige Modellgenerationen früher beim Mutterkonzern vom Band liefen, das Andere. Unser Argument anstatt eines neuen Dacia einfach einen gebrauchten VW zu kaufen und damit das modernere Automobil, erschien uns lange Zeit als schlüssig. Bis irgendwann in diesem Sommer der Duster vor unserer Tür stand.

Sicher, über die braun-metallic-farbenen Dekorleisten im Innenraum kann man ebenso streiten, wie über die Notwendigkeit von Ledersitzen in einem 13.000 Euro teuren Nutzfahrzeug. Aber sei es drum, wir fanden den kleinen Geländewagen richtig gut. Warum? Weil er einfach ist. Kein Schalter zuviel, keine Option zu wenig. Servolenkung, Airbags, ESP und Klimaanlage sind an Bord, dazu ein CD-Radio mit AUX-Anschluss. Das reicht. Ein schnödes 3.5mm-Klinkekabel tut seinen Job, da braucht es keine aufwändig programmierte iPhone-oder-Android-Schnittstelle, die am Ende sowieso nicht mit der Sortierung der Ordnerstruktur zurecht kommt.

Klar, die Sitzposition im Dacia ist nicht elektrisch einstellbar und erinnert auch eher an einen Kutschbock, aber stört das weiter? Nein, denn das Fahrwerk ist komfortabel genug. Herrlich weich ebnet es selbst die schlimmsten Frostaufbrüche ein und behält sogar im Gelände die Contenance. Am meisten Spaß macht der kleine Geländewagen aber bei der schnellen Partie auf der Landstraße. Der richtig schnellen. Natürlich steht man mit den eher lethargischen 109-PS die das Renault-Triebwek freigibt nicht unbedingt auf der Pole-Position, aber mit einem einfachen Rezept hat man tüchtig Spaß im Dacia: einfach immer Vollgas geben. Selbst in den Kurven das Gas nicht lupfen.

Die 235mm breiten Michelin-Gummis verbeißen sich mit dem Asphalt, die Fuhre bekommt Schräglage, dass beinahe die kurvenäußeren Außenspiegel am Boden schleifen – großartig. Vor allem das Gesicht der vermeintlich deutlich schnelleren Vorausfahrenden, wenn der wildgewordene Duster im Rückspiegel größer und größer wird. Nur mit dem späten Anbremsen muss man vorsichtig sein. Denn Dacia lässt den SUV mit Trommelbremsen an der Hinterachse vom Band rollen. Und diese sind nicht gerade das, was man als bissig bezeichnen würde. Wohl liegt es auch daran, dass der Duster bei 170km/h elektronisch in der Geschwindigkeit begrenzt wird. Doch auch hier zeigt sich: weniger ist mehr.

Denn bei diesem Tempo hat man die Fuhre trotz des hohen Aufbaus und der satten Federwege noch locker im Griff. Backstein aufs Gas, warten bis abgeregelt wird und seinen Weg auf der Autobahn ziehen. Radargestützter Abstandstempomat? Wer bitte braucht so etwas? Überhaupt haben wir nicht viel vermisst im Duster, sondern uns eher am Verzicht an Ausstattung erfreut. Die Kunststoffe sind zwar eher von der harten Sorte, dafür aber pflegeleicht. Zur Not könnte man wohl auch mit dem Kärcher durch den Innenraum gehen, ohne größeren Schaden anzurichten.

Einzig vielleicht die nachträglich installierte Parrot-Freispreich-einrichtung, die bei uns im Test schon den ersten Tag nicht überlebt hat. Ein unbeabsichtiger Kniekontakt und die Bedieneinheit baumelte am Kabel vor dem Schalthebel. Das passte nicht recht zum soliden Eindruck, den der Duster sonst bot. Aber ein wenig Gewebeklebeband half den Schaden zu beheben. Und an dieser Stelle sind wir plötzlich mit mehr böse drum, dass der Dacia auf relativ alte Technik vertraut: denn so ist man in der Lage Dinge auch einfach mal selbst zu reparieren.

Man muss nicht mehr ständig in die Werkstatt, sondern kann Kleinigkeiten auch beim örtlichen Schrauber ohne wöchentlich upzudatenden Diagnose-Overkill wieder in Ordnung bringen lassen. Wir finden das gut, denn in einer Welt, in der sich der automobile Fortschritt meist nur noch durch gesteigerte Komplexität von Infotainment- und Fahrerassistenzsystemen auszeichnet, bietet der Duster eine willkommene Entschleunigung.

Er ist ein unkompliziertes Auto. Ein praktisches Auto. Ein fröhliches Auto. Einfach und für wirklich jeden Spaß zu haben. Wir finden das gut. Richtig gut sogar. Und das hatten wir nicht erwartet. Überhaupt nicht. Gratulation, Dacia!

Text&Bilder: Fabian Mechtel

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