Neues Fahren – der Opel ADAM

Ein Automobil braucht zum Antrieb zwingend einen Motor. Wäre dieser nicht unbedingt notwendig, der Opel ADAM hätte keinen. Nicht, weil er eine spartanische Blechdose ist, nein, sondern weil er das Thema Automobil aus einem völlig anderen Blickwinkel betrachtet.

Es geht nicht mehr um Leistung, um Querbeschleunigung, sogar der Verbrauch rückt in den Hintergrund. Er bewegt Dich zwar fort, dennoch scheint Fortbewegung eigentlich nicht seine Kernkompetenz zu sein. Der ADAM ist Ausdruck der eigenen Persönlichkeit. Kein Teil an der Karosserie oder im Innenraum was man nicht nach seinen Wünschen einfärben, verzierleisten, bekleben oder LED-beleuchten könnte. Selbst für die Fußmatten gibt es verschiedene Motive. Man sagt es gäbe 35.000 verschiedene Konfigurationen. Sinnvoll, vor allem aber geschmackvoll sind mit Sicherheit deutlich weniger, was an dieser Stelle auch nicht unser Problem sein soll.

Auch das nicht, dass der ADAM eigentlich keine Leistung hat. Die zum Marktstart angebotenen Motorisierungen bewegen sich alle auf ähnlichem Niveau, so gibt es da einen 70PS 1200er und zwei 1400er mit 87PS, sowie 100PS. Allesamt  herkömmliche Saugrohreinspritzer ohne aufwändige Hightech-Features. Geschaltet werden die Drei manuell über ein Fünfgang-Getriebe. Wer zügig vorankommen will, dem hilft allerdings auch kein hohes Engagement beim Sortieren der Gänge. Denn die von uns gefahrene motorische Mitte ist aus sportiver Sicht schon eher blass. Dass es die 13 Mehr-PS der Variante mit scharfem Kennfeld herausreißen, wagen wir an dieser Stelle zu bezweifeln.

Die ideale Entscheidung ist also der Basismotor. Wenn schon wenig, dann richtig wenig. Denn im Prinzip braucht ein gutes Stadtauto nämlich nur vier Extras: Automatikgetriebe, Standheizung, Sitzheizung und ein gutes Soundsystem. Wer diesen Tipp beherzigt – den im Übrigen nicht wir uns ausgedacht haben, sondern der Autohändler unseres Vertrauens – der ist für den alltäglichen Verkehrswahnsinn der Innenstädte bestens gerüstet. Zwar gibt es den ADAM ab Werk nicht mit einer Standheizung, dafür wärmt der kleine Rüsselsheimer auf Wunsch aber das Lenkrad. Das Infinity-Soundsystem kümmert sich dazu mit sattem Bass und überraschend feinen Höhen ebenfalls für ein angenehmes Ambiente.

Beschickt werden können die Lautsprecher über das geniale IntelliLink-System. Der zentrale Touchscreen nimmt das Smartphone des Fahrers nicht nur zum Telefonieren an die Leine, sondern lässt es gleich ganz die Rechenarbeit übernehmen. Das Handy navigiert, streamed Musik, hält per Facebook und Twitter Kontakt zur Außenwelt und der Fahrer kann das Ganze bequem über das erfreulich empfindlich reagierende Display steuern. Netter Nebeneffekt dieses neuen Infotainment-Ansatzes: IntelliLink kostet nur 300 EUR Aufpreis und geht mit der Zeit, schließlich kann keine Hardware veralten. Neuerungen halten durch einfaches updaten der Apps Einzug in den ADAM.

Da man aber trotz all dieser modernen Features noch am Straßenverkehr teilnehmen muss, bleibt am Ende die Frage nach dem Fahren. Ja, der kleine Opel fährt. Gut sogar. Fröhlich, knackig und lebendig. Sie wissen eben was sie tun am Main, wenn es darum geht ein vernünftiges Chassis auf die Räder zu stellen. Gefühl für die Fahrbahnoberfläche hat man mit der elektrischen Servolenkung zwar nicht, im City-Modus kann man dafür aber mit nur einem Finger die Richtung vorgeben und kann so alle neun verbleibenden für eine Statusänderung im Web2.0 nutzen. Zielgruppengerecht eben.

Fahrerassistenzsysteme gibt es auch, einen Totwinkelwarner etwa oder einen automatischen Einparkassistenten. Beides Features, die perfekt zum Auto passen. Zum Einen, weil man schnell mal abgelenkt sein kann wenn man es mit dem Infotainment übertreibt, zum Anderen, weil ein Großteil der Fahrer a) in der Stadt mit engstem Parkraum zurechtkommen muss und b) als Fahranfänger meist kein begnadeter Einparker ist. Er ist also wirklich durchdacht, der ADAM. Ein Auto auf das die Rüsselsheimer zu Recht stolz sind und was die richtigen Signale setzt für die Marke, die viel Kritik hat einstecken müssen in der vergangenen Zeit. Opel wird mit dem smarten Kleinwagen wieder an Strahlkraft gewinnen. Innovativ, modern und dennoch leistbar. Da bleibt nicht viel Raum für Kritik.

Auch für die Benzinbrüder wird es bald Passendes geben: einen aufgeladenen Direkteinspritzer mit einer Leistung irgendwo im Bereich um 140PS. Das wird gut fahren, vor allem aber aussehen, denn statt femininer Blümchenmuster auf der C-Säule gibt es ein Vinyldach und fette Räder. Das tiefergelegte Sportfahrwerk versteht sich von selbst. Und wir sind uns sicher, dass es sowohl mattschwarze Folienoptionen für die Haube geben wird, als auch das klassische Farbschema weiß/gelb. Wenn man dann noch einen GT/E-Sticker ins Programm aufnimmt, ist alles gut. Wobei, diejenigen die wissen wovon wir gerade sprechen werden von A2DP-Streaming und Facebook ähnlich viel verstehen, wie die avisierte ADAM-Klientel von der Abstimmung der Doppelweber am CIH…

Um es kurz zu machen: der neue Opel hat die richtigen Antworten für die Fragen einer neuen Käufergeneration. Er ist weniger Auto und bietet deshalb mehr. Er ist einfach eine neue Art des Fahrens.

Die gigantischte Bildergalerie die unsere asphaltfrage.de bisher je gesehen hat, gibt es im Flickr!

Die Fanatiker von Fanaticar sind den Ädäm im schicken Gelb gefahren, Jens Stratmann in einem Limonengrün. Anschauen!

fm

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