Abgespielt – unser Mixtape 2012

Musik gehört zum Autofahren wie Kraftstoff. Es gibt wenig entspannenderes, als auf einer langen Autobahnetappe eine gute Playlist zu hören. Und da wir in 2012 wieder viel unterwegs waren hatten wir genug Zeit unsere Favoriten herauszuhören.

asphaltfrage.de | Mixtape 2012 | Opel ADAM Infinity Soudnsystem

Bei allen zehn Tracks geben wir zuerst einen Überblick über die Band, danach unsere Tipps für die EQ-Einstellungen im Auto ( 3 Bänder, maximal +/-5 als Referenz) und Situationsvorschläge, in denen die entsprechenden Titel besonders gut funktionieren.

1. Beginnen müssen wir mit Sail von Awolnation. Normalerweise haben wir es nicht so mit Synthie-Rock, aber das Lied ließ uns seit dem unfassbaren Wingsuit-Sprung von Jeb Corliss nicht mehr los. Und so war es während unserer Zeit am Polarkreis unser ständiger Begleiter im Repeat, während der Elfer über das Eis segelte.

Tone: Bass +3, Mitte 0, Höhen +2

Stimmung: wenn man es einfach mal laufen lässt. Nicht im Sinne von Strecke oder Geschwindigkeit, sondern im Wahnsinn. Quer fahren, am Limit sein, ein wenig außer Kontrolle.

Der eigentliche Reiz des Liedes ist der Synthiebass, der im ganzen Lied nur drei verschiedene Töne kennt, dafür aber ordentlich reinfährt. Man müsste der Anlage im Auto demnach alle Reserven im tieffrequenten Bereich entlocken, allerdings muss man dann schon auf ein wirklich reaktionsschnelles System zurückgreifen können. Im Normalfall gibt es nämlich bei zu hoch eingestelltem Bass-EQ nur noch einen undefinierbar wabernden Brei.

2. Ein großer Klassiker ist Mobys Flower. Kaum ein Petrolhead kennt nicht die Eingangszenen zu Gone in 60 seconds, in denen die Kamera an der alten Werkstatt-Pinnwand vorbeifährt, Pokale und alte Dietriche zeigt. Und was die Titelmusik zu einem Film ist, in dem eine blondgefärbte Angelina Jolia MV Agusta F4 und Ferrari 275 GTB fährt, muss einfach gut sein.

Tone: Bass +2, Mitte +2, Höhen +1

Stimmung: wenn man im Stau steht. Einfach zurücklehnen, aufdrehen und genießen. Von altem Blech und dem Geruch von Kraftstoff, verbranntem Gummi und heißem Öl träumen.

Man muss auf die Höhen aufpassen. Ein wenig zu viel und die dreckig Snare wird unangenehm. Dass mit dieser Einstellung der Gesant ein wenig an Präsenz verliert ist Nebensache, denn das Stück lebt von den anderen Elementen, etwa dem treibenden Schlagzeug und der heftig verzerrten Gitarre. Das charakteristische Klavier ist sowieso über jeden Zweifel erhaben und wird von einer erhöhten Mitte fein hervorgehoben.

3. Fuck the world off – manchmal ist es einfach so. The Kooks als Stimmungsaufheller, selten hat man der miesen Stimmung sympathischer auf die Sprünge helfen können. Es ist das antreibt, ohne zu übertreiben. Und sowas braucht man einfach in der Playlist.

Tone: Bass +2, Mitte +3, Höhen +3

Stimmung: wenn Du spät dran bist und der Verkehr nicht so läuft, wie Du es gerne hättest. Man fährt schärfer, aber ohne jede Aggression.

Der Text drückt es zwar unmissverständlich aus und doch nimmt die Melodie jede Spur von Schärfe. Vor allem ist es die Gitarre, die dafür sorgt. Mit herrlich britischem Sound mault sie sich durch den Song und darf sogar für ein feines Solo alleine die Führung übernehmen.

4. Die Skandinavier neigen gerne zur Melancholie, man muss aber nicht gleich ein trauriger Einzelgänger sein um an den Mavericks von Johnossi Gefallen zu finden. Manchmal gibt es einfach Tage. Und dann ist dieses Lied genau richtig. Ruhig, fast weinerlich zu Beginn und mit einer mitreißenden Steigerung hin zum rauen Finale.

Tone: Bass 0, Mitte +1, Höhe +1

Stimmung: wenn nichts zusammenläuft. Es ein Tag zum Vergessen war und man auf dem Heimweg ist. Hilft!

Eine klare Akustikgitarre untermalt den traurigen Gesang. Erst fein und ruhig, mit zunehmender Dauer gewinnen die Schweden aber an Intensität, die Bassgitarre wird markanter und die Drums treibender, bis sich das Ganze mit heftiger Verzerrung im impulsiven Höhepunkt entlädt. Herrlich befreiend!

5. She lights the fire then she goes. Ein passenderer Text zum Autofahren scheint kaum vorstellbar als in Fires von Feeder. Leider ist der Auszug im Kontext schon eher auf der traurigen Seite. Doch der Song reißt Dich derartig mit, dass Du die Dame einfach aufhältst, bevor sie geht.

Tone: Bass +3, Mitte +4, Höhen +3

Stimmung: wenn es richtig vorwärts gehen soll. Von null auf hundert in vier Sekunden. Mit diesem Song macht man Meter.

Nicht das der kreischende Gitarrensound zu Beginn nicht gut genug wäre, nein, nach vier Sekunden fährt die Snare derart ein, dass es Dir fast den Kopf abreißt. Hier geben alle Vollgas. Besser man hat ein pegelfestes Soundsystem und einen Antrieb, der ein großes Feuer entfachen kann, denn dieses Lied geht einfach vorwärts.

6. Es ist selten, dass eine Band live besser klingt als im Studio. The Jezabels gehören definitv dazu. Grotesk eigentlich, dass sie erst durch ihre Begleitmusik von Danny MacAskills Radelvideo bekannt wurden. Selbst der NME sagt, dass sie zu den Bands gehören, die man 2012 gehört haben muss!

Tone: Bass +1, Mitten +2, Höhen +2

Stimmung: immer. Und man hört sich nie satt.

Zwar stehen sie nun endlich bei einem Major-Label unter Vertrag, doch der Sound auf der Platte ist leider völlig stumpf. Weder kann man die vielschichtigen Nuancen des Klaviers besonders heraushören, noch die Ideen der Gitarre. Selbst das kraftvoll gespielte Drumset bleibt blass. Nur der Gesang von Hayley kommt gut. Ein Stimmumfang und eine Intensität, die Ihresgleichen sucht. Und live sind die vier sowieso ein Traum. Nicht umsonst sind wir mit diversen Testwagen dieses Jahr quer durch die Republik gefahren um die Australier bei vier Konzerten zu begleiten…

7. It’s used in geology – you dredge rivers. We were heavier and we liked the thought of digging deeper. So beschreibt sich dredg selbst und trifft damit ins Schwarze. Feiner Progressive Rock, dessen Songs niemals enden wollen und manchmal auch Ausflüge hin zu längst vergangenen Sounds. Down to the cellar ist so ein Beispiel – besser hätte Pink Floyd das auch nicht hinbekommen.

Tone: Bass +2, Mitte +3, Höhen 0

Stimmung: wenn Du unterwegs bist. Ein Lied, dass Deine Gedanken entführt.

Der Name ist Programm, „down to the cellar“ mit drop-D-Stimmung, schwersten Bass und eingängiger Gitarre im loop. Dazu eine knackige Snare. Fertig. Eine Komposition, die Dich abschweifen lässt, träumen. Und immer ein wenig an den GTO von Nick Mason denken…

8. The world is our ____, dieser Titel zeigt dass die Texaner von This will destroy you nicht eben im Mainstream unterwegs sind. Kaum ein Lied bleibt unter der 07:00 min-Marke, Gesang gibt es nicht, stattdessen breitgefächerten Instrumental-Sound. Mit einer Intensität die einfach traumhaft ist.

Tone: Bass +1, Mitten +2, Höhen +1

Stimmung: wenn Du unterwegs bist. Richtig lange unterwegs. Musik die die Zeit anhält.

Es braucht keine besonderen Soundpresets für die Lieder von TWDY, einfach ein wenig Lautstärke. Ideal in Kombination mit blauem Himmel und einem Fahrtziel in mehr als 500km Entfernung. Tempomat auf Richtgeschwindigkeit, Musik ab und noch bevor das Album das erste Mal durchgelaufen ist, ist man angekommen. Einfach so.

9. Zwei Fender Stratocaster und eine Telecaster in erster Reihe, dazu Effektgeräte an denen der Reverb auf Anschlag steht und ein Schlagzeug, dass weiß was es tut – das sind Explosions in the sky. Eigentlich müssten (wie bei den meisten Bands hier) alle Lieder in die Playlist, besonders aber The birth and death of the day.

Tone: Bass +3, Mitten +3, Höhen +3

Stimmung: siehe #8. Idealer Spielpartner von TWDY.

Wer über ein pegelfestes und bassstarkes Soundsystem verfügt, der darf sich freuen. Denn wenn die erste Bassdrum zupackt und die Lautsprecher die Situation noch unter Kontrolle haben, gibt es kein Halten mehr. Zwei Leadgitarren, die sich mit den Melodien abwechseln, Drums die zart begleiten, bei Bedarf aber doch mehr als ordentlich durchgreifen und alles wieder ohne Gesang. Keine Musik für jeden Tag, nicht fürs Büro und nicht für Zwischendurch. Musik zum Genießen. Im Auto. Je länger, desto besser.

10. Und wenn es am Ende dank der Postrock-Ausschweifungen doch einmal zu lange wurde, die Müdigkeit einsetzt und man noch die letzten 100 Kilometer durchhalten muss bleibt nur eins: Best of you von den Foo Fighters.

Tone: Bass +2, Mitten +3, Höhen +2

Stimmung: kurz vor Schluss. Wenn nicht mehr viel geht. Dave Grohl holt Dich zurück. Immer!

Mitsingen. Laut Mitsingen. So, dass die Stimmbänder am Ende des Liedes heiser sind vor Anstrengung. Eben so, wie Dave Grohl es vormacht. Die Foo Fighters sind einfach unübertroffen. Schnelligkeit, Impulsivität und mit Breaks, wie sie besser nicht ausgeführt sein könnten. Musik, die Dich mitreißt. Egal wann, einfach immer.

(11.) Zwei Südafrikaner, ein Brite, ein Italiener und ein Deutscher – Livingston eine internationale Band, was man an Ihrem Sound schnell merkt. Fire to Fire ist ein Album, das bei uns mit überraschend hoher Dauer im Auto blieb, vor allem dank Somebody. Doch dem Sound und dem Habitus, den die Band auf der Konserve bietet wird sie live nicht im Entferntesten gerecht. Das Konzert war eine der größten Überraschungen in 2012. Im Negativen. Deshalb sind die Fünf auch nicht in der Top Ten gelandet…

Und nicht nur wir haben ein Mixtape erstellt, nein, auch alle Kollegen aus der Auto-Blogosphäre. Reinhören!

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