Und irgendwann geht Dir die Straße aus – im Subaru BRZ

Er ist ein Auto, das es eigentlich nicht mehr geben darf. Ein Auto zum Fahren. Zum Benzin verbrauchen. Zum Spaß haben. Ein Auto mit drei Knöpfen. Mehr haben wir zumindest nicht gedrückt.
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Da wäre der Startknopf. Dämlich positioniert ist er und irgendwie ist man auch verwundert, warum ein Auto, welches nicht einmal über einen Komfortblinker verfügt, nicht einfach mit einem Schlüssel gestartet werden kann – aber sei es drum. Leicht rumpelnd erwacht der Boxer zum Leben und scheint sich im Kaltlauf nicht sofort für die richtige Leerlaufdrehzahl entscheiden zu können.

Aber das ist nur höflich, denn in der Zeit in der sich das Triebwerk noch nicht so recht weiß wie es heute so aufgelegt sein mag, bleibt Dir als Fahrer auch ein Moment der Ruhe um zu sinnieren welchen der anderen beiden Knöpfe Du drücken magst.

asphaltfrage.de | Testbericht | Subaru BRZ | Wallpaper 2Der Eine ist der VSC-Sport-Taster. Damit lockert man die elektronische Spaßbremse und der Subaru darf an einer längeren Leine laufen. Aber auch wenn das in schwachen Momenten am Lenkrad hilfreich sein kann, so ist es am Ende doch so ein bisschen wie „nur gucken, nicht anfassen“ – und damit schnell langweilig. Weil der wahre Zauber erst mit dem Druck auf den ESP-Off-Schalter beginnt. Nun wird mit offenen Karten gespielt. Wenn es jetzt nicht passt liegt es an Dir. An niemand sonst. Denn der kleine Japaner hat alle Zutaten die ein Auto schnell machen: einen tiefen Schwerpunkt, ausreichend Leistung, ein knorriges Schaltgetriebe, eine herrlich direkte Lenkung, ein trockenes Fahrwerk, eine mechanische Sperre und – natürlich – Heckantrieb.

asphaltfrage.de | Testbericht | Subaru BRZ | Wallpaper 3Am Anfang ist man noch vorsichtig, fährt zu zaghaft, ist verdorben vom seit Jahren üblichen Turbo-Leistungsüberfluss. Weil man sich die Beschleunigung ein wenig, naja, schärfer vorgestellt hat. Dazu kommt, dass man das Auge für die Strecke verloren hat. Die Bremspunkte liegen im >350Nm-Nebel verborgen, denn zur Not hat man einfach nochmal schnell den Ladedruck aufgedreht und niemand den verfrühten Panikbremser bemerkt. Doch passiert Dir derartiges im BRZ, verhungert er Dir einfach vor der Kurve. Unangenehm.

asphaltfrage.de | Testbericht | Subaru BRZ | Wallpaper 4Vor allem wenn irgendsoein Hipster im Mini JCW mit dem Telefon am Ohr an den Rückleuchten hängt. Der Subaru verlangt also Konzentration. Schenkt man ihm diese, funktioniert der kleine Sportler plötzlich vorzüglich. Die Drehzahlnadel darf einfach nicht unter 6000 Touren fallen, denn bis zum Abregeln bei 7800 Umdrehungen bleibt da genug Luft für schnelle Sprints zwischen den Kurven. Und in der Kurve bleiben sowieso nur die Wenigsten am BRZ dran. Er liegt sehr sauber und das beinahe schon sagenumwobene Drifttalent zeigt er nur wenn man es provoziert.

asphaltfrage.de | Testbericht | Subaru BRZ | Wallpaper 5Denn auch wenn das Querfahren schwer lässig aussieht, so macht es Dich einfach nicht schneller. Ein sauber in der Kurve positionierter Subaru, noch dazu in korrektem Gang, ist dafür so schnell nicht zu biegen. Und die Lenkung ist Dir für diese Aufgaben wirklich ein sehr dankbarer Partner. Obwohl elektrisch, gibt sie doch ein gutes Gefühl für die Straße zurück – sie scheint regelrecht dankbar dafür zu sein sich nur ums Lenken und nicht auch noch ums Antreiben kümmern zu müssen.

asphaltfrage.de | Testbericht | Subaru BRZ | Wallpaper 6Und so etwas wie Dankbarkeit spürt man dann auch, wenn nach der ersten verfeuerten Tankfüllung die Reflexe wieder ausgegraben sind. Wenn Du das Auto verstanden hast, seine Eigenarten und sein Gripniveau kennst. Dann kann der Gaseinsatz schärfer werden, die Bremsdrücke gröber und die Lenkbewegungen flinker. Und irgendwann kommt das Heck. Ganz sachte, fast cremig läuft der BRZ mit dem Heck aus der Spur. Ein wenig die Lenkung aufmachen, die Drosselklappe ein Stück weiter öffnen und im Grenzbereich der Reifenhaftung die Kurve ausmalen.

asphaltfrage.de | Testbericht | Subaru BRZ | Wallpaper 7Herrlich. Vorbei ist es mit der Analytik der Radienabfolge, mit dem Zeitenfeilen und der Verkrampftheit. Plötzlich ist alles ganz locker. Nur Du, drei Pedale, ein Lenkrad und der Getriebe-Taktstock. Fahren in seiner schönsten Form. Das Ganze geht mit jedem Kilometer eleganter, schnell erwischt man sich sogar dabei, wie man die Berufsverkehrskolonne mit einem weit heraushängenden Hinterteil irritiert. Und dann ist der richtige Zeitpunkt gekommen den Subaru abzustellen.

Weil der Moment kommen wird in dem Dir die Straße ausgeht. Weil Du irgendwann eine falsche Eingabe gemacht hast. Weil Dir Frontantrieb und ESP die Reflexe ruiniert haben. Der BRZ ist einfach zu spät dran für die Generation Golf. Wir sind verdorben. Und dankbar dafür die Magie, das echte, ungefilterte Fahren, noch einmal erlebt haben zu dürfen. Aber auch dafür, den Schlüssel zur rechten Zeit fallengelassen zu haben…

In diesem Sinne wünschen wir gesegnete Feiertage und einen guten Rutsch ins neue Jahr!

Text: Fabian Mechtel
Bilder: Teymur Madjderey (4), Tobias Heil (3)

3 Kommentare
  1. Zwei kleine Anmerkungen:
    Wer den BRZ, respektive den weitgehend baugleichen Toyota GT86, ohne elektronische Zügel und Angst vor einem Abflug genießen will, sollte bei mangelnder Erfahrung mit instabilen Fahrzuständen mindestens ein zweitägiges Rennstrecken-/Lizenztraining in Erwägung ziehen.
    Der einfache, kurze Druck auf den linken TCS/ESP-Knopf bringt nicht viel, weil sich das System oberhalb von 50 km/h wieder aktiviert. Die vollständige Deaktivierung geschieht erst nach einem mehr als dreisekündigen Druck. Siehe dazu auch:
    http://fastvoice.net/2012/09/28/toyota-gt86-revisited-das-teilzeit-biest/
    und:
    http://fastvoice.net/2012/09/18/kurz-test-toyota-gt86-vs-subaru-brz/

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