Unser Auto des Jahres – der Skoda Citigo

Was für ein Jahr, wir sind quer gefahren, schnell gefahren, weit gefahren, hoch oben gefahren, im Wasser gefahren, elektrisch gefahren, Altes gefahren und auch mal gar nicht gefahren. Es wurden viele Eindrücke gesammelt, Vorurteile abgebaut und Überraschungen erlebt.
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Wir haben es im Rückspiegel bereits erwähnt – einer muss der Beste sein. Doch während man von einem Land Rover Defender erwartet, dass er Dich klaglos ans Ende der Welt bringt und sich im Klaren ist, dass ein Nissan GT-R das Querbeschleunigungszentrum im Stammhirn neu eichen kann, so gibt es eben doch noch Autos, die man vorab so gar nicht einschätzen kann.

asphaltfrage.de | Auto des Jahres | Skoda Citigo 1.0 | Wallpaper 2Der Skoda Citigo ist so ein Beispiel. Was erwartet man von einem Auto, bei dem schon der Einstiegspreis von 8.890 EUR klar macht, das es sich hier nur um die Befriedigung automobiler Grundbedürfnisse handeln kann? Zu wenig. Deutlich zu wenig. Vor allem wenn es ein Fünftürer ist. Das macht die Sache zwar ein wenig teurer, aber auch erst zu einem echten Auto – denn ein Alltagsfahrzeug mit nur drei Türen ist unter praktischen Gesichtspunkten einfach nur Unsinn.

asphaltfrage.de | Auto des Jahres | Skoda Citigo 1.0 | Wallpaper 3Aber Praktikabilität ist nicht der einzige Trumpf des kastigen Tschechen. Es ist seine Fröhlichkeit. Deshalb muss er auch rot sein. Weiß, silber, schwarz und selbst das merkwürdige Grün, mit dem er von allen Plakatwänden grüßt – vergiss es. Dazu ein Innenraum, der mit herrlicher Unverkrampftheit lockt. Plastiklenkrad, manuelle Spiegelverstellung, integrierte Kopfstützen und viel nacktes Blech. Weil das aber rot ist und man scheinbar auch mit günstigen Kunststoffen eine sehr ansprechende Haptik erreichen kann, gibt es nichts zu kritisieren.

asphaltfrage.de | Auto des Jahres | Skoda Citigo 1.0 | Wallpaper 4Und wer sich beschwert, dass das Beifahrerfenster nicht vom Fahrersitz aus zu bedienen ist, der sollte sich einmal fragen, wie oft er diese Funktion in anderen Autos braucht. Überhaupt, es ist der Verzicht und die Reduktion auf die wirklich wesentlichen Dinge, die die Güte des Citigos zeigen. Es ist nicht viel drin, trotzdem vermisst man nichts.  Das portable Infotainmentsystem „Move&Fun“ ist ein weiteres Beispiel für die Genialität des Konzepts. Im Prinzip ist es ein Navigon-Nachrüstgerät mit dem Unterschied, das es eine Schnittstelle zum Fahrzeug hat und so nicht nur navigiert, sondern auch gleich noch das Handy koppelt, Musik in jeglicher Form ins Auto spielt, einen umfangreichen Bordcomputer bildet, ja sogar mit der Parkdistanzkontrolle gekoppelt ist und den Abstand zum Hintermann optisch anzeigt.

Das Beste aber ist der Preis. 300 EUR nimmt Skoda für ein System, das bei der Konkurrenz gerne mal das Zehnfache kostet. Navigationsgüte, Menüstruktur und Grafik sind überdies erstklassig, weil hochmodern. Es hat eben seine Vorteile, wenn ein klares Lastenheft geschrieben wird und man mit richtigen Experten zusammenarbeitet, anstatt irgendein eigenes System zurecht zu fummeln.

asphaltfrage.de | Auto des Jahres | Skoda Citigo 1.0 | Wallpaper 5Man hat also viel Platz in einem gut verarbeiteten Innenraum, kann sich spielend zu allen Zielen navigieren lassen und so stellt sich an dieser Stelle berechtigterweise die Frage nach dem Antrieb. Klein ist er, nur 999cm³ Hubraum weist das Datenblatt aus und weder Turbolader, noch Kompressor oder Direkteinspritzung machen ihm Beine. Ansaugen, verdichten, zünden, ausstoßen. Sechs Ventile, fixe Steuerzeiten wie Ventilhübe und auch keine sonstigen technischen Zaubereien. Trotzdem fährt das Ganze. So gut sogar, dass uns erst nach einer Woche und dem zufälligen Blick in die Zulassungspapiere auffiel, dass es sich bei unserem Testwagen um die gedrosselte 60PS-Variante und nicht um die vollen 75PS handelte.

asphaltfrage.de | Auto des Jahres | Skoda Citigo 1.0 | Wallpaper 6Ein freudig knorriger Ton entweicht dem Aggregat, begleitet von zarten Vibrationen, die gut zum quirligen Charakter passen, vor allem über 4000 Umdrehungen, wenn Citigo alles gibt. Und es macht wirklich Spaß alles zu geben. Die Gängen fallen locker in ihre Gassen, die Bedienkräfte sind gering und die optionale 185er-Bereifung bietet ein ordentliches Gripniveau. Weil die Federung dabei mehr Blick auf den Komfort als auf Querbeschleunigung legt, ist die flotte Landstraßenpartie immer eine Freude: Es quietscht, es schaukelt und rutscht neben die eingeschlagene Linie. Wer zur rechten Zeit das Gas lupft, der darf sogar gegenlenken.

asphaltfrage.de | Auto des Jahres | Skoda Citigo 1.0 | Wallpaper 7Herrlich. Was will man mehr? Nichts. Nur noch schnell ein Wort über den Verbrauch verlieren: 4.7 Liter. Damit brachte uns der Citigo volle 100 Kilometer weit. Und das nicht etwa im selbstkasteienden Herrenfahrer-Modus, nein, da waren es nämlich nur 4.1 Liter/100km, sondern im echten Schnitt über die gesamte Teststrecke. Die mit über 3200km in 14 Tagen überraschend hoch lag.

Aber einmal in der roten Kiste wollte niemand mehr aussteigen. Das hatten wir nicht erwartet. Weshalb der Skoda Citigo 1.0 Active auch mit großem Vorsprung unser Auto des Jahres ist.

Ein glücklicher Zufall ermöglichte uns auch, unsere persönliche Garagentraumpaarung zu fotografieren. Jeder ist auf seine Weise „das Auto“. (Aber das war eh klar, sind es doch beide im Grunde Volkswagen…)

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Hier geht es weiter mit unserem zweiten „best of“: unser bestes Fahrerlebnis in 2012 – mit dem Elfer auf dem Eis. Viel Spaß!

Die komplette Galerie zum Test gibt es hier im Flickr.

Und zum einem ganz ähnlichen Ergebnis auf der Suche nach dem Autos des Jahres kam unser geschätzter Kollege Bjoern Habegger!

Technische Daten:

Modell: Skoda Citigo 1.0 MPI Ambition
Motor: 3 Zylinder Benziner, 999cm³
Leistung: 44kW/60PS
Drehmoment:95Nm
Antrieb: Front, Fünfgang-Schaltgetriebe
Verbrauch: 4.7l/100km Benzin
0-100km/h:14.4sec
Vmax: 160km/h
Preis: ab 10.825 EUR

Text: Fabian Mechtel
Bilder: Fabian Mechtel

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