MA-SE-RAAATI – oder auch: ach, das Auto!

Gutes soll man teilen. Sehr Gutes kann man deshalb ruhig auch öfter unters Volk bringen, weshalb wir uns nach unserem gestrigen Fernsehtipp nun gleich noch einmal mit der empfohlenen Sendung beschäftigen wollen.

asphaltfrage.de | Der Tatortreiniger | Maserati Quattroporte

Und diesmal hat es sogar noch etwas mehr mit dem Thema Auto zu tun, als der zwar nett gemeinte, aber im Grunde doch etwas aus den Fingern gesaugte Hinweis auf Schottys Fiat 147 Pickup. Denn in der vierten und letzten Folge der ersten Staffel des Tatortreinigers steht nicht nur das Sofa der alten Dame, die von einer hinreißend spielenden Christine Schorn dargestellt wird, sondern es geht auch um einen Maserati. Einen mit vier Türen. Im Grunde aber doch nur um ein Auto.

Und weil es im Wortlaut noch viel schöner war, haben wir die Szene gleich aufgeschrieben:

„Boah, der Quattroporte da draußen ist ja dann wohl Ihrer.“

„Der was?“

„Der schwarze Maserati.“

„Ach, das Auto!“

„Ja, genau. Das – Auto…“

„Ja, das gehört mir. Gefällt es Ihnen?“

„Wa? Das ist’n Maserati! ‚N Ma-se-raaati! Hach, also ich persönlich finden den Quattroporte ja sogar besser als den Cambiocorsa. Wobei der Cambiocorsa die Forme-1-Schaltwippen am Lenkrad hat, die sind natürlich auch der Hammer. Aber die kann man aber auch beim Quattroporte einbauen lassen. Und der hat sogar noch mehr PS. 431. Vierhundereinunddreißig PS. Hubraum 4.7, da bin ich mir jetzt nicht ganz sicher. Die hatten ja Probleme mit den Nockenwellen, haben das jetzt aber durch die Hydrostößel ganz gut in den Griff gekriegt. Hatten Sie mal Probleme mit den Hydrostößeln?“

„Ich glaube nicht, ich trinke mindestens zwei Liter Wasser täglich.“

„Ah, mhmm, ist jedenfalls ’n geiles Auto. Supergeil.“

„Für mich ist es ja eigentlich ein bisschen groß. Eigentlich fahre ich damit nur zum Friedhof um die Ecke.“

Die Mimik, mit der die beiden diesen Dialog in Szene setzen ist größte Schauspielkunst. Und das obwohl das Gesicht, das Bjarne Mädel nach dem letzten Satz aufsetzt, eigentlich keines besonderen schauspielerischen Talents bedarf – denn alleine der Gedanke, den feinen Achtzylinder nur im Kaltlauf um die Ecke rollen zu lassen und seine Stimme nach 500 Metern wieder verstummen zu lassen, lässt jedem Automobil-Enthusiasten die Gesichtszüge entgleisen. Nicht nur wegen der Nockenwellen.

asphaltfrage.de | Der Tatortreiniger | Maserati Quattroporte IVAuch wenn der Name in der Übersetzung ein wenig, naja, profan daherkommt, so zeugt er doch von der italienischen Sicht auf die Dinge. Da muss keine hochbezahlte Agentur Scrabble spielen, um danach nichtssagende und bezuglose Kreationen in Chromlettern auf die Karosserie zu kleben, nein, das Auto hat vier Türen, also wird es so genannt. Fertig. Seine Gestalt spricht für sich selbst. Das wusste sogar der Papst, schließlich fuhr Johannes Paul II. immer mit einem Quattroporte in seine Sommerresidenz Castel Gandolfo. Sogar Kanzerlin Angela Merkel kam während einer Audienz schon einmal in den Genuss der vierten Tür.

An dieser Stelle müssen wir dem Tatortreiniger nun aber auch etwas in den Rücken fallen. Die 431PS von denen Schotty in „Nicht über mein Sofa“ spricht gab es nämlich nie im Quattroporte. Es ist nicht das eine PS an dem wir uns aufhängen, nein, es ist mehr der Hammer, mit dem die nordische Reinigungskraft durch das Modellprogramm der Italiener kämmt.

asphaltfrage.de | Der Tatortreiniger | Maserati Quattroporte IVDenn es gab zwar einen 4.7-Liter V8 im Quattroporte, dieser leistete aber 430PS. Und ein Cambiocorsa-Modell gab es ebenfalls nie. So nennt Maserati das sequenziell betätigte Schaltgetriebe, welches 2001 Premiere im Coupé hatte. Dieses hatte zwar weniger Leistung als der Quattroporte, aber nur, weil es nie mit dem 4.7-Liter-Motor verkauft wurde. Der kam erst im Gran Turismo S. In diesem Umfeld aber sogar 441PS stark und somit nicht schwächer als in der Limousine. Diese kleinen Ungereimtheiten sehen wir dem NDR aber nach, denn das Modellprogramm der Marke mit dem Dreizack ist wahrlich ein Tumult, in dem man schnell den Überblick verliert.

asphaltfrage.de | Der Tatortreiniger | Maserati Quattroporte IVAls gröberen Fehler hingegen werten muss man, dass all das Gesagte zwar im Prinzip auf Quattroporte und Gran Turismo passen würde, stünde da nicht der eckige Entwurf von Gandini in der noblen Hamburger Hofeinfahrt. Denn die großen freisaugenden V8-Triebwerke auf Ferrari-Basis fanden erst in den späten 2000er-Jahren Einzug unter die Motorhauben von Maserati. Im Tatortreiniger sieht man aber einen Quattroporte IV. Wer genau hinsieht erkennt sogar, dass es sich um einen „ottocilindri evoluzione“ aus der Zeit nach 1998 handelt.

asphaltfrage.de | Der Tatortreiniger | Maserati Quattroporte IVUnd es ist klar, dass Schotty beim Anblick des Maseratis der Atem stockt. Denn auch wenn er aus manch isolierten Blickwinkeln ein wenig plump erscheinen mag – wir meinen hier besonders die Heckpartie – so ist er im Großen und Ganzen ein wirklich gelungener Entwurf. Was zu erwarten war, wenn kein Geringerer als Marcello Gandini für die Gestaltung verantwortlich war. Denn wer eine Miura und einen Stratos zeichnen kann, einen Tipo 33, Countach und Espada, ja sogar Massenprodukte wie der Ur-5er und den Renault 5, dem gelingt selbst in der Mittagspause etwas derart Elegantes wie der Quattroporte.

asphaltfrage.de | Der Tatortreiniger | Maserati Quattroporte IVDoch jedem ist klar, dass ein Maserati nicht vom Styling allein lebt und so hat man in Modena auch unter dem Blech nicht viel falsch gemacht. Von allem nur das Feinste. Und das Zierlichste. Was leider auch dazu führte, dass der Viertürer beinahe zu gleichen Teilen automobil wie immobil war. An dieser Stelle muss man sich auch die Frage stellen, welchen Quattroporte der vierten Serie man sein Eigen nennen möchte. Da wären die ersten seicilindri-Modelle, die noch den vollen florentinische Medici-Prunk aus Leder, Alcantara, edelsten Hölzern und vergoldeter Rolex auf der Mittelkonsole mitbringen und deren energisches Geräusch ihrer Biturbo-V6-Motoren jederzeit die Synapsen im Stammhirn an den Rand des Wahnsinns treiben können.

asphaltfrage.de | Der Tatortreiniger | Maserati Quattroporte IVAuf der anderen Seite die angesprochenen ottocilindri evoluszione-Modelle, die zwar an Opulenz verloren, dafür aber an Haltbarkeit gewonnen hatten. Und die 336PS des 3.2-Liter-V8 sollten jede Traurigkeit über den von Ferrari-Boss Luca di Montezemolo verordneten Sparzwang verfliegen lassen. Denn am Ende des Tempolimits ist es immer unangenehm, wenn man in seinem Maserati den Passat TDI nicht spürbar abhängen kann. Und die 284PS des 2.8-Liter V6, wie auch die 287PS des 2.0-Liter V6 reichen dafür nicht immer aus…

asphaltfrage.de | Der Tatortreiniger | Maserati Quattroporte IVAndererseits ist es völlig egal für welchen Quattroporte Sie sich entscheiden, denn ein Maserati muss niemandem etwas beweisen. Ein Maserati ist Ausdruck von Stil. Von Persönlichkeit. Ein wenig auch von Leidensfähigkeit. Man kauft ihn der Optik wegen, des Geruchs und des Geräuschs. Und es ist auch egal wie weit man damit fährt. Hauptsache er ist da. Zwar kann ein derartiger Einsatz wirklich irgendwann zu Problemen mit den Nockenwellen führen, aber Schotty ist eben kein Dummer. Auch ohne Abitur.

Und an dieser Stelle bleibt uns nur noch eins: der Link zur Folge. Viel Spaß mit Schotty, der alten Dame und dem Viertürer.

Text: Fabian Mechtel
Bilder: NDR (1), Maserati (5), Archiv (1)

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